Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 171

Über die Wiedergeburt.

01] Sagt Jarah: »Ich verstehe es so gerade zur Not wohl; aber so völlig durch und durch noch lange nicht! Mit dem Neugeborenwerden aus dem Geiste, sooft ich's auch schon vernommen habe, will es bei mir noch nicht ins klare gehen! Wie ist denn das so ganz eigentlich zu verstehen?«
02] Sage Ich: »Das ist so ganz eigentlich jetzt weder für dich, noch für jemand andern ganz zu verstehen; denn so Ich irdische Dinge mit euch bespreche, da verstehet ihr Mich nicht völlig, - wie könntet ihr Mich wohl ganz verstehen, so Ich rein himmlische Dinge mit euch verhandeln würde?!
03] Ja, Ich sage es euch: So Ich nun anfinge, rein Himmlisches mit euch zu verkehren, so würdet ihr euch alle zu ärgern anfangen und sagen: 'Sieh, wie ist der Mensch doch unsinnig geworden! Er redet Dinge, die wider alle Vernunft und Natur sind! Wie kann man dessen Zeugnis als wahr annehmen?!'
04] Darum werdet ihr alle die Neu- oder Wiedergeburt aus dem Geiste und im Geiste erst dann völlig verstehen, wenn Ich als der Menschen- und des Menschen Sohn, gleich dem Elias, von dieser Erde unter euren Augen entrückt sein werde!
05] Darauf erst werde Ich aus den Himmeln Meinen Geist voll Wahrheit und Kraft über alle die Meinen ausschütten, wodurch dann erst die volle Wiedergeburt des Geistes und im Geiste vollkommen ermöglicht wird, und ihr auch erst dann und dadurch eures Geistes Neugeburt begreifen und erkennen werdet.
06] Bis dahin aber kann niemand im Geiste völlig neugeboren werden, wie von Adam angefangen auch niemand, selbst Moses und alle die Propheten nicht.
07] Aber durch Meinen dir und all den andern nun verkündeten Akt werden von Adam an alle Teil an der vollen Wiedergeburt des Geistes nehmen, die in der Welt geboren wurden und in ihrem Leibesleben wenigstens eines guten Willens waren, wennschon auch nicht immer tätig danach.
08] Denn es gibt ja noch viele, die den besten Willen haben, etwas recht Gutes zu tun und auszuführen, aber es fehlen ihnen total die Mittel und die äußeren Kräfte und Geschicklichkeiten, die dazu doch so notwendig wie die Augen zum Sehen sind. Nun, in solchen Fällen gilt bei Mir der gute Wille stets soviel wie die Tat selbst.
09] Sieh, wenn zum Beispiel jemand ins Wasser fiele, und du sähest dies! Nun möchtest du dem Unglücklichen wohl gerne helfen, - aber du weißt es, daß du des Schwimmens völlig unkundig bist. Springst du dem Hineingefallenen nach, so werdet ihr beide von der Flut begraben; könntest du aber sehr gut schwimmen, da würdest du sicher ohne weiteres dem Unglücklichen nachspringen und ihn retten. Weil du aber durchaus nicht schwimmen kannst, so springst du dem Unglücklichen trotz des besten Rettungswillens dennoch nicht nach, sondern suchst schnell jemanden, der den Unglücklichen noch retten könnte und möchte!
10] Sieh, sieh, Mein Töchterchen, da gilt der gute Wille soviel als das vollbrachte Werk selbst; und das gilt für tausend und abermals tausend Fälle, wo bei Mir der alleinige gute Wille fürs Werk angenommen wird.
11] Noch ein Beispiel will Ich dir geben! Sieh, du hättest den besten Willen, einem sehr Armen, der zu dir kam, zu helfen, hättest aber selbst kein Vermögen, und doch möchtest du dem Armen helfen nach allen nur denkbaren Kräften! Da du aber selbst kein Vermögen hast, so gehst du doch zu einem und dem andern Vermögenden hin und bittest nach allen Kräften um eine rechte Hilfe für deinen Armen, bekommst sie aber der Hartherzigkeit der Reichen wegen nicht und mußt den Armen ohne Unterstützung weiterziehen lassen, weinst ihm nach und empfiehlst ihn Gott dem Herrn.
12] Sieh, da ist dein Wille dann ebensoviel als die vollbrachte Tat selbst!
13] Und solcher Menschen gab es vor uns viele, gibt es jetzt und wird es in der Folge noch mehrere geben; diese werden alle der Wiedergeburt ihres Geistes in ihrer Seele teilhaftig werden!
14] Wenn du demnach nun gleich wie alle die andern noch nicht recht begreifen kannst, worin die eigentliche Wiedergeburt des Geistes besteht, so habe Ich dir davon den Grund nun so klar als möglich gezeigt; wenn aber jüngst die Zeit kommen wird, in der du in deinem Geiste wiedergeboren wirst, dann erst wirst du auch völlig einsehen, was und warum du es nun noch immer nicht einsehen kannst! - Verstehst du nun den Grund, warum du Mich noch immer nicht ganz verstehen kannst?«
15] Sagt die Jarah: »Ja, Herr, Du meine alleinige Liebe! Nun verstehe ich es wohl! Aber man muß Dich ja verstehen; denn Du beleuchtest die Sache ja doch so rein wie die Sonne vom wolkenlosesten Himmel die Erde am Mittage!«
16] Nach diesen Worten dankte sie Mir für solch eine Belehrung und versprach Mir auch, daß sie schwerlich je wieder einmal über eine dumme Handlung eines Menschen lachen werde.


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 3  |   Werke Lorbers