Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 184

Der Segen der Urkultur des einfachen Menschen.

01] (Oubratouvishar:) »"Daher bleibet ihr in eurer großen und ursprünglichen Naturreinheit und habt nimmer nach solch einer elenden Landeskultur ein Gelüste! Erbauet ja keine Städte! Bleibet in euren einfachen Hütten und ihr könnet alle Zeiten der Zeiten hindurch das glücklichste Volk der Erde sein, und das besonders, so ihr in der rechten Erkenntnis des einen und ewig wahren Gottes bleibet, Ihn allein ehret und liebet! Könnet ihr Ihn auch nicht sehen, so doch Er euch, und Er wird euch stets versehen mit jener Kraft, die euch nötig ist zur Hintanhaltung jeden dem Menschen feindlichen Elements. Nach den ursprünglichen Naturgesetzen ist der Mensch der Herr über alles, was auf, unter und über der Erde ist, lebt und atmet.
02] Ihr seid es noch, was der Mensch sein soll! Vor euch flieht der grimmige Löwe, und Tiger, Panther, Hyänen, Wölfe, Bären, Schlangen und Nattern fliehen eure Nähe; nur die zahmen Herden folgen euch auf jedem eurer Tritte und Schritte! Mit solchen Eigenschaften ausgestattet, steht der Mensch noch auf jenen erhabenen Urseinsstufen, auf die ihn zu Anfang aller Kreatur der Schöpfer gestellt hat. Leget euch hin auf den Rasen, unter dem die Klapperschlange und die giftige Viper ihr loses Spiel treiben, und sie weichen von der geheiligten Stelle, über der der Mensch als Herr der Natur sein Lager genommen hat! Die böse Ameise, der Fluch so mancher Wälder und Steppen, wandert aus, sobald der Mensch in seiner Urkraft das Gebiet betritt und seine Wohnung aufrichtet. Der Löwe, der Panther, der böseste Tiger hält sich ferne von den Herden, die der echte Mensch bewacht, und das Krokodil, des Nils Drache, ist nimmer zu sehen in jenen Landesteilen, die von Menschen bewohnt werden. Der Ibis, der Storch und der Icz ne ma on (Ichneumon = Gift hat er nicht) stehen willfährigst dem Menschen zu Diensten und reinigen das Land von allem kriechenden Tiergeschmeiß, und die scharf sehenden Aare suchen auf alles Aas und verzehren es, damit davon die Luft niemals verpestet werde.
03] Oh, welch ein herrliches Sein eines rechten Menschen in einer jeden Gegend, und welch ein elendes Leben der Menschen in den Städten, die voll Hochmutes und voll der stinkendsten Eigenliebe sind! In ihnen ist alle Urlebenskraft dahin; sie sind im großen Reiche der sie umgebenden Natur fremde Körper, fremde Wesen geworden, die außer allen Verband mit Gott und somit auch mit aller andern Kreatur getreten sind. Sie müssen sich erbauen feste Burgen und Schlösser, um sich darin vor der sie anfeindenden Natur zu Verwahren und möglichst zu schützen!
04] Ich lasse heute hundert Menschen auf jener Trift, die ich euch anweisen werde, übernachten, und nicht einer wird am Morgen des kommenden Tages mit dem Leben davonkommen; denn das sind keine Menschen mehr, sondern schwache Schattenbilder derselben, und ihre verkrüppelten Leiber sind wahre Wohnstätten aller möglichen bösen und ungegorenen Geister der Natur und Unnatur. Ihr Außenlebenskreis ist nicht mehr ihr göttliches Ich, sondern ein gemein tierisches, und darum ist keine Kraft mehr in ihnen und noch weniger außer ihnen. Die Außennatur gewahrt in ihnen nicht mehr das oberste Kulminationsziel ihres kreatürlichen Seins, sondern nur eine totale Verworfenheit und völlige Zerstörtheit derjenigen Stufe, auf der alle Kreatur in ihr höchstes Ziel übergehen soll. Darum ist aber alle Kreatur solcher Menschheit feindlichst gewogen und sucht sie auf jede mögliche Weise ganz zu vernichten, weil sie in ihr nichts mehr zu erwarten hat.
05] Daher, mein edler, schwarzhäutiger Freund, sei du und dein ganzes Volk froh, daß ihr schwarz seid, und daß ihr noch in des wahren Lebens unschuldsvollen Frühlingshütten wohnet; denn eben dadurch seid ihr noch das, was der rechte Mensch nach der Ordnung des allerhöchsten Geistes Gottes sein soll! Bleibet darum aber auch fortwährend das, was ihr nun seid, auch in euren spätesten Nachkommen, so werdet ihr nie über Not und Elend des menschlichen Lebens zu klagen haben!"«


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