Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 159

Die giftige Natur der beiden verstorbenen Weiber.

01] (Der Herr:) »Ist solch eine Seele einmal in einem Fleische wohnend, so legt sie ihr Giftiges ins Fleisch und Blut des eigenen Leibes, den das aber naturgesundheitlich eben nicht besonders in seiner Lebenssphäre beirrt, weil er schon urentstehlich also eingerichtet ist.
02] Aber es ist für einen aus der positiven Ordnung hervorgegangenen Menschen dennoch nie geheuer, sich einem solchen Menschen zu sehr zu nähern; denn schadet sie seiner Seele schon auch geradewegs nicht, so schadet sie aber doch seinem zur Aufnahme eines solchen Giftes nicht geeigneten Leibe. Und nun stehen wir schon bei unserer Witwe!
03] Ihre sonst ganz gute und in eine gute Ordnung übergegangene Seele hat ihr giftiges Urelement in ihres Leibes Milz und Leber niedergelegt, das sich dort so lange ganz ruhig und weiter unschädlich verhält, solange sie nicht durch irgend etwas leidenschaftlich erregt wird; ist aber eine solche wahre Giftperson erregt worden, dann ist es für jeden Mann hoch an der Zeit, sich schnell aus ihrer Giftsphäre zu ziehen.
04] Denn dieses ihrem Leibe innewohnende Gift ist nervenätherischer Art und dringt in der Person Außenlebenssphäre. Wer es durchs Einatmen oder durch längeres Verweilen in solcher vom Gifte durchschwängerten Sphäre mit dem eigenen Nervenäther in eine gar leicht erfolgte Verbindung bringt, der ist leiblich verloren, besonders so er das Gegengift nicht kennt.
05] Nun, das Gegengift wäre wohl, wenn alle Nerven nicht schon zu sehr irritiert sind, die gewisse Brühe; zugleich aber müßten in einem großen Gefäße solche Tiere im Olivenöle erstickt werden und dann nebst der getrunkenen Brühe der ganze Leib mit dem Schlangenöle ganz gut eingerieben werden. Dadurch erst könnte eine volle Heilung zustande gebracht werden, und das darum, weil das schon in den Nerven hausende Gift sich gleich aus den Nerven zieht und sich zum Teil mit seinem Urelemente in der Brühe im Magen oder mit jenem im Öle ruhenden verbindet und vereinigt und dadurch auf die Nerven nicht mehr rückwirken und ihnen daher auch nicht mehr schaden kann.
06] Als du, Mathael, zum ersten Male zu ihr geladen warst mit deinem Vater, da war die Witwe durch ihr eigenes Gift, das ihr der griechische Arzt zu heftig erregt hatte, leidend und hätte daran damals ebensogut wie späterhin sterben können; denn äußerst selten sterben solche Giftpersonen an irgendeiner andern Krankheit als am eigenen Gifte.
07] Der dir sichtbar gewordene Blaudunst, in dem mehrere dir eben nicht zu sehr liebsame Tiere herumschwammen, war so ein Auserguß des Giftäthers und zeigte durch seine ersichtliche Inwohnerschaft ganz klar und deutlich, wessen Geistes Produkt er war.
08] Als dein Vater die der Witwe Inneres sehr aufregende Furcht durch seine kluge Beredsamkeit bedeutend milderte, zog sich der böse Äther in die beruhigte Milz und Leber zurück; der Überfluß aber verharrte in der Galle des Magens, ward in vier Tagen endlich von der gewissen Brühe total aufgenommen und durch den natürlichen Gang hinausgeschafft, und die Witwe ward darauf wieder vollkommen gesund. Die Stimme aber, die dir das Mittel angab, kam von einem Geiste her, der der Witwe Geisteshüter war.
09] Als du mit deinem Vater aber zum zweiten Male hingerufen wurdest, hatte die Witwe einen starken Ärger wegen ihrer taubstummen Tochter, die sich in einen etwas ausgelassenen Menschen trotz ihrer Taubstummschaft denn doch recht fest zu verlieben begann. Dadurch ward der Witwe, wie auch der gleichartigen Tochter Eigengift zu heftig erregt; beide wurden wie von tausend der giftigsten Schlangen in allen ihren Lebensnerven gebissen, und es war von diesem Moment an keine leibliche Heilung mehr zu denken, - außer nur durch Meine Kraft wäre es natürlich wohl möglich gewesen. Die Seelen beider aber lösten sich infolge der großen Erregung nahezu gänzlich auf, das heißt, sie lösten sich in ihre Urelemente auf und drangen, notwendig einen größeren Raum einnehmend, sogar übers Haus, darin die beiden sterbend lagen, hoch und weit hinaus.
10] Als die völlige Ablösung vom Leibe erfolgt war und sich nach erfolgter weiterer Beruhigung die Urelemente im Lebensdunstknäuel wieder als zusammengehörig zu erkennen begannen, trennten sich bald die früher ineinander verschwommenen Knäuel, von denen der große die Lebensurelemente der Witwe und der kleinere jene der Tochter faßte. Die Lebensurelemente aber, nun stets mehr beruhigt, erkannten sich auch stets mehr, ergriffen sich, und dir ward in den Ballons sogleich eine höherstehende Tiergattung ersichtlich.
11] Als im Lebensknäuel, wie in seiner innern Gestalt sich wieder mehr Ruhe einfand, da erkannten sich die Seelenvorgebilde wieder inniger und gingen in zwei Adlerweiblein über. Bald ersahst du einen Schwarm Elstern die Ballons beunruhigen; dies waren die Außenlebensgeister, die sich nun auch mit den beiden Seelen zu vereinigen hatten. Als dies auf die dir erscheinliche und der Sache entsprechende Weise geschah, da wurden dir sogleich zwei Kühe sichtbar. Das wäre dem Menschen schon nahe; aber es geht nun noch etwas Urelementarisches ab.
12] Die beiden Mannsseelen, die zuvor Männer der Witwe waren, erkennen diesen Abgang (Mangel) und schaffen ihn nach der guten Ordnung her. Da tritt ein neues Leben in die Kuhgestalten, alles wird durcheinandergetrieben, dadurch entsteht eine neue organische Ordnung, und bald gehen aus ihr zwei vollkommene Menschengestalten hervor. Diese werden nun von den anwesenden Mannsseelen mit Liebe erfaßt, und diese Liebe bildet gleich den gerechten Urstoff zu einer entsprechenden Bekleidung, und also werden die früher so sehr zertragenen Seelen wieder für immer vollständige Menschenformen, begabt mit der nötigen Erkenntnis, was der Abzug gegen Abend klar anzeigt.
13] Die letzte Dankstimme aber, die du, Mathael, zuletzt vernommen hast, war abermals die eines und desselben Schutzgeistes, der dir um nahe zwei Jahre früher das rechte Mittel zur Heilung solch einer Krankheit angab. Der Geist aber sah die große Schwierigkeit ein, die dazu erforderlich war, aus einer direkten Widerordnung eine wahre und himmlische zu gestalten; denn auch da kann man mit wenig Gift sehr viel Balsam auch zu Gift, aber mit wenig Balsam viel Gift nahezu unmöglich zu einem heilsamen Balsam machen. Nur bei Gott allein ist alles möglich, und darum der letzte Dankruf des Schutzgeistes an Gott den Herrn!
14] Verstehet ihr dies alles nun wohl? Wem irgend etwas noch dunkel ist, der frage, und es soll ihm Licht werden!«


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