Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 43

Jesu Lehre als Brot des Lebens.

  • Johannes.06,22] Am nächsten Tag sah das Volk, das am andern Ufer des Meeres stand, daß kein anderes Boot da war als das eine, in das seine Jünger getreten waren und daß Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Schiff getreten war, sondern allein seine Jünger waren weggefahren. (⇒ jl.ev06.043,01)
       01] Des andern Tages aber, als wir nach dem Morgenmahle ins Freie hinausgingen, um uns da umzusehen, was es da gäbe, da trafen wir am Ufer eine große Menge Volkes, das uns von Tiberias noch in der Nacht mit großen Beschwerden nachgefahren war. Es war aber das eben dasselbe Volk, das gestern abend jenseits des Meeres am Ufer stand und wohl sah, daß die Jünger ohne Mich allein übers Meer hinwegfuhren. Und diese Menschen sahen nun auch, daß außer ihren wohl kennbaren Schiffen kein anderes Schiff da war als allein das, in welchem sie die Jünger allein wegfahren sahen, wie auch, daß Ich durchaus nicht mit ihnen bei der Abfahrt in das Schiff getreten war, sondern daß ganz allein nur Meine Jünger weggefahren waren. (Johannes.06,22*)

    Rechte Motive, Jesus zu suchen

  • Johannes.06,23] Es kamen aber andere Schiffe von Tiberias nahe zu der Stätte, wo sie das Brot gegessen hatten durch die Danksagung des Herrn. (⇒ jl.ev06.043,02a)
       02a] Als wir aber also da am Ufer umhergingen, da kamen noch andere Schiffe an, die erst frühmorgens von Tiberias abgefahren waren. Sie fuhren aber zuerst noch an die Stelle hin, stiegen aus und besuchten noch die Stätte, wo sie durch Meine Danksagung das Brot gegessen hatten, um sich zu überzeugen, ob Ich etwa doch noch da wäre. (Johannes.06,23*)

  • Johannes.06,24] Als nun das Volk sah, daß weder Jesus da war noch seine Jünger, stiegen sie auch in die Schiffe und kamen nach Kapernaum und suchten Jesus. (⇒ jl.ev06.043,02b)
       02b] Da sie aber weder Mich noch die Jünger allda fanden, so eilten sie schnell zurück zu den Schiffen, die ihrer harrten, und fuhren bei gutem Winde nach Kapernaum; denn sie wußten es, daß die Jünger nach Kapernaum gefahren waren. Als sie gen Mittag hin in Kapernaum ankamen, so suchten sie sogleich die Jünger und vor allem Mich, ob Ich wohl allda wäre. (Johannes.06,24*)

  • Johannes.06,25] Und als sie ihn fanden am andern Ufer des Meeres, sprachen sie zu ihm: Rabbi, wann bist du hergekommen? (⇒ jl.ev06.043,03)
       03] Und als sie Mich nach längerem Suchen fanden, und zwar in einer Schule zu Kapernaum, wie davon noch später eine Erwähnung gemacht wird, und nun offenbar sahen, daß Ich von Tiberias nach Kapernaum auch offenbar übers Meer habe kommen müssen, da Ich auf dem weiten Umwege zu Lande über die vielen Berge und Gräben wohl gut ein paar Tage dazu benötigt hätte, bis Ich nach Kapernaum käme, da fragten sie Mich und sagten: »O Rabbi, wie bist du denn übers Meer gekommen?« (Johannes.06,25*)
       04] Ich aber gab schnell den Jüngern einen Wink, daß sie dieses niemandem sagten, da Ich es Mir vornahm, diesen Königshelden eine Lehre zu geben, die ganz geeignet sein werde, die Spreu von dem reinen Weizen zu fegen.

  • Johannes.06,26] Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht darum, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid. (⇒ jl.ev06.043,05; Vaterbriefe.398)
       05] Und Ich sagte darum zu den Fragenden: »Wahrlich, wahrlich, Ich sage es euch: Ihr suchet Mich nicht darum, weil ihr die vielen Zeichen, die Ich gewirket habe, gesehen habt, sondern nur darum, weil ihr als Hungrige auf dem Berge das Brot gegessen habt und davon recht satt geworden seid! Ihr habt Mich deshalb aus Dank auch einen großen Propheten genannt und wolltet Mich endlich gar zu eurem Könige machen, dieweil ihr bei euch dachtet: 'Siehe da, der hat Macht genug wider unsere Feinde, derentwegen wir zuallermeist arbeiten müssen, und dazu kann er uns stets also Brot verschaffen, und wir haben dann nicht mehr nötig zu arbeiten!' (Johannes.06,26*)

  • Johannes.06,27] Die Speise wirkt nicht, weil sie vergänglich ist; sondern nur die bleibt fürs ewige Leben, die euch der Menschensohn geben wird; denn diesen hat Gottes der Vater versiegelt. (a Johannes.05,36; ⇒ jl.ev06.043,06)
       06] Ich aber sage es euch: Die Speise, die wirket nicht zum geistigen Leben der Seele, sondern nur zum vergänglichen Leben des Fleischleibes. Ich aber, als nun auch des Menschen Sohn, aber will und werde euch eine andere Speise zeigen und geben, die da bleibet und wirket für ewig in der Seele. Denn dazu hat der Vater im Himmel Mich gesiegelt und bestimmt. Und diese Speise besteht darin, daß ihr wahrhaft Gottes Willen und dadurch auch Gottes Werke verrichtet.« (Johannes.06,27*, Johannes.05,36)

    Glaube an Jesus als Gesandten Gottes entspricht Wille Gottes

  • Johannes.06,28] Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir tun, daß wir Gottes Werke wirken? (⇒ jl.ev06.043,07-08)
       07] Da sagten die Frager zu Mir: »So sage uns denn, was wir tun sollen, daß wir nach deinem Worte Gottes Werke wirken! Wir sind nur Menschen und keine Propheten und können nur nach dem Gesetze Mosis leben.« (Johannes.06,28*)
       08] Sagte Ich: »Ja, so ihr das Gesetz Mosis hieltet, so hättet ihr Mich schon lange erkannt! Aber ihr haltet aus Furcht vor den weltlichen Strafen mit geheimem Grimm die Satzungen der Welt und erkennet Mich darum nicht, trotz dem, daß Ich solche Zeichen vor euren Augen gewirkt habe, die noch nie ein Mensch vor Mir gewirkt hat.

