Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 203

Der Nutzen der Tätigkeit und die üblen Folgen der Trägheit.

01] Sage Ich: »Das eben wohl nicht; aber das ist daneben doch auch wahr, daß die irdischen Handelsleute nur zu oft über alle geistigen Dinge ein wenig zu leichtfertig hinaus- und hinweggehen, was denn auch bei euch der Fall war. - Habe Ich recht oder nicht?«
02] Sagt Schabbi: »Ja, das, erhabener Freund voll Gotteskraft, ist wohl wahr, daß der Welthandel und die Schätze dieser Erde, ihre Gewinnung und gerechte Verwaltung einem viel Denken und viel Sorgen machen, aber man macht dann eben durch gut angewendeten Reichtum leicht allerlei nützliche Erfahrungen und weckt manches Menschen schlummernden Geist zu allerlei nützlichen Dingen, schafft ihm eine nützliche Beschäftigung und entfernt ihn sogestaltig vom Müßiggange, der gewöhnlich ein Vater von allen Lastern und Sünden ist.
03] Siehe du an den Priesterstand nahe aller Nationen! Solange diese Menschen arbeiten mußten und sich wie jeder andere Mensch ihr Brot im Schweiße ihres Angesichtes erwarben, waren sie auch die ersten Freunde der Wahrheit und entdeckten und berechneten so manches, darüber wir noch heutzutage allen Grund zu staunen haben. Sie brachten Harmonie ins menschliche Denken und errichteten Schulen für die wahre Bildung des menschlichen Geistes und der Erkenntnis seiner selbst. Damals fanden solche Priester die Wege zu Gott und leiteten voll Geistes und ernstlich-guten Willens die Nebenmenschen zur gleichen Erkenntnis.
04] Als aber später die Menschen die große Wohltat der schönen und erhabensten Mühen der alten und echten Priester mehr und mehr erkannten und ihren übergroßen Nutzen einsahen, da nahmen sie alle die schweren Arbeiten der Priester, die sie über alles achteten und liebten, auf sich, führten die Zehentgaben ein und bestimmten, daß die Priester nur für des Menschen Geist zu sorgen und zu arbeiten hätten. Da ward aber dann der Priesterstand auch bald ein müßiger, fing an zu dichten und zu trachten, mauerte die helle Wahrheit in finstere Katakomben ein und fing an, die damals leichtgläubige Menschheit mit allerlei Märchen und Fabeln abzufertigen; und so ward der Müßiggang der Priester der offenbare Grund zum Verfalle selbst der erhabensten und göttlichsten Lehre des großen und wahren Priesters Moses.
05] Man lese nur Moses und die Propheten und vergleiche das nunmalige Treiben der Nachfolger Mosis und Aarons zu Jerusalem, und man wird es bald und leicht heraushaben, daß sie weder an Moses und noch weniger an einen Gott glauben. Denn würden sie an Moses und an den durch ihn verkündigten Gott glauben, so würden sie nicht die allerschändlichsten Lügner und Betrüger des Volkes, das sie leiblich und geistig knechten, sein! Das ist aber alles eine notwendige Folge des lästerlichen Müßigganges! Und so meine ich, daß der gerechte Reichtum in den Händen weiser, wohlwollender und tätiger Menschen für die dürftigen Menschen mehr ein Gottestempel ist denn der Salomonische zu Jerusalem!
06] Freilich haben wir handelstätigen Menschen nicht gar zuviel Zeit, uns mit allerlei mystischen Dichtungen der privilegierten Müßiggänger abzugeben und darinnen nachzugrübeln, wieviel Wahres daran klebt; aber wir lehren das Volk den Müßiggang fliehen und bilden es zu wahren, nützlichen Menschen! So glaube ich, daß wir dadurch den kleinen Fehler vielfach gutmachen, den du mir darin bestehend zeigtest, daß wir oft über so manche geistige Dinge zu leichtfertig hinweg- und hinauseilen! Denn ich für meinen Teil denke also: Gutes üben in der Tat ist besser, als darüber die schönsten Lehren schreiben - und sie selbst aber nie ausüben.
07] Was nützt im Grunde aber auch unser noch so tiefes Grübeln und Faseln? Hinter die wahre Weisheit Gottes wird ein Sterblicher doch nie kommen, ja, nicht einmal deren äußersten Schleier lüften!
08] Ist aber den Menschen solches nötig, so wird Gottes Gnade schon wieder einen Moses irgend erwecken, also einen wahren Messias, wie nun du ein rechter zu sein scheinst. Dieser wird uns dann sicher in der rechten Weisheit Gottes unterweisen, und wir werden das als eine echte Ware aus den Himmeln sicher um jeden Preis gerne und dankbarst annehmen und auch danach tätig sein, weil wir Handelsleute stets große Freunde von aller der Menschheit nützenden Tätigkeit sind und unsern großen irdischen Reichtum nur dazu verwenden, die von Natur aus stets zur Trägheit und zum Müßiggang geneigte Menschheit, für sie und für andere nützend, in allerlei guter Tätigkeit zu beschäftigen.
09] Sage, erhabener, von Gottes Geist erfüllter Freund, ob unsere Lebensansicht gut, brauchbar und darum eine wahre ist, oder ob du uns eine noch bessere aus deiner Weisheit zu geben imstande bist!«


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