Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 208

Vorbereitungen zum Morgenmahle.

01] Als die Nachbarn das vom Hiram vernommen hatten, machten sie sich gleich zusammen und gingen mit Aziona und Hiram zu uns herüber.
02] Als sie vor der Hütte Azionas uns aber noch schlafend fanden, sagte einer von ihnen: »Ah, die schlafen noch; da können wir noch einmal nach Hause einen Sprung machen und unseren Angehörigen anzeigen, was sie für den ganzen Tag zu tun haben sollen!«
03] Sagt Aziona: »Oh, lasset das! Die Leute werden schon wissen, was sie zu tun haben; denn meine Fremden werden dafür schon sorgen, so wie sie auch gestern abend gesorgt haben, daß überall Feuer zum Absieden der Fische auf die Herde gekommen ist und in jedes Haus Salz zur Genüge.«
04] »Was«, sagt ein Nachbar, »die Fremden hätten das getan?! Ah, das müssen ja ganz außerordentliche Magier sein! Die haben uns sicher irgendwo in unserer Not auf unseren Reisen kennen gelernt, haben uns durch die Römer irgend etwa in Cäsarea Philippi erfragt und sind gekommen, uns zu besuchen und uns vielleicht auch so ein wenig aufzuhelfen!«
05] Sagt Aziona: »Wohl wissen sie um unser ganzes Treiben und Sein; aber irgend auf unseren Reisen haben sie uns persönlich nie gesehen oder irgendwo besucht, und sie sind alles eher denn Magier, für das auch ich sie anfangs gehalten habe. Was sie und besonders ihr Meister aber sind, das werdet ihr im Verlaufe dieses Tages noch hinreichend kennenlernen. Kurz, besonders der Meister ist ein Etwas, das noch nie da war, solange die Menschen auf dieser Erde denken und ihre Taten aufgezeichnet haben auf die ehernen Tafeln der großen Weltbegebenheiten! Für jetzt genug; denket darüber nach! Ich will aber in der Küche nachsehen, wie es mit dem Morgenmahle steht.«
06] Aziona geht in die Hütte und trifft seine Leute sich sehr geschäftig mit dem Herrichten und Zubereiten herumtummeln, und auf dem Herde brennt es ganz lebhaft, und alle Roste, Bratspieße und Töpfe und Pfannen sind vollgepfropft mit Fischen, denen auf die morgenländische Art die Gräten ausgezogen sind. Auch an wohlduftenden Kräutern gibt es keinen Mangel, mit denen die Fische schmackhafter gemacht werden. Aziona sieht auch in der Speisekammer nach, wie es etwa mit dem verlangten Brote aussähe. Er findet alles voll, und mehrere große Krüge und andere kostbare Gefäße, eine Beute des Schiffes, sind voll des besten Weines.
07] Und Aziona ruft ganz entzückt laut aus: »Dir allein alles Lob und alle Ehre, o Herr; denn das alles ist Deine alleinige Güte und Macht!«
08] Es hörte aber dies sein Weib, und sie fragte ihn, was für einen Herrn er denn meine; denn bis jetzt meinte sie, daß sie ganz freie und herrenlose Menschen wären.
09] Aziona aber sagte: »Du bist ein Weib, daher dumm, und verstehst nichts, außer die Fische recht gut zuzurichten! Wer hat uns denn hier mit allem also versorgt? Siehe, der das getan, Der ist auch unser Herr und unser größter Wohltäter! Und nun frage nicht weiter, sondern mache gut dein Geschäft!«
10] Da ward das Weib gleich mäuschenstill; denn sie wußte, daß mit ihrem Manne bei solchen Gelegenheiten nicht viel zu reden und zu machen war. Aber dennoch ging ihr das Wort >Herr< nicht mehr aus dem Herzen, und sie dachte sehr darüber nach bei sich.


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