Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 194

Meinungen der Perser über Jesus.

01] Die Perser aber berieten sich, während Ich dem Cyrenius die Freigebigkeit und den Geiz erörterte, untereinander, wer Ich etwa doch sei. Einige hielten dafür, daß Ich ein Prophet sei; andere hielten Mich so für einen Weisen, dem alle Schulen Ägyptens, Griechenlands und Jerusalems wohlbekannt sind; ein paar meinten gar, Ich sei etwa so ein römischer Prinz, kenne alle Verhältnisse des großen Reiches und besitze darum eine große Staatsklugheit. Man müsse sich darum sehr in acht nehmen vor Mir; denn sonst würde der stolze Römer Cyrenius, als Oberstatthalter von ganz Asien, nicht gar so demutsvoll mit Mir umgehen! Aber einer der zwei Deputierten (Abgeordneten) sagte: »Sei ihm nun, wie ihm wolle; er ist in jedem Falle ein höherer Mensch, und wir können von ihm etwas lernen, und das ist es, was uns allen in dieser Zeit am meisten not tut!«
02] Damit waren endlich alle einverstanden, machten sich auf und begaben sich zu Mir hin auf den Hügel, obgleich es schon ziemlich dunkel zu werden anfing.
03] Zugleich aber kam auch der alte Markus und fragte Mich wegen des Abendmahles und wegen der vom Hagel zerschlagenen Tische und wegen der noch großen Feuchtigkeit des Bodens, und was da nun zu machen sein werde.
04] Ich aber zeigte ihm die Perser und sagte:
»Siehe da, ein großes und für Mich äußerst wohlschmeckendes Gericht; diese müssen noch vor dem Abendmahle völlig aufgezehrt sein von Meiner Liebe! Bis dahin wirst du schon eine Zeit finden fürs leibliche Mahl, um es zu bereiten und die Tische in irgendeine Ordnung zu bringen; denn zerbrochen sind ja nur einige, und diese werden zur rechten Zeit schon wiederhergestellt sein. Zündet aber bald Lichter an, damit die Menschen nicht im Dunkeln wandeln!« Darauf begab sich Markus froh zurück und setzte alles in Bewegung.
05] Die Perser aber traten zu Mir hin, verneigten sich nach ihrer Sitte abermals bis zum Boden, stellten sich aber hernach dennoch gerade und blieben nicht liegen auf den Angesichtern.
06] Der eine der früheren zwei Deputierten nahm das Wort und sagte: »Herr und sicher großer Freund der Menschen, die eines guten Willens sind, sieh, da wären wir nun! Unsere Angelegenheiten kennst du und den Grund, der uns nun in diese Gegend zog. Allein wir betrachten es als eine wunderbare Fügung von oben und sagen mit Hiob: 'Herr, Dein ist alles, Himmel und Erde, Luft und Wasser! Du gibst und nimmst, wann und wie es Dir wohlgefällig ist; einem Bettler kannst Du Krone und Zepter verleihen und der Könige Haupt beugen in den Staub der vollsten Nichtigkeit!' Darum schmerzt es uns auch nicht; denn der Mensch, der des allmächtigen Gottes Willen stets vor und im Herzen trägt, der trauert nie, außer wenn er vor dem Angesichte Gottes gesündigt hat. Darum trauern auch wir um unsern bedeutenden Verlust nicht; denn wäre damit nicht der Wille Gottes im Spiele dieser traurig aussehenden Begebenheit, so wären wir nun, wie es sonst alle Jahre der Fall war, sicher zu unserem Gelde ohne den geringsten Abzug gekommen. Es war aber da offenbar der Wille Gottes mit im Spiele, und Dem opfern wir gerne diese Kleinigkeit - und möchten noch gerne größere Opfer bringen, so der Allmächtige es von uns verlangen würde; denn Er allein ist der Herr, wir sind nur Seine, allzeit Ihm allein dienenden und gehorsamen Knechte.
07] Wir lieben und fürchten Gott allein und haben darum keine Furcht vor den Menschen; hat der Herr Himmels und der Erde uns aber irgend vor den Menschen zuschanden gestellt, so hat Er schon Seinen besten Grund dazu gehabt! Denn nur gar zu leicht und leichtsinnig begeht der Mensch vor Gott eine Sünde, die der Seele stets einen großen Nachteil bringt; da kommt aber dann der Herr mit der guten Zuchtrute und hilft dem Menschen wieder auf den rechten Weg!
08] Du, lieber Herr und Freund, siehst daraus, daß wir Menschen sind, die Gott noch lange nicht vergessen haben. Du magst vielleicht wohl gar ein weiser Heide und sehr vertraut sein mit den Kräften der Natur; aber wir kennen nur eine Allkraft, und diese ist nur allein in Gott dem Herrn. Dagegen nähmen wir wohl keine Lehre an!
09] Wenn du uns sonach irgendeine rechte Weisheit lehren wolltest, so vergiß nicht, daß wir unwandelbar festeste Bekenner der göttlichen Lehre Mosis sind! Gegen diese wird von uns nichts angenommen, und klänge und wäre es noch so weise! Denn wir alle wollen lieber vor der weisen Welt als Narren - denn vor Gott als Sünder dastehen!«
10] Sage Ich: »Ganz recht so, und ihr seid auf dem besten Wege! Aber es gibt sowohl im Moses, wie ganz besonders in den Propheten, Dinge, die euch noch ganz dunkel sein könnten. Und diese möchte Ich euch aufhellen, auf daß auch ihr es begriffet für euch und eure Brüder, Weiber und Kinder, am welche Zeit es nun sei!
11] Als Elias in einer Berghöhle verborgen lag, da zeigte ihm der Geist an, daß er so lange in der Höhle verbliebe, bis Jehova Selbst vorüberzöge! Und Elias stellte sich nahe an den Ausgang und horchte. Da kam auf einmal ein heftigster Sturm, der da vorübertobte so mächtig, daß darob erbebte der ganze Berg. Da meinte Elias, ob nun wohl Jehova vorübergezogen sei? Der Geist aber antwortete: 'Im Sturme war Jehova nicht!'
12] Da horchte Elias weiter, und sieh, da zog bald darauf ein mächtiges Feuer vor der Höhle vorüber! Es brauste und krachte da gewaltig, und die Außenwände verglasten sich vor der Hitze Macht. Da meinte Elias, dies sei denn doch Jehova gewesen! Aber der Geist sprach wieder und sagte: 'Auch in diesem Feuer war Jehova nicht!'
13] Da dachte der große Prophet bei sich: 'Also weder im Sturme, noch in des Feuers Allgewalt ist Jehova im Grundwesen Seiner Liebe gegenwärtig!'
14] Als er aber also ganz ernstlich nachdachte, da säuselte ein ganz zarter und leiser Hauch vor seiner Höhle vorüber, und der Geist redete abermals und sprach: 'Siehe, Elia, in diesem zarten und sanften Säuseln zog Jehova vorüber, und dies diene dir zum verheißenen Zeichen, daß du nun ganz frei wandeln kannst und verlassen diese Höhle, in der du verborgen auf die Erlösung harren mußtest!'
15] Da trat Elias ganz wohlgemut aus der Höhle in die große Freie, und der Weg in die große Heimat stand ihm gefahrlos frei und offen. (1 kön.19,09-15)
16] So ihr schon gar so fest in der Schrift seid, so erkläret Mir dies sonderbare Bild!«


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