Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 206

Hirams Zeugnis über Jesus.

01] Sagt Hiram: »Nun, ist das etwa bei Dir nicht der Fall?! Wer wie Du faktisch mit allen göttlichen Eigenschaften ausgerüstet ist, dem fehlt auch die göttliche Natur nicht; wer aber diese hat, der ist auch ein wahrer Sohn des Allerhöchsten. Und der Allerhöchste muß auch eine allerhöchste Freude an solch einem Sohne haben und durch solch eine Freude auch so völlig eins sein mit Ihm.
02] Denn Gott als ein reinster und allmächtigster Geist, von der tiefsten Weisheit erfüllt, kann ja auch nur Seine Freude an dem haben, was Ihm möglichst im höchsten Grade ähnlich ist, und nicht an dem Fleischdampfe verbrannter Ochsen, Kälber und Schafe. Du bist Ihm aber höchst ähnlich und im Geiste gleich gar schon so gut wie Er Selbst! Was braucht es da noch mehr, um als ein zeitweiliger Miterdensohn auch zugleich ein vollendeter Gottessohn zu sein?! Bei Dir, Herr und Meister, ist das aber schon ganz unverkennbar der Fall, und so kannst Du auch der Mittler aller Völker zu Gott hin sein, ganz abgesehen von dem, daß Du uns in diesem verborgenen Erdwinkel also besucht hast, als wären wir die einzigen Menschen der Erde, die Du zu Deinem Geiste zu erheben Dir vollernstlich vorgenommen hast.
03] Nun, Herr und Meister, wäre meine Ansicht über den Messias im Allgemeinen, wie im Besondern und in der Anwendung auf Deine Person dargetan, und ich, wie auch Aziona, sind nun darin vollkommen einig.
04] Ich, von Geburt an ein Heide, weiß von der jüdischen Gotteslehre nur so viel, als ich teils von Aziona und teils auch von andern Juden in Erfahrung gebracht habe. Am meisten wird besonders in dieser Zeit bei den Juden von einem Messias geredet, weil ihnen der römische Druck nicht gefallen will und auch stets weniger gefallen wird, und es ist darum begreiflich, daß sie unter allerlei lächerlichen und wunderlichen Bildern Denselben sich vorstellen und Ihn in diese Welt treten lassen. Allein, wegen der Römer braucht noch lange kein Messias zu den Juden zu kommen; denn die Römer sind in so mancher Hinsicht selbst so eine Art kleine Messiasse für die Juden, namentlich für die Armen, denen ohne römischen Schutz die Templer schon längst den letzten Blutstropfen ausgesogen hätten.
05] Aber eben wegen der zu frechen und alles Höhere, Reinere und Wahre mit den schmutzigsten Füßen tretenden Tempeljuden und wegen der durch sie verfinsterten und verdummten Judenvölker ist ein Messias Deiner Art nun schon im höchsten Grade notwendig und für die Armen ein wahres Heil aus den Himmeln. - Ich habe nun geredet, Herr und Meister; wolle Du nun auch uns wieder ein paar Worte zukommen lassen!«
06] Sage Ich: »Ja, Ich muß es offen gestehen, daß Ich euch hier gar nicht viel mehr werde zu sagen haben; denn ihr beide fasset nun alles von einem so richtigen Standpunkte auf, daß sich darüber wenig oder nichts Weiteres mehr sagen läßt! Wahrlich, so viel richtigen Verstandes habe Ich in ganz Israel nicht gefunden! Ich bin darum auch in aller Wahrheit das, für was ihr beide Mich erkannt habt. Aber nun habt erst ihr allein das Heil eures Lebens erkannt; es sind aber eurer mehrere in diesem Orte. Wie werdet ihr das ihnen beibringen? Plötzlich dürfet ihr das nicht, sondern erst so nach und nach, weil sonst ihre Willensfreiheit einen großen Schaden leiden würde; aber es fragt sich noch einmal, wie ihr das anfangen werdet.«
07] Sagt Aziona: »Diese Sache wird freilich ein wenig kritisch sein; denn die andern sind noch mehr Kyniker denn wir! Aber es kommt Zeit und Rat, und die Sache wird sich schon machen. Ich bin da der Meinung, daß auch im Fache des Glaubens mit den intelligenten Menschen um etwas leichter zu verkehren ist als bloß mit Leichtgläubigen, die wohl bald etwas ganz als wahr annehmen, aber nachher gar nicht zu beurteilen imstande sind, was sie angenommen haben. Aber diese Menschen hier kaufen nie eine Katze im Sacke, sondern sie besehen sich die Ware beim Lichte nach allen Seiten; und können sie darüber ein günstiges Urteil fällen, so nehmen sie dann eine echte und gute Sache schon auch um jeden Preis an. Und so glauben wir, daß wir mit unseren Angehörigen und Gefährten schon auch ganz leicht und wohl fertig werden.
08] Es fängt nun auch vom Morgen her an, schon recht sehr dämmerlich zu werden, und bald wird es in der Bucht recht lebhaft werden, - denn man muß hier vor dem Aufgange sich ans Fischen machen, so man etwas bekommen will; die Tagesfischerei lohnt da die viele Mühe und Arbeit nicht. Die Nachbarn fangen bereits an sich zu rühren, um die Fischergerätschaften zusammenzurichten. Auch wir beide werden uns bald dazu bequemen müssen, damit wir ein frisches Morgenmahl bekommen. Da wir diese Nacht hindurch so viel Herrlichstes für unsere Seelen von Dir erbeutet haben, so ist es nun für uns auch eine erste Pflicht, dafür zu sorgen, daß ihr hier eine ordentliche Bewirtung finden möget, nicht bloß als Folge eurer wunderbaren Munifizenz (Freigebigkeit) sondern als Folge unserer erhöhten Tätigkeit.«
09] Sage Ich: »Lasset das nur gut sein! Daß ihr Fische zur Genüge haben sollet, dafür wird schon gesorgt werden! So ihr nun aber schon etwas tun wollet, so sammelt zuerst die hier herumliegenden Lanzen, Spieße, Schwerter und Ketten, und bringet sie in Verwahrung; dann räumet auch das Schiff, und nehmet seine Schätze in Empfang! Alsdann werdet ihr das Schiff zu einer größeren Fischerei gar wohl gebrauchen können. Die beiden Fischer aber, die hier weilen, bringet nun her, auf daß sie von Mir die Weisung erhalten, wie sie sich künftighin allzeit zu benehmen haben werden!«


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