Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 155

Hebrams Rede über das "Neue Licht" von Ewigkeit.

01] dies sahen aber auch die anwesenden dreißig jungen Pharisäer unter ihrem Hebram und Risa und hatten eine große Freude, daß es dem Cyrenius gelang, auch die fünfzig Hartnäckigen für die gute Sache umzugestalten.
02] Hebram trat nun zum Obersten Stahar und sagte: »Sieh, wir sind unser dreißig hier, so wie ihr aus dem Tempel in die Länder gesandt, um Heiden für den Tempel zu werben; ein saures Geschäft! Die Heiden sind den Tempeljuden, wie sie jetzt sind, ja allenthalben in der Bildung um zweihundert Jahre vor; nun sollen wir die Sehenden blind machen und sie unter des Tempels verfluchtes Wasser stellen!? Das geht nicht, und auch anderes geht nicht! Das sagte zu uns unser verständiges Herz, und wir sind deshalb sämtlich Römer geworden, und unser Zeugnis wider den Tempel wird vielen Menschen ein großes Licht geben. Wir aber haben noch ein großes, heilig Zeugnis hier überkommen, das ein helleres Licht gibt denn tausend Sonnen auf einmal, und das ist ein Licht von Ewigkeit, das schon vor der Erschaffung aller Welt geleuchtet hat den Engeln, die da waren lebende Flammen aus der ewigen Flamme in Gott, die da heißt Liebe.
03] Dieses Urlicht alles Lichtes, diese ewige Liebe fanden wir hier; und ihr habt sie zum großen Teile auch gefunden und werdet sie aber noch viel mehr finden.
04] Uns aber macht es nun eine übergroße Freude, daß ihr hier auch das gefunden habt, was wir gefunden haben. Freilich wohl kostete es euch eure innegehabte äußere, gute Existenz; alle eure Habe hat das Feuer verzehrt und leckt noch daran; ihr kamet samt uns auf nichts! Aber es ist schon ein und für alle Male also der Wille Gottes: Wir Menschen, wenn wir uns Gott wahrhaft nahen wollen und den ernstlichen Wunsch und Willen in unserem Herzen tragen, ganz in allem und jedem von Gott aus versorgt zu sein, so müssen wir zuvor aus großer Liebe und aus dem kräftigsten Vertrauen zu dem allmächtigen Vater aller Welt vollkommen den Rücken zuwenden und alles, was uns auf der Welt als Weltliches lieb und teuer war, bis aufs letzte Atom verlieren; dann erst ist Gott der Herr und Vater bereit, uns von der Welt Verlassene und Geächtete zu Seinen Kindern anzunehmen und für uns zu sorgen, wo wir dann erst wahrhaft für die ganze Ewigkeit versorgt sind.
05] Sind wir aber einmal von Gott aus versorgt, so sehen wir dann aber auch erst so recht ein, wie sehr schlecht wir von der Welt versorgt waren!
06] Was nützen dem Menschen alle Schätze der Erde, die er nicht mitnehmen kann, wenn er von dieser Erde für ewig scheiden muß?! Wird er sie mitnehmen können? Gottes Schätze aber, die Er geistig geschaffen hat für Seele und Geist, diese nehmen wir auch mit hinüber ins große Jenseits, und sie werden uns alles in allem sein: Speise, Trank, Wohnung und Kleid und das vollkommene ewige Leben voll Klarheit, voll Licht und voll der höchsten Wonne!
07] Es sei euch darum ja nicht leid um alles das, was ihr von gestern bis zu dieser Stunde verloren habt; denn der Herr hat für euch schon gesorgt, bevor ihr Ihn noch also erkanntet wie jetzt. Eure Liebe zu Ihm opfere Ihm das gerne; denn Er wird es euch im Geiste ersetzen tausendfach, was ihr in der Materie verloren habt!«
08] Sagt Stahar: »Ich danke dir im Namen aller dieser meiner treuen Kollegen und Brüder für diesen gut so trefflichen Trost, und sieh dort auf dem Tische den großen und gediegenen Klumpen Silbers, den uns der Engel aus der Luft gezaubert hat! Damit wären wir ja für unseren Schaden schon einigermaßen entschädigt; aber ich und wir alle legen nun schon sehr wenig Wertes auf diese Entschädigung. Denn das, was wir waren, werden wir nimmer, da der weise Oberstatthalter mit uns allen eine ganz andere Disposition treffen wird, wie ich es so bei mir vermute. So viel wird für uns doch sicher gesorgt werden, daß wir nicht verhungern werden und den Leib zur Not bekleiden können; für alles andere geben wir nun nichts mehr! Auch diesen zweihundert Pfunde schweren Silberklumpen werden wir hier dem Wirte Markus hinterlassen, teils als schuldige Zahlung für die Speise und für den Trank, die er uns hat zukommen lassen und uns noch fürder zukommen lassen wird.
