Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 178

Der Weg zum wahren Glauben.

01] (Johannes:) »Der echte, wahre Glaube gleicht bei einem Menschen, der zu glauben anfängt, dem Weinmoste, der in die Schläuche getan wird. Da fängt er bald an zu gären, so er ein echter Traubenmost ist. Durch diese Gärung wirft er alles von sich hinweg, was nicht völlig Wein ist. Hat er alles aus sich entfernt, was nicht seiner Art war, so wird er dann ein reiner und kräftiger Wein, der beim Genusse alles belebt, weil er selbst gewisserart Leben ist. Tust du aber eine andere Flüssigkeit in die Schläuche, so wird sie entweder in gar keine Gärung oder höchstens in eine faule gelangen und in eine stinkende Verwesung übergehen, durch die auch der Schlauch angegriffen und zerstört wird.
02] Gleich dem Schlauche aber ist des Menschen Herz, das durch die Wahrheit stets lebendiger und kräftiger wird, durch Lüge und Trug aber am Ende selbst als sonstiger Träger des Lebens in den vollen Tod übergehen muß.
03] Glaubst du an einen Gott im Herzen, so wirst du Ihn auch ihn auch lieben, weil im Herzen alles mit der Liebe durchdrungen wird. Liebst du aber Gott, so ist Gottes höchste Kraft in dein Herz und also in dein Leben selbst eingedrungen.
04] Gottes Kraft aber ist keine irgend begrenzte, sondern durchdringet die ganze ewige Unendlichkeit. Wirst du aber also im Verbande mit der göttlichen Kraft irgend in deinem Lebensgrunde angeregt, so wird zugleich auch die göttliche Kraft in dir angeregt, und so dann diese in dir will, so geschieht unfehlbarst, was sie will.
05] Ich bin zwar äußerlich ganz so ein Mensch wie du; aber in meinem Herzen bin ich nicht mehr als nur für mich selbst daseiend, sondern Gottes Kraft ist durch meine große Liebe zu Ihm eben in meinem Herzen wohnend und ist eins geworden mit meiner Liebe. Darum konnte ich auch aus der Kraft Gottes heraus alles erschauen und wahrnehmen, was da alles mit dir und deiner Gesellschaft auf deinen Reisen sich zugetragen hatte. Hierin liegt alles!
06] Du mußt Gott erstens erkennen, und dazu hast du einen geordneten Verstand. Aber beim Verstande allein hat es nicht zu verbleiben. Was du verstehst, mußt du ehest in dein Herz oder in dein Leben aufnehmen, es damit beleben, und du wirst dann schon auf dem rechten Wege sein! - Hast du mich aber wohl auch verstanden?«
07] Sagt Aziona: »Verstanden habe ich dich wohl; aber was ist dann zu tun, so das Herz schon mit allerlei Unflat von Lüge und Trug erfüllt ist? Wie das vorher hinausschaffen?«
08] Sagt Johannes: »Nimm du nur die Wahrheit an; sie wird das ihrige auch ohne deine Hände tun! Wenn du in der Mitternacht die Finsternis betrachtest, kannst du dir auch ängstlich denken, wie diese vor dem werdenden Tag etwa doch weichen wird. Wer wird sie hinwegfegen? Ich aber sage dir: Sorge dich nicht darum! Laß nur erst die Sonne des Tages kommen, die wird mit der noch so dichten Finsternis gleich fertig werden! Wie aber Gott wirkt in der großen Außennatur der Welten, ebenso wirkt Er auch durch Seine Lebensgnadensonne im Menschenherzen. - Verstehst du das?«
09] Sagt Aziona: »Ja, ich verstehe es nun; aber nun lasse mich zu einigen Nachbarn gehen, daß ich ihnen offen sage, was ich hier erfahren habe!«
10] Darauf empfahl sich unser Aziona und eilte hastig zu seinen Nachbarn, rief laut und schnell alle zusammen und erzählte ihnen haarklein alles, was er nun erfahren, gesehen und gehört hatte.


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