Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 207

Die Sammlung und Bergung des Strandgutes. Die Neugier der Dorfbewohner.

01] Hier gingen Hiram und Aziona in die Hütte und brachten gleich die beiden Fischer zum Herrn. Darauf weckten sie ihre Angehörigen in ihren nachbarlichen Hütten und machten sich an die anbefohlene Arbeit. Ihre Weiber und Kinder konnten freilich nicht genug staunen über solch reiche Bescherung und waren voller Fragen und Gedanken.
02] Aber Aziona und Hiram sagten: Jetzt heißt es bloß arbeiten; hernach kommt erst die nötige Erklärung!«
03] Darauf ward munter geräumt, und die Arbeit erreichte bald ihr Ende. Sodann wurde gleich mehreres Fischergerät ins Schiff geschafft, und die schon ziemlich erwachsenen Kinder Azionas und Hirams machten sich gleich ans Fischen und fingen in kurzer Zeit eine große Menge der edelsten und größten Fische, so daß sie ihre im Wasser eingezäunten Behälter beinahe ganz voll machten.
04] Ich aber hatte unterdessen den beiden Fischern dahin Meine Meinung also eindringlichst ans Herz gelegt, daß sie sich darauf auch vollernstlich ins Herz schrieben, in ihrem ganzen Leben nie mehr, auch um alle Schätze der Welt, einen noch so kleinen Verrat an jemandem zu begehen. Ich wies ihnen darauf ein altes, aber noch gut brauchbares Fischerboot des Aziona an und gebot ihnen, sich von dannen zu machen und niemandem zu sagen, von wannen sie kämen, und wo das große Schiff geblieben sei. Denn denen es ein Eigentum war, die seien nicht mehr, und denen es nun gehöre, die besäßen es als ein strandrechtliches Eigentum mit allem, was es trug.
05] Darauf dankten die beiden, versprachen alles auf das heiligste ihr Leben lang zu halten, bestiegen dann ihr Boot und eilten nach Möglichkeit davon. Sie hatten aber mehrere Stunden zu tun, um in ihre Heimat zu gelangen, wo sie schlecht empfangen wurden, weil sie gar keine Bezahlung nach Hause brachten; denn beide hatten schlimme Weiber und mußten dann eine Woche lang angestrengtest fischen, um das Versäumte einzuholen. Sie wurden zwar mit allerlei Fragen - als: wo sie waren und was sie getan - bestürmt; aber sie blieben stumm wie die Fische im Wasser und gaben niemand Rede und Antwort.
06] Hiram und Aziona aber kamen, nachdem sie alles untergebracht hatten, und dankten aus vollem Herzen für die große und reiche Strandbeute und fragten Mich wegen des Morgenmahles.
07] Ich aber sagte: »Was ihr habet, Fische, die frisch sind und heute morgen gefangen wurden, bringet her, dann Brot und etwas Wein! Machet aber so viel, daß auch eure besseren Nachbarn daran teilnehmen können, wozu ihr sie einladen möget! Beim Morgenmahle wollen wir dann mehrere gar überaus große und wichtige Dinge besprechen und erörtern. Ich werde euch eine gute Einleitung zum Bekehrungsgeschäfte eurer Nachbarn geben und euch so eure Arbeit sehr erleichtern. Nun möget ihr gehen und eure Sache ordnen! Ich aber werde nun mit Meinen Jüngern eine Stunde ruhen.«
08] Hier gingen die beiden, ordneten in der Küche alles an und gingen dann selbst zu den teilweise noch mit dem Fischen beschäftigten Nachbarn und machten an sie die bewußte Einladung zum Morgenmahle. Die Nachbarn waren ganz erstaunt und zugleich sehr freudig angeregt über solche Einladung, erzählten aber zugleich ihr Staunen über ihren ungemein reichen Fischfang, der sie für einen Monat lang aller weiteren Arbeit überhebe, und sie nun Zeit gewännen, ihre Wohnungen ein wenig auszubessern.
09] Aziona aber sagte: »Solches wird nun um so leichter gehen, weil wir in dieser Nacht, während ihr wohl und gut ruhtet, eine Menge zum Bauen nötiger Werkzeuge als gute Prise in unsern Besitz bekommen haben!«
10] Fragten die Nachbarn, was es denn in dieser Nacht gegeben hätte; denn sie hätten in ihren Hütten sogar im Schlafe ein starkes Heulen und Schreien vernommen. Auch wäre es ihnen vorgekommen, als sei es die ganze Nacht über so halb taghelle gewesen. Es seien von ihnen wohl etliche aus den Hütten gegangen, um nachzusehen, was es denn gäbe, - sie hätten aber über die kleinen Hügel und Geröllhaufen, die zwischen den Hütten liegen, nicht ausnehmen können, was es sei. Sie hätten sich ganz ruhig verhalten, teilweise nur ihre Hütten, Weiber und Kinder bewacht und auch in aller der gewohnten kynischen Gemütsruhe dabei gedacht: »Nun, der bald kommende Tag wird uns darüber schon die nötige Aufklärung bringen!«
11] Da sagte Hiram: »Ja, das wird er auch! O Brüder, das war heute eine Nacht, wie wir noch nie eine erlebt und wahrscheinlich auch nie wieder eine erleben werden! Aber nun nichts Weiteres mehr davon; beim Morgenmahle an den Tischen Azionas wird euch so manches klar werden! Für jetzt aber richtet euch gleich zusammen; denn das Morgenmahl wird nicht lange auf sich warten lassen!«
12] Hier fragt einer, sagend: »Aber es sind ja gestern Fremde, etwa Juden und Griechen, zum Aziona zu Schiffe angekommen! Was sind das für Menschen? Sind sie noch da, oder sind sie schon wieder fort? Haben diese Menschen in der Nacht etwa so einen Spektakel gemacht?«
13] Sagt Hiram: »Lasset das alles nur gut sein! Die gewissen Fremden sind unser vielseitiges Glück, sind Menschen der edelsten und vollendetsten Art und bleiben heute und wahrscheinlich noch etliche Tage bei uns und werden heute das Morgenmahl mit uns halten. Sie sind überaus weise und wunderbar willensmächtig. Kurz, sie sind zumeist das, was man sonst im vollwahrsten Sinne von den vollkommensten Göttern aussagte, daß sie nämlich höchst weise sind, und daß alle Gesetze der Natur sich unter der Macht ihres Willens unbedingt beugen müssen. Da habt ihr in aller Kürze eine Beschreibung von den Fremden! Ihr brauchet aber ja keine Furcht vor ihnen zu haben; denn sie sind überaus gute und gemütliche Leute, die jedermann nur alles Beste und nie etwas Arges zufügen! Und nun machet, daß ihr fertig werdet!«


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