Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 202

Die Wirkungen der Taten Jesu auf die Perserjuden.

01] Diese Begebenheit aber machte auf unsere Perser erst den rechten Eindruck. Jetzt war es völlig aus, und unser Schabbi sah bald Mich, bald wieder die Erweckten an, befühlte ihre Pulsadern und befragte sie emsigst, ob sie denn wohl so ganz bestimmt tot gewesen wären, und ob sie denn durchaus nicht irgend sich erinnern könnten, was da mit ihnen vorgegangen sei!
02] Der Mann aber sagte: »Frage du diesen Stein, und er wird dir darüber ganz dasselbe zu sagen imstande sein als ich nun! Ich weiß nun nur so viel, daß ein mächtiger Wasserstrom mich ins Meer mit sich fortriß und mich aber auch sogleich derart bewußtlos und folglich tot machte, daß ich von diesem Augenblick an nichts von mir weiß, was dann mit mir vorgefallen ist. Nur so viel erinnere ich mich - in der Seele aber nur -, daß ich mich bald nach dem Verschlungensein von den tödlichen Fluten mit meinen Töchtern ganz traurig auf einer großen Wiese befand und nicht wußte, warum ich denn so ganz eigentlich traurig war. Bald aber überstieg uns ein lichtes Gewölk von allen Seiten, und es ward mir so wonnig in diesem Lichte! Wir sahen aber niemand außer uns, und es bemächtigte sich unser in dieser Wonne ein süßer Schlaf, und aus diesem Schlafe erwachen wir hier wieder. Nun weißt du alles, was ich dir zu sagen weiß; - urteile nun selbst!
03] Daß mein Leib tot war, das wird sicher ebensowenig einem Zweifel unterliegen, als daß ich nun lebe! Denn steige du in des Meeres Tiefe, bleibe über zwei volle Stunden unter dem Wasser, und ich stehe dir dafür, daß du dem Leibe nach vollkommen tot sein wirst!«
04] Spricht Schabbi: »Ja, ja, du warst vollkommen tot, und der Wundermann hat dich erweckt, bloß nur durch sein allmächtiges Wort! Nein, nein, so etwas hat diese Erde noch nicht erlebt! - Aber was nun?!«
05] Beruft Jurah den Schabbi und sagt zu ihm: »Nun, Freund Schabbi, was sagst du jetzt zu dieser Begebenheit?«
06] Sagt Schabbi: »Was soll, was kann man dazu sagen?! Da wirkt Jehovas Macht und nichts anderes! Denn das geht zu endlos weit über jeden Horizont menschlicher Erfahrungen, und kein Wissen hat noch je diese entsetzliche Höhe erklommen. Jetzt werde ich erst so recht verwirrt!«
07] Sage Ich zum Schabbi: »Nun, Freund, wie sieht es nun bei dir mit jener Messiasgeschichte aus, die vor dreißig Jahren in euren Landen die bekannten Morgenlandsweisen ruchbar gemacht haben? Hältst du das auch noch für ein Astrologenmärchen?
08] Denn sieh, derselbe Mensch, der damals zu Bethlehem von einer zarten Jungfrau in einem Schafstalle geboren ward und dem die drei Weisen, die von euch Sternenkönige genannt werden, Gold, Weihrauch und Myrrhen zum Geschenke brachten, bin Ich, - damals ein neugeborenes Kind und nun ein vollkräftiger Mann! Wie gefällt dir das sonderbare Zusammentreffen der Umstände, und wie dünkt dich die Sache?
09] Daß Ich aber ganz bestimmt Derselbe bin, dafür stehen hier zwei noch ganz gut lebende Zeugen; der eine ist der Feldoberste Kornelius, ein jüngster Bruder des Kaisers Augustus, und der andere ist der Oberstatthalter Cyrenius, der Meine Flucht nach Ägypten geleitet und befördert (gefördert) hat und ein älterer Bruder des Kaisers Augustus ist! Wenn du nun solches weißt, so sage Mir nun, was du von dem Messias hältst, den die drei Sternenkönige bei euch ruchbar gemacht haben! Ist etwas an Ihm, oder ist nichts an Ihm?« (lk.02,02)
10] Sagt Schabbi: »Ja, jetzt ist alles an ihm; aber damals klang es freilich stark nach einem sternköniglichen Märchen! Denn man muß unsere Sternenkönige nur kennen, so wird man auch leicht verstehen, wie sie jede neue Erscheinung am Himmel zu ihren Gunsten auszubeuten verstehen. Fürs erste sind sie mit allen Schriften des In- und Auslandes bestens vertraut. Sie kennen die jüdischen Propheten so gut wie die indischen; die Sen scrit und sen ta veista der Parsen, Gebern und Birmanen kennen sie so gut wie unsere Bücher; also kennen sie auch die Schulen der Heiden und ihre Bücher. Fürs zweite aber existiert kein Sternlein am Himmel, das sie nicht kennten und auch schon lange benannt hätten.
11] Kommt irgendein ihnen noch nicht bekannter Stern zum Vorschein, als etwa so ein Komet, nun, so wird der zu allerlei prophetischen Auslegungen benutzt; taugt sie (die Auslegung) für die Inländer nicht, so wird damit ins Ausland geritten, und es findet sich da schon irgendein Plätzchen, wo die Geschichte Aufsehen macht. Das wissen wir Aufgeklärten nur zu gut, und darin entschuldigt sich wohl von selbst der Grund, demzufolge die damalige Ruchbarmachung des verheißenen und geborenen Messias der Juden bei uns zum materiellen Vorteile der Sternenkönige, die heimkommend allen Juden es mit furchtbar großem Pompe verkündigten, keine besondere Wirkung gemacht hat. Sie betrieben die Sache wohl sehr ernst; aber bei uns gilt der alte Spruch: »Der öfter dichtet und lügt, dem glaubt man nicht, so er auch die Wahrheit spricht!«
12] Wer hätte sich's damals bei uns nur im Traume einfallen lassen können, daß die Sternenkönige denn doch endlich auch einmal etwas Wahres eruiert hätten?!
13] Nun ist die Geschichte mit dir freilich eine ganz andere geworden, und du wirst unsern damaligen Unglauben in deiner Weisheit uns für jetzt ja doch zu keiner Sünde anrechnen?!«


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 3  |   Werke Lorbers