Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 168

Über Geiz und Sparsamkeit.

01] (Der Herr:) »Alle Laster, die je von Menschen auf dieser Erde sind begangen worden, haben aus der Habgier einzelner Menschen ihren Ursprung genommen. Der Geiz ist ein Vater aller Sünden, die nahe nur zu denken sind. Denn zuerst geizt man sich ein großes Vermögen zusammen, und das durch jedes noch so schlechte und verruchte Mittel; Betrug, Diebstahl und Raub sind bei dieser Gelegenheit ganz mit einzuverstehen. Ist man einmal reich, so wird man hochmütig und herrschsüchtig, wird so sich zu verschanzen und zu befestigen anfangen, dingt Diener und Knechte, daß sie davontreiben jeden, der sich unberufen der Wohnung eines groß und hoch gewordenen Geizigen nähert. Der Reiche kauft sich nachher bald ein ganzes Land zusammen, wird zum förmlichen Herrscher darin, erpreßt oft alles Gut von seinen Untertanen und behandelt sie als ein echter Tyrann.
02] Ist der Geizige einmal schon ganz übermäßig reich, so wirft er sich allem möglichen sinnlichen Wohlleben in die Arme, verlockt die Mädchen, treibt Hurerei und Ehebruch und noch andere Schändlichkeiten ohne Zahl und Maß. Und weil er ein Erster seines Landes ist, so verführt er bald ein ganzes Volk durch sein schlechtes Beispiel; denn es sagt: "Der Herr muß es doch besser wissen als wir; tut er's, so können wir es auch tun!" Und so fängt endlich in einem solchen Lande alles an zu stehlen, zu rauben, zu morden und zu huren, und von einer Gotteserkenntnis ist da keine Spur mehr!
03] Gehe hin in die Länder und Reiche der Erde und schlage nach in deren Chronik, und du wirst es finden, wie zuallermeist deren Herrscher anfänglich höchst geizende und hab- und großgewinnsüchtige, gewöhnlich handeltreibende Menschen waren und sich mit ihren erworbenen Schätzen mit der Zeit Länder und Völker kauften und sich dieselben dann zunutze machten durch allerlei Gewaltmittel, sogar der ihnen untertan gewordenen Völker oft ganz gute Sitten und Religionen derart umgestalteten, daß an ihnen kaum noch eine Spur der alten Reinheit zu entdecken ist.
04] Darum habe du, Markus, vor allem wohl acht darauf, daß sich in dieser deiner schon in der jüngst kommenden Zeit von Menschen sehr besuchten Heilanstalt kein Geiz einschleiche! Ja, es soll von da aus sogar eine übertriebene Sparsamkeit verpönt bleiben; denn sie ist gewöhnlich der Keim des Geizes!
05] Jeder habe so viel, als er zum Leben nötig hat; das Mehr soll in deinem Hause bei niemandem stattfinden! Die Privatgeschenke, die von den Gästen nicht selten deinen Dienern werden gegeben werden, nimm du in die sichere Verwahrung und gib sie mit Zinsen erst dann den Dienern, wenn sie alt und zum Dienen schwach geworden sind! Und sterben sie, so sollen das Ersparte ihre Kinder und Kindeskinder haben.
06] Dieser Rat gilt natürlich dir zuerst, dann aber auch allen deinen Nachkommen. Ist unter deinen Dienern aber ein Verschwender, so ermahne ihn zur gerechten Sparsamkeit, und entziehe ihm auf eine Zeitlang deine Gunst, und zeige ihm, daß ein Verschwender auch vielfach ein Selbstlieber ist, der mit der Zeit seinen Brüdern zur Last fällt, anstatt daß er nur mit dem gerecht Ersparten zur Zeit der Not seinen ärmeren Brüdern beispringen würde.
07] Wer nur für sich allein spart und im weitern Sinne auch für seine Angehörigen, der spart nicht in Meiner Ordnung; sondern wer da spart, damit er etwas habe, um zur Zeit der Not auch für arme Brüder etwas zu haben, den lobe Ich und segne seine Ersparnisse, und er wird niemals eine Not haben.
08] Ich sage nicht, daß jemand nicht sparen soll für seine Kinder und für sein Haus; denn es ist das ja jedes Elternpaares erste Pflicht. Aber es sollen dabei die fremden Armen nicht ausgeschlossen bleiben; denn Ich lasse Meine Sonne ja auch im gleichen Maße über jene leuchten, die nicht Meine Kinder sind!
09] Wer da tun wird, wie Ich es tue, der wird auch sein wie Ich und wird dereinst auch dort sein, wo Ich ewig sein werde. Wer aber seinen Brüdern gegenüber knickert, dem gegenüber werde auch Ich knickern und sehr sparsam sein.
10] Diese Lehre beachte du fortan in deinem Hause, so wird Mein Segen nie von ihm genommen werden! - Nun, hat noch jemand irgendein Anliegen, der komme und forsche!«


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