Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 147

Die Ursachen der Wärme und der Kälte.

01] Sagt Mathael: »Herr, dieser eine werde offenbar ich selbst sein! Denn ich habe im Ernste noch so eine Kleinigkeit im Hintergrunde, die ich mir trotz meines scharfen Nachdenkens nicht so recht zusammenreimen kann!«
02] Sage Ich: »Ja, ja, eben du bist es; gib es von dir, was dich drückt!«
03] Sagt weiter Mathael: »Als ich und mein Vater von unserem Hause mit dem jungen Lazarus nach Bethania zogen und auf dem Wege die große Lichterscheinung sahen, so empfanden wir dabei eine ganz bedeutende Wärme. Als aber die Lichterscheinung endlich ganz erlosch, da ward es nebst der plötzlich eingetretenen totalen Finsternis auch so empfindsam kalt, daß es mich durch und durch zu fiebern begann. Worin nun diese Kälte ihren Grund haben mag, bringe ich mit meinem Denken durchaus nicht heraus; wenn es Dir, o Herr, genehm wäre, möchte ich den Grund davon wohl auch noch erfahren!«
04] Sage Ich: »Nun, da liegt der Grund zum Mit-den-Füßen-Darauftreten nahe! Wenn du zwei Stücke Holzes recht fest aneinander reibst, so werden sie dadurch erwärmt, heiß, entzünden sich am Ende wohl gar und fangen lichterloh zu brennen an. Warum geschieht denn das? Weil die im Holze und in dessen Zellen und Organen vorhandenen Naturlebensgeister aus ihrer stummen und stumpfen Ruhe zu gewaltsam geweckt und erregt werden, alsbald in eine große selbstische, vibrierende Bewegung geraten und sich schon als ein Licht und Feuer zu zeigen anfangen, dadurch die noch trägeren angrenzenden Geister mit erregen und so am Ende alle Naturlebensgeister in die erregteste Bewegung oder, geradeheraus gesagt, in Brand stecken. Ist es mit der Erregung oder mit dem Brennen zu Ende, so kühlt sich dann bald die ganze Naturlebensgeisteranzahl schnell ab; je heftiger eine Erregung bewirkt wird, desto schneller tritt dann eine Ermattung der Naturgeister ein, mit ihr die Ruhe, und mit dieser die Kälte.
05] Ein ganz glühendes Stück Holz oder eine Glühkohle ist selbst beim stärksten Angefachtsein nie so heiß wie ein ebenso stark glühendes Stück Erz. Der Grund davon ist, daß die Naturgeister im Erze einer größeren Erregung fähig sind als jene im Holze; wenn aber die Kohle und das Erz sich abkühlen in einer gleich kalten Temperatur, so wird das Erz sich schneller abkühlen denn die Kohle und wird in ganz abgekühltem Zustande um ein bedeutendes kälter anzufühlen sein denn die auch ganz abgekühlte Kohle.
06] Wenn es im Sommer an einem Tage sehr heiß und schwül wird, so fangen die Naturlebensgeister an, sich zu regen, und dies mächtigere Regen erzeugt auch die stets größere Wärme und Schwüle. Wird diese größer oder intensiver, so geschieht das dadurch, daß sich die bewußten Geister enger aneinander zu drücken anfangen und bald in der Gestalt von Nebeln und Wolken auch dem Fleischauge ersichtlich werden.
07] Wie bei einer solchen Gelegenheit aber die Wolken sich mehren und mehren, ist euch bekannt, wie auch, daß es am Ende in den Wolken zu blitzen und aus denselben ganz gewaltig zu regnen und mitunter auch zu hageln anfängt, was eine Wirkung der euch auch schon bekannten Friedensgeister ist.
08] Je heftiger aber bei einem Gewitter die Blitze folgen und leuchten, desto kälter wird bald darauf die Luft, - was alles eine Folge der Sich-zur ruhe-Legung der aufgeregten Naturgeister ist, wozu sie freilich von den mächtigen Friedensgeistern genötigt werden. Also ward es auch bei deiner großen, mächtigen Lichterscheinung, als sie verschwand, aus dem ganz gleichen Grunde kühl und ordentlich kalt. - Bist du nun auch darin im klaren?«
09] Sagt Mathael: »Herr, ich danke Dir für diese Aufhellung; ich bin nun auch darin im klaren!«


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