Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 120

Vorhersage Jesu über das Schicksal seiner Lehre; Rolle des Hl. Geistes für die Erhaltung der Wahrheit

01] (Mathael:) »Ich glaube nun mit einer festen Überzeugung, daß wir mit der Ausbreitung dieser Deiner rein göttlichen Lehre eben keine gar zu große Mühe haben werden, und wir Gebieter und irdischen Machthaber schon gar nicht; aber eine ganz andere und mir höchst wichtig vorkommende Frage besteht darin, wie diese Lehre für die Menschheit rein und ohne irgend von den Menschen gemachte Zusätze oder Wegnahmen zu erhalten sein wird. Denn wir sind unser nun viele, die wir diese neue Lehre nicht nur für uns, sondern auch für unsere gar vielen Brüder und Schwestern erhalten haben und sie auch mit allem Eifer auszubreiten suchen! Aber schon wir werden vielleicht in manchen Stücken ganz verschieden den Menschen dies wahrste und reinste Evangelium verkünden, was da schon in der Natur der Sache liegt.
02] Denn man wird mit dem Juden anders, mit dem Griechen und Römer anders und mit dem Perser, Indier, Ägypter und gar mit dem Skythen sehr anders reden müssen, weil ein jeder von ganz anderen Vorbegriffen beseelt ist. Es werden dadurch offenbar allerlei Mischungen geschehen und auch allerlei Färbungen entstehen. Wenn dann etwa nach ein paar Jahrhunderten die Menschen von den verschiedensten Nationen ihre von uns empfangenen Lehren, die offenbar von vielen werden aufgezeichnet werden, miteinander vergleichen werden, - werden sie sich wohl noch so ziemlich gleichschauen?! Oder werden nicht bald die Juden sagen: 'Wir allein haben die ganz reine und wahre Lehre!'?! Und die Griechen werden erwidern: 'Nein, wir haben die allein wahre Lehre, wie sie aus dem Munde des Herrn geflossen ist!' Und werden die Römer nicht dasselbe behaupten und die Armenier wiederum dasselbe?! Ich will hoffen, daß sie im wesentlichen wohl alle nicht zu weit auseinander sein werden; aber im speziellen dürfen hie und da denn doch bei dem vollkommen freien Willen der Menschen gar gewaltige Varianten, Klüfte und Falten vorkommen!
03] Wenn das etwa doch mit einiger Sicherheit zu erwarten wäre, so wäre meiner freilich unmaßgeblichen Meinung nach nun wohl dafür irgendeine Fürsorge zu treffen, auf daß am Ende aus dieser herrlichen Lehre nicht ein wahres Chaos werde, aus dem fürder niemand leichtlich klug würde. - Was wäre, o Herr, da Deine Meinung?«

Vorhersage Jesu über spätere falsche Evangelien und Irrlehren

04] Sage Ich: »Mein lieber Freund, obwohl deine Sorge deinem ganz redlichen, bekümmerten Herzen entstammt, so muß Ich dir aber dennoch die Bemerkung machen, daß diese deine Fürsorge ein wenig verfrüht ist! Daß diese Lehre bei allen Nationen in den späteren Zeiten nicht so rein verbleiben wird, wie sie nun aus Meinem Munde zu euch gekommen ist, das kann als etwas ganz Bestimmtes schon zum voraus angenommen werden.
05] Es werden auch gar bald nach uns eine Menge geschriebener Evangelien zum Vorscheine kommen, von denen ein jedes behaupten wird, die reine Wahrheit zu enthalten, und von denen ein jedes einem andern, dasselbe behauptenden geschriebenen Evangelium gar nicht gleichsehen wird. Ja, es wird noch ein viel Widrigeres geschehen: Der wider Mich zeugende Fürst der Lüge wird auch noch dazukommen und wird sogar große, wenn auch nur falsche Zeichen tun! Er wird in den Acker, darein Ich nun den reinsten Samen gestreut habe, den argen Samen von allerlei Unkraut legen, um zu ersticken den edlen Weizen.
06] Aber es wird das alles Meiner wahren und reinsten Lehre an und für sich gar keinen Eintrag machen; denn das hier von Mir zu euch gesprochene Wort wird von euch auch wieder weitergesprochen und -besprochen werden, und ihr selbst werdet euch nicht buchstäblich genau mehr Meiner Worte bedienen, was auch durchaus nicht mehr nötig ist. Aber der innere Geist wird dennoch verbleiben.

Rolle des Hl. Geistes für die Reinerhaltung bzw. Wiederoffenbarungen der Wahrheit; Nutzlosigkeit bloßen Buchstabenwissens

07] Wer an Mich glauben und in Meinem Namen aus dem Wasser und aus dem Geiste getauft wird, der wird auch Meinen Geist überkommen und dann wandeln im Lichte der reinsten Wahrheit für zeitlich und ewig. Bei dem wird dann auch diese Lehre sich in aller ihrer Reinheit wie von neuem wieder finden. Wer aber zu solcher Gnade nicht vordringen wird, der wird das reine Licht der ewigen Wahrheit Meiner Lehre ohnehin nie fassen und begreifen, und es wird da einerlei sein, mit welcher Kost er seinen geistigen Magen vollstopfen wird.
08] Glaube du es Mir! Und so da jemand jedes Wort buchstäblich innehätte gerade also, wie Ich es ausgesprochen habe, hätte aber den Geist dazu nicht empfangen, um durch ihn dann erst in die Tiefen zu dringen, allwo in Meinen Worten Licht, Kraft und Leben walten, so nützeten ihm Meine Worte ebensowenig, als jemandem die langen Gebete der Pharisäer etwas nützen!
09] Hat aber jemand den Geist Meiner Worte in sich, so benötiget er des Buchstabens nimmer. Wer aber den Geist hat, der hat auch die Lehre rein. Ich aber werde im Geiste verbleiben bei Meinen stets nur wenigen, aber wahren Bekennern bis ans Ende der Zeiten dieser Erde. Und so, Freund Mathael, wird schon dafür gesorgt sein, daß Meine Lehre auch stets ganz rein erhalten wird!«


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