Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 207

Über die wahre Anbetung Gottes.

01] Sage Ich: »So du im vollsten Sinne lebendig glaubtest und eine innere Überzeugung hättest, könnte Ich dir wie euch allen freilich wohl nichts einwenden, so ihr Mich als euren Gott auf eine rechte Art anzubeten anfinget; aber indem ihr darin, und am wenigsten in eurer Seele, irgendeine volle geistige Überzeugung habt, so würdet ihr mit Mir ebensogut eine Abgötterei treiben, als so ihr irgendeinem andern Menschen oder einem geschnitzten Bilde eine göttliche Verehrung erweisen würdet.
02] Wer Gott wahrhaft und fruchtbringend anbeten will, der muß Gott zuvor in seinem Herzen lebendigst erkennen, er muß Gott im Geiste und in aller Wahrheit zuerst haben in der Erkenntnis und in der Liebe, dann erst kann er Ihm die Ehre geben und Ihn vollgültig anbeten; ohne dem treibt der Mensch auch mit dem wahren Gott eine scheußliche Abgötterei!
03] Wie kann ein Mensch den allein wahren Gott würdig und wirksam anbeten, so er Ihn noch nie anders als nur vom Hörensagen ganz götzenhaft erkannt hat?! Was Unterschiedes wird dann zwischen der Anbetung des allein wahren Gottes und derjenigen eines Götzen sein?!
04] Die wahre Anbetung des allein wahren Gottes besteht in der Liebe zu Ihm und in der Liebe zum Nächsten. Wer aber kann Gott lieben, so er Ihn noch nie erkannt hat?
05] Oder kann ein junger Mensch je zu einer Jungfrau in Liebe erbrennen, die er noch nie gesehen und erkannt hat? Und bildet er sich eine solche ein, daß sie irgendwo sei, und fängt er an, die in der Wahrheit nirgends Seiende gar mächtig zu lieben, so ist er ein Narr und treibt darum die Selbstliebe im höchsten Grad, - und das ist ein Greuel vor Gott.
06] Jede Götzenanbetung ist darum die größte Torheit der Menschen und eine gräßliche Blindheit. Denn am Ende dünken sich die festen Götzenanbeter selbst als Götzen und lassen sich Weihrauch streuen und sich als Götter anbeten, - und das ist dann ein Triumph des Satans im Menschenherzen! Aber wehe solchen in ihrer höchsten Verblendung sich einbildenden Selbstgöttern! Ihr Los wird dereinst ein höchst trauriges sein; denn solch ein Hochmut ist ein Wurm, der nimmer stirbt, und ein Feuer, das nimmer erlischt!
07] Ich sage es dir: Es ist des Satans Lust, die blinden Menschen durch den in sie eingepflanzten Hochmut von der Ordnung Gottes soweit als möglich wegzubringen; aber werden sie einst als Jünger seiner Schule drüben anlangen, dann wird er sie verwerfen und zu seinen allerniedrigsten und scheußlichsten Diensten stellen, in denen sie nach seinem bösesten Willen ewig werden zu verbleiben haben!
08] Der Satan als der Fürst der Finsternis läßt die Menschen hier zu Göttern erhöhen, um sie dereinst zu den niedrigsten Scheusalen hinab zu demütigen.
09] Gott aber verlangt hier ein weises und demutsvolles Herz, um dereinst den Menschen desto höher zu heben und seliger zu machen.
10] Es wird zwar solche Macht dem Satan benommen werden, und die Menschen werden völlig unabhängig frei nach ihrem Sinne schalten und walten können; - dadurch werden die Guten desto mehr leuchten, und die aus sich Bösen aber desto ärger und tiefer der Hölle angehören; denn da wird ihre Bosheit nicht der Satan auf seine Rechnungstafel, sondern sie auf ihre höchst eigene bekommen, und sie werden dereinst vom Satan und seinen Knechten desto übler hergenommen werden.
11] Darum ist eines jeden Menschen erste Pflicht, in aller Demut seines Herzens Gott zu suchen im Geiste und in der Wahrheit, und hat er Ihn gefunden, dann erst bete er Gott auch im Geiste und in der Wahrheit an!
12] Das Hauptgebet aber besteht darin, daß ein demütiges Herz demütig bleibt und seinen Nächsten liebt in der Tat mehr als sich selbst, Gott aber als den allein wahren Vater aller Menschen und Engel über alles!
13] Niemand aber kann Gott lieben in seinem finstern Fleische, so er seinen Bruder hasset; denn wie möglich könnte jemand Gott lieben, den er nicht sieht, so er seinen Bruder nicht liebt, den er sieht?!
14] Es ist aber bei weitem nicht genug, zu sagen: »Ich liebe meine Nächsten und bin ihnen sehr freundlich!« Die wahre und vor Gott allein gültige Liebe muß in Werken bestehen, wenn die Nächsten derselben bedürfen, geistig oder leiblich. Diese Liebe ist der wunderbare Schlüssel zum Lichte aus Gott im eigenen Herzen.
15] Ich sage es dir und deinen Gefährten, hättet ihr diesen goldenen Schlüssel nicht gefunden und in euer Herz aufgenommen, nimmer würdet ihr den Weg hierher gefunden haben! Was aber das sagen und heißen will, daß du und deine Gefährten hierhergekommen seid, wennschon durch einen mächtigen Sturm des äußeren Lebens, das fanget ihr nun schon an zu ahnen, die kurze Folge aber wird euch erst ins wahre Licht führen! Wenn du Mich erst ganz erkannt haben wirst, dann wirst du auch einsehen, ob Ich anzubeten bin oder nicht!«


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 3  |   Werke Lorbers