  • Johannes.06,29] Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, daß ihr an den glaubt, den er gesandt hat. (⇒ jl.ev06.043,09)
       09] Ich will euch aber nun sagen, was von jetzt an Gottes Werk ist. Das ist von jetzt an Gottes Werk, das von euch dadurch gewirkt werden kann, daß ihr an Mich als an Den glaubet, den Gott durch die Propheten verheißen und nun zu euch in diese Welt gesandt hat!« (Johannes.06,29*)

    Jesu Lehre ('Brot') beglaubigt seine Sendung

  • Johannes.06,30] Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? (⇒ jl.ev06.043,10a)
       10a] Da machten sie alle große und verblüffte Augen und sagten: »Was wirkest denn hernach du noch für Zeichen über die von uns gesehenen? Sage und zeige sie uns, auf daß wir sie auch sehen und dir dann glauben das, was du von Dir aussagest! Also, welche andern Zeichen wirkest du noch? Bis jetzt wissen wir nur, daß du allerlei Kranke geheilt hast, und daß du uns wahrlich wunderbarerweise mit viel Brot aus den wenigen Broten auf dem Berge ganz satt gespeiset hast. Allein, ähnliche und mitunter sogar größere Zeichen haben auch, von Moses an, andere Propheten gewirkt. (Johannes.06,30*)

  • Johannes.06,31] Unsre Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht: a 'Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.' a (a Psalm.079,24; 2. Mose.16,13-15; ⇒ jl.ev06.043,10b; 31-35: jl.ev09.191,09-10; Vaterbriefe.433+474)
       10b] Haben nicht unsere Väter in der Wüste Manna gegessen, wie es geschrieben steht: b 'Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.'?!« (Johannes.06,31*; Psalm.079,24; b 2. Mose.16,13-15; jl.ev09.191,09-10; Vaterbriefe.433+474)

  • Johannes.06,32] Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Moses hat euch nicht Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das rechte Brot vom Himmel. (⇒ jl.ev06.043,11a)
       11a] Darauf sagte Ich zu ihnen: »Wahrlich, wahrlich! Moses hat euch nicht Brot vom wahren, sondern nur vom sichtbaren, irdischen Himmel aus der Luft gegeben; nur Mein Vater im wahren, geistigen Himmel gibt euch nun durch Mich das wahre Brot vom Himmel! (Johannes.06,32*)

  • Johannes.06,33] Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. (⇒ jl.ev06.043,11b-12)
       11b] Denn dies ist das wahre Brot vom Himmel in Mir, das der Welt das Leben gibt!« (Johannes.06,33*)
       12] Sie aber verstanden nicht, daß Ich unter dem wahren Brote, das der Seele das ewige Leben gibt, nur Mein Wort und Meine Lehre, die aus der ewig lebendigsten Liebe und Weisheit Gottes hervorgeht und dadurch selbst Leben und Weisheit ist und der Seele das wahre Leben gibt, verstanden und gemeint habe.

  • Johannes.06,34] Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns alleweg solches Brot. (⇒ jl.ev06.043,13)
       13] Darum sie, weil sie darunter nur ein Brot, das sie am Berge gegessen hatten, verstanden, denn auch sagten: »Herr und Meister, so gib uns allewege solches Brot zu essen, und wir verlangen nichts Weiteres!« (Johannes.06,34*)

  • Johannes.06,35] Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das a Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. (a Johannes.04,14; Johannes.07,37; ⇒ jl.ev06.043,14-16)
       14] Darauf sagte Ich: »Was redet ihr, und was verlanget ihr? Habt ihr denn nicht verstanden, was Ich sagte? Ich Selbst bin das wahre Brot des Lebens! Wer zu Mir kommt, den wird es nicht hungern, und wer an Mich glaubt, den wird es nimmerdar dürsten!« (Johannes.06,35*; Johannes.04,14; Johannes.07,37)
       15] Da sagten sie: »Herr, sind wir nun doch bei dir! Und da wir seit heute morgen nichts zu uns genommen haben, so fängt es uns an dennoch zu hungern und auch zu dürsten, obwohl wir glauben, daß du ein großer Prophet bist, vielleicht größer denn Moses, von dem man nicht einmal mehr mit großer Bestimmtheit sagen kann, daß er wahrhaft einmal da war. Moses haben wir nie gesehen; dich haben wir gesehen und sehen dich noch, und so bist du uns auch offenbar mehr denn Moses und alle alten Propheten. Aber dennoch sind wir nun schon recht hungrig und durstig. Wie ist denn hernach dein Wort zu deuten?«
       16] Sagte Ich geheim zu Johannes: »Siehst du, was Ich dir gestern geheim am Berge sagte, war es nicht wahr?! Diese Menschen sind noch ganz auf der Stufe der Tiere, und Ich rede darum also verdeckt, auf daß sie ganz unsinnig werden und sodann sich entfernen von Mir; denn ihre Zeit ist noch lange nicht da.«


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