Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 190

Der Schatz des Oubratouvishar.

01] Hier wickelte unser Oubratouvishar sein Kleinod aus den Baumwoll- Linnen und stellte es vor Mich hin, sagend: »Da ist es, wie ich es zwischen dem Gerölle eines Bergabhanges gefunden habe und nicht umhin konnte, es aufzulesen und aufzubewahren! Menschenhände haben damit sicher nie etwas zu tun gehabt! Es scheint somit ein reines Produkt, ein sogenanntes Spiel der Natur zu sein. Was ist es, und welchen Wert könnte es haben? Denn mit etwas Wertlosem möchte ich wohl nie einem Menschen ein Geschenk machen.«
02] Sage Ich: »Es ist das ein allerwertvollster Edelstein, und zwar ein geschliffener größter Diamant. Er ist dennoch durch Menschenhände also geschliffen und geglättet worden und ist zu den Zeiten, als die Perser Ägypten bekriegt haben und bei der Gelegenheit auch bis in die Wüsten Nubiens vorgedrungen sind, von einem Feldherrn im Kampfe mit einem großen Heere hungriger Löwen und Panther verloren worden; du machst damit dem Obersten von Memphis ein irdisch ungeheuer wertvollstes Geschenk, und das seiner außerordentlichen Seltenheit wegen.
03] Sieh, dieser Stein ist hundertsiebzig Jahre lang geschliffen und geglättet worden, ward dann zum Kronschmucke einiger Könige Persiens, bis endlich ein König einen seiner größten Feldherrn damit beehrte; und eben dieser Feldherr verlor ihn dann an den wüsten Grenzen eures Landes, allda es in derselben Zeit von Löwen und Panthern nur gleich gewimmelt hat. Diese Tiere habe damals auch Ich zu eurem Schutze hingestellt, sonst hätten die damals sehr kriegerischen Perser euch wohl gefunden und eure Herden gar arg gelichtet.
04] Wie du aber schon bestimmt warst, sogar irdisch einen wertvollsten Schatz zu finden, der schon einige hundert Jahre unter dem Gerölle geruht hat, also bist du denn auch berufen, den größten und wertvollsten Schatz für den Geist und aus diesem für eure Seelen zu finden. Du suchtest und hast es auch ehrenvollst gefunden, was du gesucht hast! Deine schwarze Haut soll dich nicht drücken und soll Mir eine der angesehensten Farben bleiben.
05] Dies Evangelium, das Ich euch nun predigen werde, wird nur bei euch ganz rein erhalten werden. Du sollst Mein Vorapostel für deine schwarzen Brüder und Schwestern werden! In Kürze der Zeiten aber werde Ich euch schon einen Nachhelfer senden, der wird euch führen in ein ganz glückliches Land eures Erdteiles und wird euch lehren den Ackerbau und andere nützliche Künste, die für das diesirdische Leben von einer großen Notwendigkeit sind.
06] In jenem euch nun noch völlig fremden Lande werdet ihr ein ganz zufriedenes und glückliches Volk sein und werdet bewahren die Reinheit Meines Wortes und Meiner Lehre. Wehe aber denen, die euch in späteren Zeiten etwa aufsuchen werden, um euch zu bedrängen und zu unterjochen; gegen die werde Ich Selbst das glühende Zornschwert ergreifen und sie schlagen bis auf den letzten Mann! Und so sollet ihr Schwarzen in einem abgesperrten, ganz großen Winkel als ein stets freies Volk bis ans Ende der Zeiten verbleiben.
07] Wenn ihr aber dereinst untereinander solltet uneins werden - was auch möglich bleiben muß eurer Freiheit wegen -, so werden sich unter euch die Mächtigen als Könige aufwerfen, werden euch mit harten Gesetzen plagen, und mit eurer goldenen Freiheit wird es für lange oder auch wohl gar für immer ein Ende haben! Dann werden eure Kinder in großer Not dahinzuschmachten haben und sich nach der Erlösung sehnen; aber diese wird dann recht sehr lange auf sich warten lassen. Darum ordnet euch also, daß unter euch keine Könige entstehen - außer solche, wie du einer bist! Denn du bist kein Bedrücker, sondern ein wahrer Beglücker deines Volkes, und das ist also auch in Meiner Ordnung, und es soll bei euch auch also verbleiben!«


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