Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 243

Von den Haupthindernissen zur Erfüllung der Verheißungen.

01] Sagt Raphael: »Mir gebührt weder ein Dank noch eine Ehre, sondern alles nur allein dem Herrn!
02] Gut aber ist es, daß ihr solches in der wahren Lebenstiefe aufgefaßt habt! Mit diesem Mittel werdet ihr allezeit jedem begegnen können, der da kommen und sagen wird: 'Freund, wohl habe ich bisher alles getan und geglaubt, was du mich gelehrt hast; aber von den verheißenen Wirkungen hat sich bis zur Stunde keine einzige eingestellt! Was soll ich denn noch tun? Ich habe meine gute, alte Lehre meiner Väter verlassen, in der sie gar oft allen Trost, den besten Rat und die nötige Hilfe in allerlei Nöten fanden, und diese neue Lehre läßt mich samt meinem Nachbar als Waise; keine Bitte wird irgend erhört und kein finsterer Zweifel erhellt! Wo ist dein so herrlicher Gott, von dem aus du uns alles Glück verheißen hast und anderes Wunderbares?!'
03] Du aber wirst ihm dann leicht also antworten können: 'Freund, daran schuldet nicht die Lehre, sondern dein Unverstand! Wohl hast du die Lehre in deinen Verstand aufgenommen, und hast auch versuchsweise sogar streng danach gehandelt und wartetest auf die vorteilbringende Erfüllung der Verheißung; du tatest jedoch das Gute der Lehre nur der vorteilbringenden Verheißung, nicht aber des Guten willen! Du warst nur tätig aus deinem Verstande, nie aber noch aus deinem Herzen! Dieses blieb in sich hart und kalt wie vor dem Empfange der rein göttlichen Lehre; daher auch gelangtest da weder durch die Tat noch durch den toten und blinden Glauben zu einer Erfüllung der dir gegebenen Verheißungen!
04] Erwecke nun dein Herz! Tue alles, was du tust, aus dem wahren Lebensgrunde! Liebe Gott Seiner Selbst willen über alles und ebenso deinen Nächsten!
05] Tue das Gute des Guten willen aus deinem Lebensgrunde heraus, und frage nicht ob deines Glaubens und ob deiner Tat nach der Erfüllung der Verheißung, ob sie wohl kommen werde oder nicht! Denn die Erfüllung ist eine Folge dessen, daß du lebendig im Herzen glaubst, fühlst und aus dem lebendigsten Liebesdrange heraus tätig wirst. So aber, wie du bis jetzt geglaubt hast und tätig warst, warst du gleich einem Menschen, der im Traume geackert und gesät hat und wollte dann im wachen Zustande ernten, fand aber weder Acker noch die gesäte Frucht.
06] Des Menschenverstandes Wissen, Glauben und Handeln ist eine eitle Träumerei und ist kein Lebensnutz darin. Alles muß der Mensch sich zum Herzen nehmen, in dem das Leben weilet; was er ins Herz legt, wird aufgehen und die verheißenen Früchte tragen.
07] Wer da nicht also sein Leben zu ordnen versteht oder verstehen will und ist selbstsüchtig auch durch den Glauben und durch sein Denken, der wird nie zu einer Erfüllung der Verheißung gelangen; denn sie ist die Frucht der Tätigkeit des Herzens!'
08] Wenn ihr dem, der euch nach der noch nicht erfolgten Erfüllung der Verheißung fragen wird, also antworten werdet, so wird er euch dann in Frieden lassen und zu trachten anfangen, in seinem Herzen wahrhaft tätig zu werden.
09] Wird er das, so wird sich dann bei ihm selbst schon zu zeigen anfangen, daß die Verheißung der Gotteslehre kein eitel leeres Versprechen ist; wird er aber fortfahren, nur allein seinen Verstand zu Rate zu ziehen und danach tätig zu sein, so wird er es sich selbst zuzuschreiben haben, so er zu keiner Erfüllung der gemachten Verheißung sein ganzes Erdenleben hindurch gelangen wird - und auch jenseits sehr schwer! - Saget, ob ihr dies alles wohl so recht aus dem Lebensgrunde verstehet!«
10] Sagt endlich auch einmal Philopold: »O Freund aus den Himmeln! Wer sollte das auch nicht verstehen! Wer wie du nur mehr im Herzen lebt, denkt und fühlt, der versteht alle Lebensangelegenheiten des Herzens gar leicht und klar; wer aber nur in seinem Gehirne lebt, denkt und fühlt, dem sind die Lebensangelegenheiten ohnehin soviel wie ein lächerliches Nichts. - Wir haben nun diese Sache ganz handgreiflich klar abgehandelt, und wie ich es merke, so fängt es nun schon im Osten zu dämmern an, und der Morgenstern steht schon bedeutend hoch. Daher glaube ich, daß wir nun auf etwas anderes übergehen sollten!«


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