Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 8

Die äußere Ruhe und innere Tätigkeit der Gesellschaft.

01] Damit trat Judas Ischariot zurück, und Ich sagte zu Helena, Ouran und Mathael: »Lasset ab von alldem; denn wir haben wichtigere Dinge zu verhandeln! Behaltet den Knecht, und strafet ihn nicht; denn er hätte diesen losen Streich nie unternommen, so er nicht von einem Geiste dazu getrieben worden wäre! Darum aber ward er getrieben, daß auch er für uns täte eine Weissagung, die erfüllt werden wird. - Doch davon nun nichts weiteres; denn wir haben nun viel wichtigere Dinge zu verhandeln!«
02] Es fragte Mich aber ganz erstaunt Cyrenius: »Herr, worin soll das bestehen? Mir kommt es vor, daß es nun schon nichts mehr gäbe, das da noch wichtiger wäre denn das, was wir hier schon alles durchgemacht haben! O rede, Herr! Mein Herz bebt ordentlich vor Begierde, Deine neuen Anordnungen und Beschlüsse zu erfahren und mich dann auch danach zu kehren!«
03] Sage Ich: »Habe nur eine kleine Geduld; denn alles muß seine Zeit haben, auf daß es in selbiger zur Reife gelangt! Darum ist nun vor allem eine kleine Ruhe vonnöten. Ruhet darum nun mit Mir eine ganz kurze Weile!«
04] Darauf ruhten alle, und die Sache zwischen dem Judas Ischariot und dem Wächter der Schätze Ourans, die den Ouran und den Mathael ohnehin ganz wenig bekümmerte, war abgemacht. Die beiden hatten mit dem Kornelius und mit dem Faustus ganz wichtige Regierungsangelegenheiten abzumachen; denn den Ouran fing schon an die Zeit zu drängen, da er sehr daran zu denken begann, mit dem großen Wahrheitsfunde zum Volke, dessen König er war, zurückzukehren und es damit nach Möglichkeit zu beglücken. Er wollte ein König eines verständigen und weisen Volkes sein und nicht von puren Menschenlarven und - maschinen, die ohne Erkenntnis und ohne Willen einhergehen wie die Tiere.
05] Risa aber beobachtete seine zwei Leichen und dachte nur darüber nach, ob sie mit der von ihm gesehenen Vormanipulation und endlich durchdie Kraft Meines Namens nicht wieder ins Leben zu rufen wären. Andere um Mich herum dachten wieder darüber nach, worin das Großwichtige etwa bestehen werde, das Ich nach der genommenen kurzen Ruhe ausführen würde. Kurz, obschon äußerlich alle zu ruhen schienen, so waren sie dennoch innerlich in der Seele im höchsten Grade tätig, und es wußte da niemand, wohinaus und wohinein! Philopold, Murel und Kisjonah steckten die Köpfe zusammen und deliberierten (überlegten) ganz enorm, was da noch irgend kommen sollte; Cyrenius und Ebahl und die Jarah dachten auch viel nach und konnten nichts finden, um was es sich nun noch handeln könnte. Denn ihnen schien nun schon alles erschöpft zu sein.
06] Der Schabbi und der Jurah, die beiden persischen abgeordneten Sprecher, aber sagten zu ihren Gefährten, die stark in sie drangen: »Laßt das! Das hieße Gottes Kraft in unseren Herzen versuchen! Was wissen denn wir, wie wir innerlich beschaffen sind! Wissen wir aber schon von uns selbst nichts, was sollen wir dann erst wissen, wie Gott in Sich beschaffen ist, und was Er tun wird?! Das aber wissen wir, daß alles, was Er tun wird, höchst weise sein wird und vollauf zu unserem Besten; komme da nun, was ihm wolle, mehr oder weniger Großartiges, als schon da war, das kümmere uns wenig! Wir sind und bleiben Handelsleute und können alles, was zu unserem Besten abgezielt ist, gar überaus gut gebrauchen. Wir halten aber am Ende schon alles für gleich großartig, wert und wichtig, was da kommt von Ihm, dem alleinigen Herrn der Ewigkeit und der Unendlichkeit aller Seiner zahllosen Taten und Werke.
07] Da wir uns aber eben selbst noch gar lange nicht kennen, so können wir auch nicht wissen, was uns noch über alles das hinaus not tut, was wir schon empfangen haben; Er aber weiß es und kann daher ganz gut das, was da noch kommen wird, als etwas groß und überaus Wichtiges bezeichnen! Denn der Herr aller Ordnung von Ewigkeit kann doch unmöglich bei 13 oder 14, sondern stets nur bei 1 zu zählen anfangen. Und so weiß Er sicher auch gar rein und klar, was für uns der Reihenfolge nach dienlich ist zu unserer innern Lebensvollendung; wir können darum schon in aller Ruhe abwarten, was Er heute noch alles unternehmen wird!«
08] Diese recht weise Belehrung beruhigte die Gemüter der Perser ganz; aber auch die Gemüter derjenigen, die an Meinem Tische saßen, wurden ruhiger und erwarteten mit gespanntester Erwartung und Freude das, was Ich nachher ganz offen tun würde.


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