Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 26

Jesus erweckt die zwei Ertrunkenen. Zinka erkennt Jesus.

01] Aber bei der Hin- und Herwanderung am Ufer des Meeres kamen wir an die Stelle, wo unser Risa die beiden Ertrunkenen pflegte und auf ihre Wiederbelebung harrte.
02] Cyrenius sagte zu ihm: »Nun, Freund Risa, beginnen die beiden schon, so ganz leise Lebenszeichen von sich zu geben?«
03] Sagt Risa: »Hoher Herr, da ist alles rein vergebliche Mühe! Diese beiden werden gewisserart nun immer toter statt lebendiger; bei denen ist rein alle Mühe und weitere Behandlung vergeblich! Gottes Allmacht allein nur kann denen das Leben wiedergeben! Da nützt kein Legen und kein Weineinschütten in den Mund irgend mehr etwas!«
04] Sage Ich: »Das wird wohl so deine Meinung sein!?«
05] Sagt Risa: »Herr, da sieh nur die blauen Flecken und verspüre den schon sehr vorwärtsgeschrittenen Verwesungsprozeß, und Du Selbst wirst mir recht geben, daß diese beiden nur am Danielschen Jüngsten Tage durch Gottes Allmacht wieder belebet werden!«
06] Hier drängte sich auch Zinka vor, da er sich bei den Verstorbenen sehr gut auskannte, ob sie völlig tot wären, und besah sich die beiden Ertrunkenen. Als er seine Proben alle angestellt hatte, da sagte auch er: »Der Freund hat recht gesprochen! Die beiden haben mit dem vollkommenen Totsein bis zum Jüngsten Tage zu warten, vorausgesetzt, daß da auf dieser Erde je einer erfolgen wird, - was ich sehr schwer glaube! Denn ich weiß es, in was alles sich so ein Fleischklumpen verwandelt: in Motten, Würmer, Fliegen, Käfer, in allerlei Gras und andere Pflanzen! Wie viele werden von den wilden Bestien zerrissen und verzehrt! Wie viele kommen im Feuer um! Sollte das am Jüngsten Tage sich so mir und dir nichts wiederfinden und eins werden, wie es jetzt ist, da leiste ich auf meine Menschheit für ewig den vollsten Verzicht! Ich, Zinka aus Jerusalem, in vielen Dingen kundig, behaupte hier, daß am einst kommen sollenden Jüngsten Tage sich bei der Wiederbelebung dieser beiden weiblichen Fleischklumpen auch sogar die Allmacht Gottes ein wenig Zeit lassen wird! Sie wird ihren Seelen einen neuen, geistigen Leib geben; aber in diesen Leibern wird keine Seele mehr mit einem Kopfübel geplagt werden!«
07] Sage Ich zum Zinka: »Freund! Du weißt so manches und triffst nicht selten den Nagel auf den Kopf; aber hier hast du, streng genommen, denn doch ein wenig danebengehauen! Du hast zwar vollkommen recht, daß jede Seele jenseits nimmer in diesem Leibe wandeln wird, aber eben diese beiden Leiber sollen denn doch noch eine Zeitlang recht brauchbare Träger ihrer Seelen werden! So Ich es will, müssen diese beiden erwachen! Eine davon wird noch dein recht fruchtbares Weib werden, und du wirst es lieben über die Maßen; die andere aber soll das Weib des auch noch ledigen Risa werden, - aber er wird in ihr keine Frucht erwecken!«
08] Nach dem berufe Ich die beiden Ertrunkenen, und sie richten sich im Augenblick auf und schauen voll Staunen um sich, sich gar nicht fassen könnend, wo sie nun seien, und was mit ihnen vorgegangen sei.
09] Risa und Zinka aber fallen vor Mir nieder, und Zinka ruft: »Du bist's, den Johannes verkündete! Aber Du bist kein Prophet, sondern Du bist Jehova Selbst!«
10] Bei dieser Erweckungsszene kamen auch die noch anwesenden Perser, und der uns namentlich bekannte Schabbi sagte zum Zinka: »Diesmal hast du, wie ich's fühle, ein rechtes Urteil gesprochen! Also ist es, Freund, - das ist Jehova! Und der Junge, der uns ehedem einen himmlischen Ton hat hören lassen, ist ein Erzengel, und zwar derselbe, der schon einmal auf dieser Erde den jungen Tobias geführt hat. Also stehen die Sachen: das ist der von allen Propheten und Sehern geweissagte große Messias, und mit Ihm beginnt ein neues, geistiges Reich auf dieser Erde!
11] Er ist es, an dem sich viele ärgern werden und werden über Ihn herfallen und mit Ihm tun wollen, was Herodes mit Johannes getan hat; aber alle, die das unternehmen werden, werden sich zerschellen an Seiner Macht und dumm werden und blind wie die finsterste Nacht vor Seiner Weisheit! Denn Seinesgleichen hat die Erde nie in ihrem Fleische getragen!
12] Was ich dir im Namen meiner zwanzig Gefährten sage, das sage ich dir ohne Scheu; denn von nun an fürchte ich keine Welt mehr, da ich Diesen habe kennen gelernt, der allein zu fürchten ist von allen jenen, die sich wider Ihn erheben wollen und werden! Oh, Er wird den Frevlern allen gar mächtig auf den Zahn fühlen, und tausend Male Wehe den Frevlern! Er wird wider niemanden mit dem Schwerte in der Hand zum Kampfe ziehen, - aber die Macht Seines Wortes wird sie richten und verderben!
13] Welche Macht aber in Seinem Worte liegt, davon hast du nun die noch barmutternackten Beweise vor dir! Diese beiden Mägde waren doch so vollkommen tot, daß daran wohl niemand mehr irgendeinen Zweifel erheben konnte! Er sprach nur: 'Erhebet euch!', - und die beiden erhoben sich und leben nun wie neugeboren frisch und gesund und sind bei vollkommen klarstem Bewußtsein; nur wäre es zu wünschen, daß die beiden gar lieben Geschöpfe eine Leibesbedeckung bekämen! - Aber ich weiß, was ich tun werde! Es sind mit uns Persern etliche Weiber, die eine dreifache Bekleidung mit sich führen; da kann jede ein Kleid hergeben, und diesen beiden ist geholfen!«


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