Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 208

Ehrfurcht der Perser vor der Heiligkeit Jesu.

01] Auf diese Meine Worte werden die Perser sehr nachdenkend, und der Jurah sagt zu seinen Gefährten, während Ich Mich zu den drei vom Tode Erweckten begab und sie leiblich versorgen ließ: »Freunde! Der führt eine ganz merkwürdige Rede, die noch wundersamer klingt, denn da seine Taten anzusehen sind, obwohl diese von einer Art sind, von der wir noch nichts Ähnliches gesehen haben. Aber es sieht da immer ein Wunder dem andern gleich, und der darin unerfahrene Mensch ist blind und sieht nicht alldort, wo er am besten und hellsten sehen sollte! Die Gesundmachung unseres Juweliers ist wohl überaus überraschend, aber vielleicht nicht in der Unmöglichkeit, sie auf natürlichem Wege zu bewerkstelligen. Wir wissen es freilich nicht, wie solches möglich wäre, allein wir wissen es aber aus der Erfahrung, wie die Indier den Biß der giftigsten Schlangen heilen ohne Kraut und Saft und Öl. Der hat diese beiden auch ohne Kraut, Saft und Öl geheilt, wie, das wissen wir nicht und - können es auch nicht wissen!
02] Die drei Ertrunkenen sind wahrlich wieder ins Leben zurückgerufen worden; aber es ist noch sehr zu beweisen, ob sie wohl wirklich schon ganz vollkommen tot waren, oder ob sie nicht Verstelltertrunkene waren! Kurz, die Taten beweisen noch lange nicht alles! Aber sein mächtiges Wort beweist nach meiner Ansicht mehr denn die beiden Wundertaten; denn so endlos weise und ewig wahr spricht keines Sterblichen Zunge! Denke du, Schabbi, nur über die Erörterung (Erläuterung) von der allein wahren Gottesanbetung nach, und du wirst es einsehen, welch eine alles durchgreifende Weisheit darin liegt; das beweist mir etwas Ungeheures, ja ein Etwas, daß ich mir's kaum auszusprechen getraue!«
03] Fragt Schabbi ganz erstaunt: »Nun, was ist es denn, daß du dir's kaum auszusprechen getraust?«
04] Sagt Jurah: »Denke du nur selbst ganz reiflich nach, und ich will was heißen, wenn du nicht bald dasselbe fändest!« Schabbi fängt hier an sehr nachzudenken und weiß aber dennoch nicht so recht, was er aus der Frage des Jurah so ganz eigentlich machen soll.
05] Nach einer Weile sagt Schabbi zum Jurah: »Ich möchte dir wohl etwas sagen und glaube, daß sich da eine ganz absonderliche Sache herausstellen würde; aber es ist und bleibt eben diese absonderliche Sache etwas sehr Gewagtes! Denke nur, wenn nun nahe zweifelsohne dies der Messias ist, so ist Er nach Jesajas nicht nur der ganz einfache Mensch, der hier mit uns geredet hat, sondern, wohlgemerkt, auch Seiner Seele nach Gott, der alleinig wahre von Ewigkeit! Wenn aber also, was sodann mit uns? Wie werden wir schwache Menschen vor Ihm, dem Allerhöchsten, bestehen? Was tun wir hernach, wohin dann mit uns?«
06] Sagt Jurah: »Ja, das ist auch meine Sorge und nun mein größter Kummer! Ich ahne, daß hier so etwas zum strahlendsten Vorscheine kommen wird, nur begreife ich die hohen Heiden nicht; denn sie scheinen an Ihm wie an ihrem Leben zu hängen!«
07] Schabbi sagt: »Vernahmst du, wie im Jesajas geschrieben steht: »Und Er wird die Decke, womit die Heiden zugedeckt sind, hinwegtun.«! Das will soviel sagen: Diesen Ersten der Heiden hat Er Sich schon geoffenbart! Sie wissen bereits, was an Ihm ist, und sind Ihm darum also ehrfurchtsvoll zugetan. Sie werden schon die vollste Überzeugung haben, daß Er, als der Allmächtige von Ewigkeit, sie mit einem Hauch auf ewig wie lose Spreu verwehen kann, und haben darum die endloseste Hochachtung vor Ihm, und wie es mir vorkommt, so sind sie von Ihm schon besiegt, und die guten Juden sind frei! - Das ist so meine Ansicht.
08] Und später darauf aber heißt es im Propheten auch: »Und der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufgeben die Schmach Seines Volkes in allen Landen!« Das heißt: sicher auch uns, die wir in Persien sind; nur werden wir offenbar nicht die ersten sein, denen Er solches tut, aber dennoch sind wir nun an der Reihe, und dies scheint eben der Moment zu sein, in welchem Er der Juden in andern Landen gedacht hat. An uns hat Er den Anfang gemacht, uns unsere Tränen zu trocknen und unsere Schmach zu tilgen! Wir stehen irdisch ausnahmsweise wohl so gut, daß wir auch im Fremdlande keine Nottränen zu weinen Ursache haben, und leiden keine Schmach; aber es leben dort noch Tausende unserer Brüder und Schwestern, die dennoch große Not leiden. Sie werden von den Heiden oft grauslich verhöhnt und allenthalben verachtet; wir aber sind gar wohl in der Lage, ihnen allen zu helfen und in Seinem Namen ihnen zu trocknen die Tränen aus und von ihren Angesichtern und zu tilgen ihre vieljährige Schmach! Darum scheint uns der Herr, der nun offenbar hier ist, auch hierher auf diesen bescheidenen Berg gerettet zu haben, um uns zu Seinen Werkzeugen zu brauchen bei denen, die in fremden Landen wohnen. Das ist so meine Ansicht in allem und jedem. - Und nun rede du, mein Freund!«
09] Sagt Jurah: »Ja, du hast meiner Ansicht nach nun den Nagel auf den Kopf getroffen! Es wird sich schon alles ganz also verhalten! Aber da sich nun ganz sicher alles also verhalten dürfte, so kommt wieder die große und bedeutungsvollste Frage: Wie werden wir uns Ihm nahen, da wir doch sicher bis über den Kopf in allerlei Sünden stecken? Und doch steht es geschrieben: »Gott darf und kann sich niemand nahen, der eine Sünde an sich hat!« Wir werden vielfach unrein sein! Wo werden wir uns nun reinigen können? Wo ist der, der von uns ein gültiges Opfer annähme, das uns reinigte von unseren Sünden vor Gott?!«


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