Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 275

Ein Blick in den Sternenhimmel.

01] Alle staunten über die große Pracht des Himmels, und der Wirt fragte Mich, was etwa doch diese zahllos vielen großen und kleinen Sterne seien. Und Ich erklärte ihnen das gerade also, wie Ich solches auch schon bei anderen gleichen Gelegenheiten getan habe; ja, Ich tat hier noch mehr.
02] Nachdem Ich bei zwei Stunden lang allen das Notwendigste davon klar erörtert hatte und dadurch geheim in ihren Gemütern der Wunsch rege wurde, sich von der Wahrheit des Gesagten, so es möglich wäre, noch um vieles heller und tiefer zu überzeugen, da versetzte Ich sie alle, ohne daß sie es ahnen konnten, was da mit ihnen geschah, in den geweckt rein geistigen Zustand, und sie schauten nun mit im höchsten Grade verklärten Blicken nach den Sternen und konnten einen um den andern so wie ganz in der Nähe betrachten.
03] Da entstand plötzlich ein größter Jubel, der immer heftiger geworden wäre, so Ich die Gesellschaft noch länger in solcher geistigen Gewecktheit gelassen hätte; aber Ich rief sie alle wieder zurück in den naturmäßigen Zustand, und keiner von ihnen begriff, was da mit ihm vorgegangen ist, daß er solche unerhörten Wunderdinge in den Sternen hat schauen können.
04] Ich aber sagte zu ihnen: »Wundert euch dessen doch nicht zu sehr! Ich habe durch Meine Willensmacht nur euer inneres Geistesauge geöffnet, und so waret ihr denn auch imstande, diese fernen Welten wie ganz in der Nähe zu beschauen; denn für den Geist ist eine jede irdische und also räumliche Ferne so gut wie gar keine. Denket aber nun darüber zu Hause nach, und morgen wollen wir darüber noch so manches verhandeln! Für jetzt aber begebet euch nach Hause zur Ruhe, und des Sabbats Ruhe und Feier sei damit beendet!«
05] Hierauf dankten Mir alle und begaben sich dann in ihre Wohnungen. Nur der ferne Nachbar blieb bei uns die kurze Nacht hindurch. Ich begab Mich mit den Jüngern auch zur Ruhe, und es ist sonach abermals ein Sabbat mit lauter guten Werken zugebracht worden.
06] Die Nacht verging bald, und am Morgen früh waren schon die meisten Nachbarn samt Weibern und Kindern vor dem Hause des Barnabe versammelt, und das ganze Haus des Barnabe war schon voll Tätigkeit, um ein gutes Morgenmahl zu bereiten.
07] Ich kam mit Meinen Jüngern auch bald ins Freie hinaus zu den Harrenden, und Barnabe brachte Mir einen recht herrlichen Morgengruß, sowie nebenbei auch Meinen Jüngern. Darauf taten dasselbe auch alle andern hier anwesenden Nachbarn und frohlockten hoch, daß sie Mich in ihrer Mitte hatten, und sie konnten sich noch immer nicht zur Genüge erstaunen über den gestrigen Anblick des gestirnten Himmels.
08] Einer, der ganz auf die Oberfläche eines fernen Wandelsternes im Geiste versetzet ward, und zwar auf den Uran (Uranus), der fragte Mich, ob jene vielen und sehr kräftigen Menschen, die er dort ganz gut gesehen hatte, schon eine Art Selige wären. Er wenigstens habe sie dafür gehalten; nur das hätte ihn etwas wundergenommen, daß er sie noch viel emsiger habe arbeiten sehen als selbst die fleißigsten Menschen auf dieser Erde. Viele und gar große Gebäude hatte er auch gesehen und viele, die erst mit allem Eifer erbaut wurden. Nun meinte er, ob denn im Himmelreiche sich die Seligen auch also, wie hier auf Erden die Menschen, ihre Häuser erbauen müßten.
