Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 24

Die Pflege des menschlichen Herzens.

01] (Raphael:) »Weißt du, meine lieblichste Jungfrau Jarah, als der Herr in Genezareth Sich aufhielt, da unterwies Er Selbst dich in allerlei Gartenkultur! Er lehrte dich allerlei nützliche Pflanzen kennen, zeigte dir, wie sie zu bearbeiten sind und wie zu gebrauchen. Er legte für dich einen kleinen Garten an und bepflanzte ihn mit allerlei nützlichen Pflanzen und sagte dir von einer jeden insbesondere, welche Gestalt sie haben werde, wie sie wachse, wann und wie sie blühe, welche Früchte sie zum Vorscheine bringen werde, wozu diese gut seien, wie man sie genießen und wie man von ihnen eine reichere Ernte aufbewahren könne, daß sie nicht verderbe. Kurz, der Herr Selbst gab dir den nötigen Unterricht in allem, wie dein Gärtchen zu bestellen sei.
02] Nun, du hattest darob eine überaus große Freude! Wäre es aber mit der Freude allein schon abgetan?! Hätte dir das Gärtchen des Segens Früchte getragen ohne die tatsächliche fleißige Bearbeitung?! Wegen deines großen Wohlgefallens und wegen deiner Freude an solcher Lehre aus dem Munde des Herrn wäre in deinem Gärtchen dennoch nichts gewachsen - außer einiges Unkraut! Dieweil du aber fleißig Hand anlegtest nach der Lehre, so erblühte dein Gärtchen bald zu einem kleinen irdischen Paradiese, und du hast die sichere Aussicht, eine recht reiche Ernte aus dem Gärtchen zu machen!
03] Und sieh nun! Eben also ist auch des Menschen Herz ein zwar kleines Gärtchen; wenn man es aber nach der Lehre aus dem Munde des Herrn recht fleißig bearbeitet und keine Mühe scheut, alles, was man vernommen hat, in die Tat zu verkehren, so wird man auch ehest so viel alles Segens und aller Gnade aus den Himmeln im eigenen Herzen besitzen, daß man am Ende für Seele und Geist schon ganz aus eigenen Mitteln wird leben können und wird nicht stets unseres Rates und unserer Hilfe benötigen!
04] Denn das eben will ja der Herr mit dem Menschen bezwecken, daß er ein ganz selbständiger Bürger der Himmel werde nach der ewig unwandelbaren Ordnung Gottes; wer das erreicht hat, der hat dann aber auch schon alles erreicht. - Hast du, liebste Jarah, dieses alles wohl so ganz recht und gut verstanden? Kennst du dich nun wohl so ein wenig aus mit dem reinsten Tone, den ich dir vorgesungen habe?«
05] Sagt die Jarah: »Oh, nun wohl ganz und so klar und rein wie die Sonne am hellen, wolkenlosen Mittage! Deine Worte gaben meinem Herzen einen mächtigen Trost, und ich werde sie auch zur vollen Tat erheben, auf daß sie in mir zur freudigsten und seligkeitsvollsten Lebenswahrheit werden. Mich zu lehren und die Lehre in die volle Tat verwandelt zu sehen, dürfte für dich die schwerste Lebensaufgabe wohl kaum sein!? Aber werden das auch die andern Menschen alle tun, was du mir so treu und wahr angeraten hast?«
06] Sagt Raphael: »Sorge zuerst nur für dich, für die andern wird schon gesorgt werden vom Herrn!«


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