Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 118

Das Wesen des Sauerstoffes.

01] Sagt einmal Zinka: »Herr, ich sehe auf des Wassers Oberfläche, wie eine Unzahl feuriger Schlangen hin und her fahren; einige tauchen auch unter, doch die Schnelle ihrer Bewegung wird durch des Wassers Masse nicht gehemmt. Ich sehe bis auf den Grund des Meeres; am Grunde gibt es eine Menge Ungeheuer aller Art, auch zahllos viele Fische, und alles schnappt nach diesen feurigen Schlangen. Hat ein Fisch oder ein anderes Ungeheuer eine oder mehrere solcher Feuerschlangen in sich verschlungen, dann werden sie regsamer und lebendiger, und eine förmliche Art Wollust blitzt aus diesen Wasserwesen.
02] Ich sehe nun diese Feuerschlangen, nur viel kleiner und minder leuchtend, auch in der Luft herumschwärmen; über der Region des Wassers sind sie am dichtesten. Vögel, die zur Nacht sich über dem Wasserspiegel zu belustigen pflegen, scheinen sie nicht sehr zu lieben; aber die Fische springen ihnen aus dem Wasser entgegen. Die auf dem Wasser herumschwimmenden aber glänzen am stärksten und haben auch eine pfeilschneLle Bewege! - Was, o Herr, ist das nun? Wie sollen wir dieses verstehen?«
03] Sage Ich: »Das, was ihr da sehet, ist der eigentliche Lebensnährstoff, es ist das Salz der Luft und das Salz des Meeres; einstens werden die Naturweisen dieses Element den Sauerstoff nennen. Sehen werden sie ihn wohl nicht, aber wahrnehmen, und sie werden bestimmen seinen Gehalt und sein Vorhandensein nach mehr oder weniger oder auch seine gänzliche Abwesenheit.
04] Das Wasser als das Hauptlebenselement für Pflanzen, Tiere und Menschen muß dieses Sauerstoffes am meisten in sich fassen, und namentlich das große Weltmeer. Die Tiere im Wasser könnten gar nicht leben, so das Wasser nicht stets im reichlichsten Maße mit diesem Stoffe erfüllt würde.
05] Dieser Stoff ist ursprünglich die eigentliche Seelensubstanz und entspricht den Gedanken, bevor sie noch zu einer Idee zusammengefaßt werden. Aber so ihr einmal dieses seelischen Lebensstoffes in einer hinreichenden Menge irgend zusammengedrängt finden werdet, da wird sich auch bald irgendeine Form entweder belebt, das heißt als zart und regsam, oder aber auch ganz starr wie ein Stein oder wie ein Stück toten Holzes zeigen. Sehet nur besonders gegen die Ufer hin, und ihr werdet stellenweise ein besonderes, punktiertes Stechleuchten entdecken; das entsteht durchs Zusammendrängen des Lebensstoffes.
06] Ihr könnet es nun sehen, wie sich unsere Feuerschlangen hie und da wie auf einen Klumpen zusammenziehen zu Hunderten und Tausenden an der Zahl. Solch ein also wie zufällig gebildeter Klumpen leuchtet dann eine Zeit äußerst heftig. Dies größere Leuchten ist der Moment des Sich-Ergreifens von einer Menge dieser Lebensfeuerschlangen; mit diesem Ergreifen ist dann aber auch schon eine Idee unter irgendeiner Form fertig.
07] Ist die Form einmal in der Ordnung, so tritt dann eine Ruhe ein, und das besondere Leuchten hat aufgehört; aber dafür wird schon ein Geschöpf daraus. Entweder zeigt es sich in der Form eines Kristalles oder in der eines Samenkornes oder Eies oder gar schon in der Form eines fertigen Wassertierchens oder mindestens eines Wassermoospflänzchens, - aus welchem Grunde ihr auch sehr häufig die flacheren und seichteren Ufergegenden stets am reichsten mit allerlei Wasserpflanzen werdet bewachsen ersehen mit dem fleischlichen Auge. Und wo solche Pflanzenstellen sich sehr häufig vorfinden, dort wird es an allerlei größeren und kleineren Wassertieren auch keinen Mangel haben.
08] Ihr fraget nun wohl, wer da diese Lebensgeister, von denen eins dem andern gleichsieht, modelliert zu irgendeiner entweder starren oder lebensregsamen Form?! Diese Frage wird euch am besten Mein Raphael beantworten. Komm, Raphael, rede und zeige dich praktisch!«


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 4  |   Werke Lorbers