09] Da sagte Ich zu ihm: »Zum Teile wohl auch; aber die Menschen, die du auf jener Welt gesehen hast, die sind eben noch lange keine Geister und somit auch keine Seligen, sondern sie sind für jene Welt ebenso materielle Menschen wie ihr hier auf diesem Weltkörper, nur mit dem Unterschiede, daß ihr Erdenmenschen allein den Beruf (Berufung; berufen seid) habt, Kinder Gottes zu werden, während alle Menschen auf allen den zahllosen Myriaden von Weltkörpern im allgemeinen diesen Beruf nicht haben, obwohl sie davon gerade nicht gänzlich ausgeschlossen sind. Aber es gehört dort viel mehr dazu denn hier auf dieser Erde, die schon vom Anbeginne an dazu bestimmt ward.
10] Wohl gab es noch eine gar große Erde, die von dieser Sonne das Licht empfing. Die hatte auch dieselbe Bestimmung, aber ihre Menschen hatten sich zu gewaltig übernommen, und es geschah darum, daß über sie ein gar großes Gericht kam, wie es auch schon einmal dieser Erde um nicht gar vieles besser ergangen ist. Jene Erde wurde ganz zerstört und zertrümmert, und mit ihr auch ihre über alle die Maßen stolz und lasterhaft gewordenen Menschen.
11] Ein Weiteres darüber könnet ihr von diesen Meinen Jüngern erfahren; das Ganze aber wird euch mit der Zeit, so ihr ganz getreu und tätig in Meiner Lehre verbleiben werdet, euer Geist, so er eins wird mit eurer Seele, zeigen und euch in alle die wunderbarsten Wahrheiten leiten.«
12] Da wunderten sich wieder alle über Meine Allwissenheit und dankten Mir und lobten und priesen Mich darum, daß Ich sie Meines Besuches gewürdiget habe.
13] Nun aber kam auch schon ganz munter die Elisa, die sich an der Bereitung des Morgenmahles am eifrigsten beteiligt hatte, und lud uns zum Morgenmahle. Die Nachbarn aber entschuldigten sich, daß sie ein solches schon daheim eingenommen hätten.
14] Aber Barnabe sagte: »Nun ist schon alles eins! Bereitet ist für alle, so wie das gestrige Abendmahl, und sie sollen sich darum nur ganz wohlgemut an die Tische machen!«
15] Darauf ging denn alles wieder ins Haus, und es ward fröhlich das Morgenmahl eingenommen. Nach dem Mahle, das eingenommen ward, bekamen die Jünger viel zu tun; denn die Nachbarn fingen sie einmal wegen der Essäer zu fragen an, und da gab ein Wort das andere. Und es dauerte das Befragen und das Erklären nahe bis auf den Abend hin, und es wurde kein Mittagsmahl genommen, außer etwas Brot und Wein. Bei dieser Gelegenheit führten einige Jünger auch einige Proben ihrer Wunderkraft aus, worüber sich die Nachbarn höchlichst erstaunten und desto mehr Eifer bekamen, sich ganz genau nach den vernommenen Lehren zu verhalten.
16] Ich aber war stets mit unserem Barnabe beschäftigt, bei welcher Gelegenheit er auch Erwähnung tat von den zwei Wundern, die Ich als zwölfjähriger Knabe im Tempel gewirkt habe, und daß diese beiden Wunder auf ihn zwar einen ungeheuren Eindruck gemacht hätten, er aber dessenungeachtet noch stets bei der Meinung geblieben wäre, daß Ich aus der Schule der Essäer wäre, wovon er aber nun das schroffste Gegenteil einsehe und Mich vollkommen als das erkenne, als was Ich Mich schon damals im Tempel Selbst vorgeführt habe. Kurz, die ganze Gemeinde samt Barnabe war nun ganz gewonnen, und wir bekamen nun sehr viel Muße, um über verschiedene Dinge zu reden, und es kam also auch bald der Abend herbei, an dem es natürlich an einem Abendmahle nicht gemangelt hat.


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