09] Nur eines möchten wir hier in die Erfahrung bringen, und dieses ist: ob sich der schon in der Welt seiende, lange verheißene Messias wohl irgend hier in der Nähe des Ortes aufhält! Diesen zu sehen und vielleicht gut von Ihm ein Wort zu vernehmen, wäre für uns nun ein Gewinn alles Gewinnes!
10] Unter uns gesagt: Wir haben eine kleine Mutmaßung auf jemand, von dem wir schon gut manches Unglaubliche vernommen haben, das uns aber nun nicht mehr unglaublich erscheint, nachdem wir des Engels Taten gesehen haben!
11] Nun, dieser Mensch, eigentlich Gott Selbst im Menschenkleide, scheint uns jener Nazaräer namens Jesus zu sein, von dem sich auf einmal so höchst wunderbare Gerüchte im Volke von Ort zu Ort verbreitet haben, daß wir darob schon lange vor dem Volke in große Verlegenheiten gerieten, wenn wir von diesem um eine Beleuchtung dessen, was es mit eigenen Augen gesehen habe und mit eigenen Ohren gehört haben wollte, angegangen worden sind.
12] Der Oberstatthalter hat mir selbst darüber eine sehr verfängliche Frage gestellt, bei deren Beantwortung es mir sehr heiß geworden ist! Und so vermute ich nun nichts anderes, als daß jener wunderbare Jesus aus Nazareth unfehlbar der von dem Engel uns nun als in der Welt seiend bestätigte Messias ist; und dieser Messias ist vielleicht gar hier einer unter den vielen Anwesenden, der Sich aber uns aus sicher höchst weisen Gründen nicht eher zu erkennen gehen will, als bis wir Seiner doch einigermaßen würdiger wären, als das bis jetzt der leidige Fall war!
13] Ich bin darum der Meinung und sage es nun ganz offen vor euch allen heraus: Wenn diese Sache sich also verhält, so kehren wir dem Tempel und seinem nichtigsten Heiligtume für immer den Rücken und schließen uns an den Messias der Juden an mit jeder Fiber unseres Lebens! - Welcher Meinung seid ihr da?«
14] Sagen die andern: »Sicher, wir haben da nun nichts einzuwenden! Was du als unser Oberster tust, das tun auch wir; denn das Wesen des Tempels kennen wir und wissen, daß in seinen Mauern kein Heil mehr ruht weil keine Wahrheit, keine Liebe und keine Treue, sondern nur Herrschsucht, Hochmut, Zorn, Rache, Lüge aller Art, Fraß und Völlerei und allerlei Unzucht und Hurerei und Ehebruch in ihm zu finden sind! Das sind nun die Elemente des Tempelwesens! Welches Heil läßt sich von solch einer Anstalt erwarten? Fluch und Verderben, ja, soviel wir dessen nur zu haben wünschen; aber vom Heile kann da ewig keine Rede mehr sein!
15] Wir haben uns diese Sache während deiner Rede nun sehr reiflich überlegt und kehren samt dir dem Tempel für ewig den Rücken, und das mit allem Fug und Recht; denn wir haben nicht leichtgläubig etwas Neues angenommen. Wir haben alles zuvor einer intensiven Prüfung unterzogen; sogar die größten Wunder konnten uns nicht wie der Wind ein Blatt in der Luft umwenden.
16] Nun wir uns aber von der vollen Wahrheit völligst überzeugt haben, so können wir auch nicht mehr umhin, die Wahrheit, die aus den Himmeln kam, als das anzusehen, was sie ist, - und das nun um so mehr, da Zeit, Umstände und die Oberherrlichkeit Roms uns dabei günstiger sind, als wir je so etwas hätten erwarten können!
17] Wir sind nun nur auf den Messias, höchst sicher aus Nazareth, im hohen Grade gespannt! Ob es nicht der ist unter der großen Gesellschaft, der einen rosenfarbenen Leibrock und über demselben einen griechischen Merinomantel von hellichtblauer Farbe trägt und wohl die schönsten Haare hat, die wir je bei einem Manne gesehen haben?!«
18] Sagt Stahar: »Ja, da könntet ihr eben nicht ganz unrecht haben; denn auf den habe ich es schon lange scharf gehabt! Auch sah ich, wie sowohl der Engel als auch der Cyrenius sich bei ihrem Reden und Handeln stets nach ihm umsahen und ihn gleichsam fragten, ob das alles wohl recht sei, was sie reden und handeln!
19] Auch alle anderen bezeigen ihm eine gewisse verborgene Hochachtung, die aber meinem Auge dennoch nicht entging! Wenn das nicht etwa so ein kaiserlicher Prinz aus Rom ist, so möchte ich wohl nun schon darauf schwören, daß dieser Mensch der Messias ist, und kein anderer!«
20] Sagen die anderen: »Ah, da schaut mit so schönen, blonden Haaren ewig kein Römer heraus! Aber was könnte uns denn geschehen, so wir zu ihm hingingen und ihn fragten um eines und anderes?!«
21] Sagt Stahar: »Wir wollen uns da doch noch eher (vorher) an den Engel wenden, oder an den Oberstatthalter; wir sind nun römische Bürger und haben ein volles Recht dazu.«


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