Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 259

Beispiele von der Intelligenz der Tiere.

01] (Der Schwarze:) »Wir sahen ihnen einen halben Tag ganz ungestört zu und unterhielten uns recht gut, da wir bei jedem Schritte und Tritte dieser Tierchen eine gewisse Ordnung und einen ganz wohlberechneten Plan ganz klar und deutlich abnehmen konnten und zugleich uns stets sehr hoch über die besondere Geschicklichkeit verwundern mußten, mit welcher diese wahrlich übermenschlich intelligenten Wesen ihr Werk ausführten. Ich dachte an eine Ermüdung dieser Arbeiter; aber keine Spur davon. Je länger die Arbeit dauerte, mit einem desto größeren Eifer wurde sie stets von ganz neuem wieder begonnen.
02] Etwa so nach drei Stunden nach eurer Zeitmessung kam das Männlein wieder und sagte: Mit dieser Sandbank würden sie in vier Tagen kaum fertig, dann wäre gegenüber am linken Ufer auch eine bedeutende Sandlehne, in der auch viele Mokeleier verscharrt seien. Dieselben müßten sie auch vertilgen, sonst würde es in einem Jahre nur wimmeln von lauter Mokel, und in zehn Jahren würden sie sich so sehr vermehren, daß kein Mensch einen Schritt im ganzen Unterlande tun könnte, ohne irgend auf einen Mokel zu stoßen. Die Menschen dieser Länder könnten ihnen, den Ichneumonen, daher nicht zur Genüge dankbar sein für die stetige Vernichtung der bösen Mokel im ganzen Unter- und Oberlande zu beiden Seiten dieses Stromes.
03] Mein Diener aber fragte das muntere Männchen, wie es denn bei solchem ihrem Fleiße doch immer kommen mag, daß sich noch immer Mokel in dem Strome aufhalten und fortkommen. Da sagte das Männchen, sich ganz ernst stellend: "Das will der große Geist aller Natur, daß die Mokel für diesen Strom nie ganz ausgerottet werden dürfen; denn auch ihre Bestimmung ist, der Erde und ihren Bewohnern zu nützen. Nur überhandnehmen dürfen sie nicht; dafür sind wir da, um ihre Vermehrung in den rechten Schranken zu halten. Der große Geist hat das alles also weise vorgesehen, und es muß das alles also geschehen, damit ein Leben in dem andern seine Vervollkommnung finden kann. Die Übergänge sind stets bitter, aber dafür ist dann das höhere Sein ein angenehmes!"
04] Der Diener fragte es, wie's denn zur Kenntnis eines höchsten Geistes gelangt sei. Da fing das Männchen an zu kichern, und es war das eine Art des Lachens. Als sich das Männchen ausgekichert hatte, sagte es zum Diener: "Sehen wir doch täglich Seine Sonne am Himmel, und wie aus derselben allerart gute Geister zu uns herüberströmen! Woher sollen sie denn anders kommen als vom großen Lichtgeiste aus der Sonne?!"
05] Und wieder fragte der Diener das Männchen: "Verehret ihr auch solchen großen Lichtgeist?" Sagte das Männchen: "Ist aber das für einen großen Menschen doch eine seltsame Frage! Ihr werdet doch nicht dümmer sein als wir schwachen Tiere? Wenn wir das allzeit gerne und unverdrossen tun, was uns Sein Wille in unser Naturleben gelegt hat, dann ehren wir ja am besten den großen Geist! Oder könnet ihr euch gegenseitig besser ehren, als so einer freudig tut den Willen seines Nächsten?! Sieh, darin liegt alles, daß man den Willen Dessen tut, den man wahrhaft ehrt!" Mit dem verließ das Männchen uns wieder und ging wieder mit allem Fleiße seiner Arbeit nach. Wir aber verließen darauf den Ort und gingen wieder nach Hause zur Bestellung unserer Hausgeschäfte.
06] Ein paar Tage darauf versahen wir die Tierchen mit Milch und Käse, welche Kost sie mit großem Wohlgefallen verzehrten, aber darauf richtig einen ganzen Tag von ihrer Arbeit ruhten.
07] Der Diener fragte das Männchen, ob für Menschen Mokelfleisch auch zu essen wäre, freilich zuvor beim Feuer gebraten. Da sagte das Männchen: das Bauchfleisch wohl, weil solches verdaulich sei; aber mit dem andern Fleische wäre nichts zu machen, es sei unverdaubar hart. Das Nilpferd wäre besser, und noch besser das Nilkalb, das sich aber stets mehr in der Nähe des Meeres zumeist in der Tiefe aufhalte und sich nur zu Zeiten der unterwässerlichen Stürme auf die Oberfläche begebe und da mit den Fahrzeugen der Menschen spiele.
08] Nach dieser Erklärung sprangen wieder alle sieben von uns und setzten übers Wasser ans jenseitige Ufer, wohin wir ihnen dann nicht mehr folgten, weil wir nun ihre Natur und ihren Charakter hinreichend hatten kennengelernt.
09] Ich habe hier bloß darum dieses Beispiel von Ichneumonen erzählt, weil es für mich etwas ganz Neues war, und weil ich so viel Klugheit in gar keinem mir bekannten Tiere gefunden habe.
10] Es gibt auch unter den Vögeln ganz weise Charaktere. Vor allem gehören dazu die Ibisse und Störche, die Kraniche, die Wildgänse und die Schwalben. Unter den vierfüßigen Erdtieren aber sind das Kamel und noch mehr der große Elefant, der Esel, der Hund, der Affe, die Ziege, dann der Fuchs, der Bär und der Löwe sicher die intelligentesten und führen eine recht deutliche Sprache. Der anderen Haustiere Intelligenz ist schwächer, und ihre Sprache ist mehr unverständlich und dumm. Unter den kaltblütigen Tieren aber steht die große Eidechse obenan; denn diese wird bei uns als ein ordentlicher Prophet angesehen und verkündet uns oft mehrere Tage zum voraus, was da alles kommen werde. Daher werden bei uns diese Tiere auch besonders gepflegt und mit Milch und Käse gefüttert.
11] Es ist im höchsten Grade zu verwundern, woher diese Tiere ihre Wissenschaft nehmen. Nun, ich erzählte hier durchaus keine Fabel, obwohl dies von mir nun Erzählte den unerfahrenen Weißen als eine Fabel vorkommen muß. Wenn sie es aber durchaus nicht glauben können, daß sich alles das also verhält, so führet des praktischen Beispieles halber etwa einen ganz fremden Esel her, und mein Diener wird an ihn Fragen richten und dem Esel auftragen, etwas Bestimmtes zu tun, und das Tier wird das auch sicher ganz pünktlich tun, was der Diener von ihm begehren wird!«


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