Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 134

Grund der Zerstörung von Cäsarea Philippi.

01] Nach diesem Gespräche verkündet Markus, daß das Morgenmahl in Bereitschaft steht und alle Tische bereits mit Speise und Trank besetzt sind. Darauf begeben wir uns hinab vom Berge und an die Tische, die sich am Morgen alle wieder in der alten Ordnung befinden, und keiner fehlt.
02] Hier sagt Ouran zur Helena: »Als du unten warst, sahst du wohl, ob unsere Zelte noch stehen und in der Ordnung sind? Und haben unsere Diener wohl auch zu essen und zu trinken, - und sind unsere Lasttiere alle versorgt?«
03] Sagt Mathael zum Ouran: »Freund und Tochtervater, in Gegenwart des Herrn ist jede Sorge eitel! Denke nun an nichts als an den Herrn; denn Er denkt für uns und für die ganze Unendlichkeit!«
04] Als wir nach dieser Bemerkung Mathaels an den Ouran uns hinab vom Berge zu den Tischen begaben, fragte Mich unterm Wege Cyrenius: »Herr, soll ich etwa eine Abteilung meiner Krieger zum Löschen nach der Stadt beordern? Denn wenn wir der Stadt keine Hilfe bringen, so ist sie bis auf den heutigen Abend hin ein glühender Schutthaufen!«
05] Sage Ich: »Lieber Freund, so Ich das wollte, hätte Ich schon lange Meinen Raphael dahin gewiesen, und das Feuer der Stadt wäre in einem Momente gelöscht; aber Ich will, daß diese für Gott und Kaiser schlechte Stadt gedemütigt werde, und Ich lasse darum alles vom Feuer zerstören bis auf die Häuser der Armen und Nüchternen. Alles andere aber soll zu Asche werden! In der Folge sollen hier bessere Menschen sich ansiedeln, und unseres alten Markus Nachkommen sollen über diese Stadt und Gegend mit des Kaisers Bewilligung ein gerechtes Zepter führen, und sie soll ihnen als Erbe verbleiben von Kind zu Kind und von Enkel zu Enkel; wenn sie aber Gottes vergessen werden, dann wird es ihnen geschehen, wie es nun den Bewohnern dieser Stadt geschieht.
06] Wäre der Brand an einem Werktage über diese Hurereistadt gekommen, so wäre er schon lange gelöscht; aber am Sabbate, und besonders an einem Neumondssabbate rührt dir kein Erzjude auch nur mit der Spitze des kleinen Fingers irgend etwas an, in der Furcht, vor Gott verunreinigt zu werden.
07] Da ist der Erzjuden Gewissen sehr zartfühlend; aber die Unterlassung der guten Werke beunruhigt ihr Gewissen nicht im geringsten, also auch nicht der materielle und geistige Ehebruch und allerlei Betrug.
08] Sie sind sogar der Meinung, daß eine Sünde wider das Gebot Gottes an einem Werktage fast gar keine Sünde sei, und man könne sich bis zum Abende hin lang wieder rein machen; aber am Sabbate müßte man bis zum Abende unrein verbleiben, in welcher Zeit der Fürst der Nacht zu herrschen beginne. Und da wäre es dann gar leicht möglich, daß da ein Abgesandter des Satans käme, jemand unrein träfe und sogestaltig Besitz nähme von der unreinen Seele!
09] Die Sünde schade dem Menschen nur in der Nacht, und das etwa nur bis nach Mitternacht, weil in der Zeit dem Satan gewährt sei, auf den Fang auszugehen. Bei Tage habe er keine Macht, und man könne da sündigen, wie man wolle, so mache das nichts; nur solle man wohl darauf bedacht sein, sich vor dem Untergange der Sonne zu reinigen nach der von Moses vorgeschriebenen Weise, und man habe sich dann wegen der am Tage begangenen Sünden in der Nacht nicht im geringsten zu fürchten.
10] Wegen Gott ist diesen Blinden nichts, und wenn sie gegen Seine Gebote am Tage noch so viele Sünden begangen hätten! Nur daß sie dem Satan nicht verfallen, daran liegt ihnen alles; und weil solches an einem Sabbate, an dem sie keinen Bock, kein Lamm und kein Kalb schlachten, ja, sich nicht einmal sieben Male waschen dürfen, am leichtesten geschehen kann, so hüten sie sich, was möglich, den Sabbat hindurch sich rein zu erhalten, damit der Teufel keine Gewalt über sie bekommen kann, wenn die Sonne untergegangen ist!
11] Darin hast du nun den Grund, warum diese Finsterlinge in allen Dingen lieber ihre guten Häuser an einem Sabbate zu Asche werden lassen, als daß sie Hand anlegten und löschten. Darum wird dereinst ein römischer Feldherr, dem solche grobe und unwegbringbare Narrheit dieses Volkes nicht unbekannt sein wird, ein leichtes Spiel haben, dies Geschlecht, wenn es aufständisch wird, besonders an einem Wintersabbate mit einem Schlage aus allen Fugen zu treiben und seine große Stadt in einen Schutthaufen zu verwandeln.
12] Aber jetzt nehmen wir das Morgenmahl ein, sonst kommen uns eine Menge eben nicht sehr erfreuliche Besuche über den Hals, mit denen wir zu tun haben werden, um ihrer auf irgendeine gute Art loszuwerden!«
13] Darauf begab sich alles an die Tische, und das gute Morgenmahl ward diesmal mit großer Eßlust verzehrt, und da war niemand, der dem alten Markus nicht ein vollstes Lob erteilt hätte. Auch Ouran und Helena bemerkten, daß sie noch nie so wohlzubereitete Fische genossen hätten und ein so geschmackvolles Brot. Markus aber wies alles Lob auf Mich und sagte: »Das ist das Salz und die beste Würze von allen Speisen, von allen Getränken und von allen Dingen; Ihm allein bringet euer gerechtes Lob dar!«
14] Es war aber nicht einer unter den vielen Gästen, der da nicht begriffen hätte, was Markus gesagt hatte, und alle priesen Mich still in ihrem Herzen. Mathael aber sagte laut: »Ja, ja, alter Markus, wo der Herr alles Lebens Küchenmeister und alles in allem ist, läßt sich unvergleichbar gut leben: denn da muß Geist, Seele und Leib die beste Kost bekommen! Du hast ganz wohl getan, daß du das dir gespendete Lob an den Herrn zurückgewiesen hast; aber eben darum wird auch dein Name nicht sterben in dem Herzen derjenigen Menschen, die dich als einen Freund des Herrn haben kennengelernt!«
15] Markus dankt Mir darum, daß Ich seinem Hause eine so überschwenglich große Ehre angetan habe; dann dankt er aber auch dem Mathael für dessen gutes Wort und erklärt sich für alles das als völlig unwürdig.


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