Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 261

Das Wachstum der menschlichen Außenlebensphäre.

01] (Der Herr:) »Aber es bedarf zu dem Vermögen, sich mit den Tieren vollkommen zu verständigen, nicht gerade der Mohren. Auch die Weißen können das erlangen, wenn sie sich vollkommen gereinigt haben. Ist einmal eine Seele ganz rein und somit auch ganz gesund und kräftig, so fängt sie an, den Überfluß ihrer Außenlebenssphäre gewisserart über die Grenzen ihres Leibes hinauszuschieben, und das stets um so weiter, je lebensgediegener sie in sich selbst geworden ist.
02] Es ist dies ungefähr also zu nehmen, als so sich jemand von euch eine noch matt glühige Kohle vorstellte in einer ganz finsteren Kammer. Die Kohle wird nun kaum so viel Lichtes in ihrer allernächsten Nähe um sich verbreiten, daß man sie mit genauer Not ersehen wird, wo sie liegt. Bläst man die sie verfinsternde Asche als gewisserart Seelenmaterie von ihrer Oberfläche hinweg, so wird ihr Licht um sie schon so stark und so weithin ausströmen, daß man ihre nächste Umgebung schon ganz gut wird ausnehmen können. Verstärkt man das Gebläse noch mehr und mehr, so wird aus ihrer schon lichtglühenden Oberfläche sich schon so viel Lichtes auszubreiten anfangen, daß man schon zur Not in der ganzen Kammer die darin befindlichen Gegenstände recht klar wird auszunehmen anfangen. Wird die Kohle dann erst ganz weißflammenglühig gemacht, so wird es dadurch schon in der ganzen Kammer ganz gut helle werden, und man wird nun schon alle Sachen in derselben zur Genüge erleuchtet auch ihren Farben nach reiner ausnehmen können.
03] Also steht es auch mit der puren Seele. Die glühige, mit Asche umlagerte Kohle gleicht einer ganz ins Fleisch verwachsenen Seele. Sie braucht all ihr mattes Lebensfeuer nur zur Bildung ihrer sie umlagernden, finsteren Materie; da ist es sonach mit der Bildung einer Außenlebenssphäre soviel als nichts! Und solch eine sehr materielle Seele kann unmöglich je von einer besonderen und höheren Eigenschaft etwas verspüren. Da ist es nichts mit der Meisterschaft über alle Kreatur, ebenso nichts mit dem Schauen in die Sphären des seelischen Lebensbereiches, nichts mit dem Vernehmen einer innern Geistesstimme und noch viel mehr nichts mit einem Verstehen der Tier- oder gar Pflanzensprache, - lauter Dinge, die den Altvätern so bekannt waren wie euch die allerbekannteste Außenform eines Dinges oder irgendeiner Sache. Denn was sollte doch der Seele geistige Außensphäre als lebendig beleuchten, wenn sie als selbst leuchten sollend nicht so viel des Lebensleuchtäthers über sich hinausbringt, daß sie sich selbst erschauete, daß und wie sie ist?!
04] Solch eine Seele weiß am Ende von ihrem eigenen Dasein kaum etwas, kennt ihre Unterlage durchaus nicht, und hört sie irgend Geistiges über sich, so widert sie solches an; sie erschrickt bis zu einer Art Ohnmacht, so sie nur etwas erschaut, das irgend eines Abgeschiedenen Seele ähnlich sieht, und verzagt beim Anblick großer Wunder. Was soll es mit solch einer Seele?
05] Ah, wenn aber eine Seele, nachdem sie von irgendwoher entweder durch eine verbürgte Nachricht oder durch Selbstüberzeugung geistig angeweht worden ist und gleich der vorbezeichneten Kohle lebensglühig wird, da fängt sie auch schon an, sich fürs erste einmal als Seele seiend zu fühlen und ihren Grund zu erkennen, auf dem sie basiert. Werden die Anwehungen stärker und stärker, so wird sie, als selbst stets mehr Licht und Licht, ihr Selbstisches stets heller, reiner und von der Materie unterscheidlicher erkennen, und es wird ihr Licht schon anfangen, über sie hinauszureichen und ihre Außenlebenssphäre zu erhellen.
06] Je heftiger und unausgesetzter aber dann die geistigen Lebenswinde die Seele anfachen, desto lebensweißglühender und weiter über sich hinaus leuchtender und heller wird auch die Außenlebenslichtsphäre der Seele, und was dann in solche seelische Außenlebenslichtsphäre tritt, das wird auch seelenlebensdurchleuchtet und von der leuchtenden Seele bald und leicht völlig erkannt und bestens beurteilt.
07] Hat es eine Seele einmal für sich zum möglich höchsten Lichte, also vergleichlich zur flammenden und weißglühenden Kohlenglut gebracht, so wird ihre Außenlebenslichtsphäre, als allein von der Seele ausgehend, auch die möglich weiteste und intensivste Ausbreitung erreicht haben, mittels welcher sie dann schon als Beherrscherin aller Kreatur dasteht, weil sie sich mittels solcher ihrer Außenlebenslichtsphäre schon in eine vollkommen intelligente und kräftigst wirksame Korrespondenz mit aller ihr in rechter Nähe stehenden Kreatur setzen kann.«


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