Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 133

Vom rechten Gottsuchen.

01] Mathael, Ouran, Ebahl und Mathaels vier Gefährten sehen sich alle schnellst um und sehen Mich mit dem alten Markus auf den Hügel heraufkommen und eilen sMir entgegen.
02] Als sie bei Mir anlangen, grüßen sie Mich zwar alle auf das liebfreundlichste und danken Mir für die Wiederkunft; aber da sie die Jarah und Helena nicht bei Mir ersehen, so wird es ihnen bange, und Ebahl, um seine Jarah äußerst besorgt, fragt Mich etwas ängstlich, ob die beiden nicht im Walde zu Mir gekommen seien, da sie Mir nach dem Worte Raphaels am Morgen entgegengeeilt wären. Und da sie nun nicht bei Mir wären, so dürften sie Mich im Walde noch suchen; Ich möchte sonach doch den Raphael ihnen nachsenden, daß er sie wieder unbeschädigt zur Gesellschaft brächte!«
03] Sage Ich: »Warum sorget ihr euch denn um diese, die Mich suchen? Meinet ihr denn, daß Ich jemand nur dann vor Gefahren beschützen kann, so Ich leiblich in seiner Nähe bin? Als du, Ouran, in großer Gefahr warst, wer sagte es Mir denn, daß Ich dich ansah und rettete? Weiß Ich etwa nicht, wo die beiden nun sind und Mich suchen? Lasset sie nur, sie werden schon wiederkommen!
04] Die beiden haben Mich auch gefunden in ihren Herzen, was da ein leichtes ist für jedermann. Wer aber Mich äußerlich suchen geht, obgleich er weiß, daß Ich nur innerlich zu suchen bin, der muß auch diese Lektion bekommen, hier freilich beispielsweise nur die, daß ihn ein bloß äußeres Suchen und Mir-Entgegengehen nicht in den Stand setzt, Mir näher zu kommen, sondern Mich nur mehr und mehr zu verlieren! Das könnt ihr als am Morgen des Sabbats euch recht wohl zu Gemüte nehmen! - Im übrigen sind die beiden Mir doch auf die Spur gekommen und werden nun bald da sein.«
05] Sagt Ebahl: »Nun, wenn nur das, dann ist ja schon alles wieder in der Ordnung! Sie wären sonst wohl sicher bei uns geblieben, wenn Raphael sie nicht durch seine Worte so schnell zum Entschlusse gebracht hätte! Der gute Junge sieht alles in der Nähe, wenn etwas noch so entfernt ist, und man kann ihm ganz leicht aufsitzen! Abraten wird er nie jemand leichtlich von etwas, und wenn's am Ende sogar etwas Schlechtes wäre; denn da will er dann jemand durch gemachte bittere Erfahrungen auf den rechten Weg bringen. Und so hat er ehedem den beiden nicht etwa von ihrem Dir-Entgegengehen abgeraten, sondern sie dazu sicher nur mehr angeeifert, und darum sitzen sie nun irgendwo ermüdet und wissen aus sich nicht, wie sie daran sind! Geschieht aber meiner Jarah schon ganz recht; denn sie kennt Raphaels Art und Weise und weiß, was sie zu tun hat! Sie ist ihm wieder einmal aufgesessen, und das ist ganz gesund; aber freuen kann er sich, wenn sie wiederkommt, da wird er wieder eine ganz auserlesene Vorlesung bekommen und wird sich wieder wundern über Jarahs Zungenfertigkeit!«
06] Hier kommt gerade Raphael herbei, der unterdessen die Schlafenden aufgeweckt hatte, und Ebahl sagt zu ihm: »Du bist nun schon wieder Ursache von einem etwas verunglückten Unternehmen der Jarah und mit ihr auch der Helena! Muß dir aufrichtig gestehen, daß mir die Art und Weise, wie du mit den dir anvertrauten Menschen umgehst und sie leitest, durchaus nicht gefällt! So ein Jünger von dir etwas tun will, was nicht ganz in der Ordnung ist, so mußt du ihn ja davon ablenken durch Rat und Tat, nicht aber, ihm gewisserart noch anratend, ihn die Sünde begehen lassen und ihn endlich erst durch die böse Folge auf dem Wege der Selbsterfahrung vor einer künftigen Sünde bewahren! Das mag wohl für Geister deiner Art recht gut und zweckmäßig sein; aber für Menschen taugt so etwas nimmer nach meiner eben auch nicht letzten Erkenntnis!«
07] Sagt Raphael: »Bist zwar ein durchaus ehrlicher und rechtlicher Jude; aber was die geheimen Wege des Herrn betrifft, da bist du dumm wie ein Fisch! Meinst du denn, daß ich das, was ich tue, aus mir selbst tue?! Ich bin ja ein Finger des Herrn und tue, wie des Herrn Geist mich nötigt! Hättest du irgend mehr Einsicht, so würdest du das wohl einsehen; aber ich weiß, wie weit sich deine Einsicht in geistigen Dingen erstreckt, und sehe dir darum solche Schwäche nach. Daß sich aber die beiden nicht verirrt haben, kannst du daraus ersehen, daß sie nun ganz gesund und wohlbehalten über den Berg von Markus Hütte her zu uns kommen, begleitet von einer Tochter des Markus, die uns die Nachricht bringt, daß das Morgenmahl für uns fertig ist!«
08] Sagt Ebahl: »Ja, aber wie sind denn die beiden da hinabgekommen, ohne von uns gesehen worden zu sein!?«
09] Sagt Raphael: »Sagte nicht der Herr zuvor, daß sie Ihm auf die Fährte gekommen sind?«
10] Sagt Ebahl: »Nun, nun, ich bin schon wieder still; weil sie nur wieder da sind, so ist nun bei mir wenigstens schon alles wieder gut!«


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