Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 153

Vom Steine der Weisen.

01] Sage Ich wieder: »Nun gut, da wir noch ein paar Stunden Zeit übrig haben, so soll uns noch unser Mathael eine letzte in ihrer Art eigentlich denkwürdigste Sterbegeschichte erzählen! Zuvor aber, da es schon morgendämmert, soll Raphael die Leuchtkugel an ihren Ort bringen und bei dieser Gelegenheit dem Cyrenius die verheißenen gleichen Körner herschaffen!«
02] Raphael ward damit bald fertig und brachte dem Cyrenius sieben solche Leuchtkörner, die von der Größe einer vollen Erbse waren. Diese von Raphael dem Cyrenius überbrachten nur erbsengroßen Leuchtkügelchen leuchteten so stark, daß sie niemand anschauen konnte; denn schon eines leuchtete so stark, daß es einen großen Saal, so es in dessen Mitte auf einem erhöhten Punkte angebracht wäre, mehr erhellen würde als zehntausend hellst brennende Lampen.
03] Cyrenius wußte nun nicht, wie er diese sieben Leuchtkügelchen aufbewahren sollte, und fragte Mich um einen Rat; und Ich berief abermals den Raphael, daß er dem Cyrenius ein taugliches Gefäß verschaffe, damit dieser die sieben Leuchtkügelchen wohl aufbewahren könnte.
04] Und Raphael war damit auch schon bei der Hand und überreichte dem Cyrenius eine Büchse aus reinstem Golde, leicht angefüllt mit Steinflachs (Asbest), legte die sieben Kügelchen hinein und schob den Deckel darüber, der mit sinnreicher, erhabener Arbeit geziert war. Als auf diese Weise die sieben Kügelchen wohl verwahrt waren, übergab er sie dem Cyrenius mit den Worten: »Verwahre sie für dich! Nie schmücke einer dieser alleredelsten Steine irgendeine Fürstenkrone, auf daß nicht eines andern Fürsten Lüsternheit nach einer solchen Krone erweckt und darum ein Krieg entfacht werde, in dem Tausende von Menschen sich wie wütende Wölfe, Hyänen und Bären zerfleischen müßten, bloß eines solchen Leuchtkügelchens halber!«
05] Cyrenius dankte Mir und auch dem Raphael, der den Dank aber augenblicklich ablehnte und ihn Mir zuschob.
06] Ich aber sagte: »Gut ist es, daß auch diese Sache ihr Ende gefunden hat! Die dir, Cyrenius, verheißenen Kügelchen sind untergebracht; mache nie einen weltlichen Gebrauch davon und brüste dich nie damit, auch gegen deine nächsten Anverwandten nicht! Wenn du weissagen willst, dann lege dir die Büchse auf die Magengrube, und du wirst helle Gesichte haben; aber das bleibe allein dir bekannt, daß du durch den Besitz solcher Steine zur Weissagung gestärkt werdest! Das Volk soll die Weissagung vernehmen und sich danach richten, aber wissen soll es nimmer, woher sie rühre! So du aber je etwas von einem Steine der Weisen gehört hast, so hast du ihn nun in diesen sieben Kügelchen; aber nur für dich und für niemand anders mehr!«
07] Sagt Cyrenius: »Herr, so ich aber dereinst auch sterben werde, was soll dann aus den sieben Kügelchen werden?«
08] Sage Ich: »Dann übergib sie dem Josoe, und der wird schon innewerden, was damit zu geschehen hat des Heiles der Welt willen! Aber nun nichts mehr davon, und du, Bruder Mathael, beginne deine Erzählung; denn sie hat für euch einen tausendmal tausend Male größeren Wert denn hunderttausend solcher Leuchtsteine! Fange nun an; fasse dich kurz, auf daß uns der heute sehr denkwürdige Sonnenaufgang nicht störe!«


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