Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 14

Befehl des Herodes zur Verhaftung Jesu.

01] (Zinka:) »Daß und wie sie ihn für mich und für Tausende gefeiert hat, ist bekannt; aber euch allen wird es nicht bekannt sein, daß unter den Jüngern des Johannes die Sage geht, daß Johannes wiederum auferstanden sei, sich aber nach Galiläa gezogen habe und nun wiederum alldort sein Wesen treibe, wo er es ursprünglich zu treiben angefangen hatte. Solche Sage erfuhr denn auch Herodes und seine Herodias, die seit dem Tode des Johannes ganz eigens zu siechen angefangen hatte samt dem alten Drachen von einer Mutter. Solches erfüllt des Herodes und der Herodias Herz mit großer Furcht und mächtigem Bangen, und Herodes sandte darum mich als einen bewährten Freund des Ermordeten aus, um ihn wieder zum Herodes zu bringen, damit ihm Herodes vergelten könnte die große Unbill, die er ihm zugefügt hatte. Auch die Herodias beweint nun jene Stunde, in der sie ihrer bösen Mutter nachgab, und möchte nun auch den beleidigten Johannes wieder versöhnen!
02] Ich aber sehe es wohl ein, daß Johannes nimmer auferstanden ist; wohl aber habe ich aus dem Munde des Johannes selbst gehört, daß in Galiläa ein gar großer Prophet auferstanden sei, dessen Schuhriemen aufzulösen er nicht würdig sei. Ich sagte das dem Herodes, und er sagte: "So ziehe dennoch hin und bringe mir jenen, von dem Johannes mit einer so großen Achtung sprach; denn der kann uns vielleicht auch helfen!< Ich sagte ihm aber auch, was ich von dem großen Propheten vernommen habe, nämlich daß er zur Bekräftigung seiner Lehre ungeheure Zeichen wirke. Ich sagte ihm, daß der galiläische Prophet Tote erwecke und Berge versetze und dem Sturme gebiete, und dergleichen unerhörte Dinge mehr. Ich sagte dem Herodes ferner, daß ich gegen die Macht solch eines Propheten wenig oder nichts aus richten würde, weil er Tausende mit einem Gedanken töten könnte. Aber Herodes und die Herodias standen von ihrem Begehren darum nicht ab, und Herodes sagte nur: >Dreihundert schwere Silbergroschen dem, der ihn mir bringt!", mit dem Beisatze: wenn es lebendig nicht möglich wäre, so wolle er ihn doch als Toten sehen!
03] Ich erwiderte ihm ganz beherzt, sagend: "Wenn er selbstwillig nicht kommen will, so werden wir fruchtlos nach ihm ausziehen! Denn bis wir ihn einmal töten, leben wir schon lange nicht mehr; denn da er die verborgensten Gedanken der Menschen erkennt und ihre Absichten auch, so wird er uns schon töten, so wir seiner noch kaum ansichtig werden! Wenn aber dies sich also verhält, so sehe ich wirklich nicht ein, wozu wir nach ihm ausziehen sollen!< Da sagte er: >Ich will es, und mein Wille ist gut; ist der Prophet gut, so wird er meinen guten Willen auch als gut anerkennen und zu mir kommen! Daß ich mit ihm das nicht tun werde, was ich in meiner Verblendung mit dem Johannes getan habe, beweisen meine Tränen um den guten Johannes. Gehet und vollziehet meinen Willen!"
04] Darauf erst gingen wir und sind nun darum da, - bisher noch vollkommen unverrichteter Dinge, obwohl wir nun schon bei neun Wochen in der stets gleichen Absicht in Galiläa herumziehen! Ich habe schon unter der Zeit etliche Male Boten an den Herodes abgesandt und ihm das Fruchtlose unserer Mühen klar dargestellt; allein, das hilft nichts! Er weiß es irgend aus anderen Quellen, daß sich entweder der auferstandene Johannes oder der große Prophet in Galiläa aufhalte und große Zeichen tue; wir sollen daher alles aufbieten, seiner habhaft zu werden. Jede Lauheit von unserer Seite werde er allerstrengst zu ahnden wissen!
05] Und so sind wir denn auch nun auf unseren Streifzügen hierher gekommen, weil wir vernahmen, daß sich bei Cäsarea Philippi große Zeichen sollen zugetragen haben! Wir fanden aber eigentlich nichts als die total abgebrannte Stadt, eine durch den gestrigen Kardinalsturm verheerte Gegend und nun euch gestrengste Römer allhier!
06] Versorget uns und machet uns frei von dem Narren, dem in seiner Wut nicht zu trauen ist, und wir werden euch dafür dankbar sein, dessen ihr vollkommen versichert sein könnet! Was ich euch nun kundgetan habe, ist vollste Wahrheit; ihr wisset nun genaust, wie die Dinge stehen. Handelt nun nach Recht und Billigkeit! Seid ihr Römer einmal vollends unsere Herren, so geht uns dann Herodes nichts mehr an! Wir aber werden bereit sein, euch noch um tausend Male treuer zu dienen als dem alten Narren und Wüterich! Denn bei euch schaut doch noch etwas Menschliches heraus, während der Herodes ein Unmensch ist, so er von seiner Wut befallen wird!«


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