Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 81

Jesus kündet eine Sonnenfinsternis an.

01] Ich aber sagte nun: »Freunde, unser leibliches und geistiges Mittagsmahl hat diesmal gut bei vier Stunden angedauert, und es ist darum Zeit, daß wir uns vom Tische erheben! Wir wollen hinaus aufs Meer schauen, ob sich da nicht irgend etwas zuträgt, das da unserer allseitigen Aufmerksamkeit wert ist!
02] Zugleich mache Ich euch alle darauf aufmerksam, daß wir von jetzt an in einer halben Stunde eine gänzliche Verfinsterung der Sonne erleben werden. Allein, niemand aus euch mache sich da etwas daraus; denn es geht solch eine Verfinsterung ganz natürlich vor sich!
03] Der Mond, vom Abende (Westen) her schwebend in einer Höhe über der Erde 98 000 Stunden Weges, wird als ein massiver, undurchsichtiger Körper geradlinig über die Sonne ziehen und dadurch verhindern, daß das Sonnenlicht auf einen Teil dieser Erde einfalle; die gänzliche Verfinsterung wird nur einige Augenblicke währen; darauf wird sich über dem Rande des Mondes gleich wieder die Sonne zeigen, und es wird dann lichter und lichter auf der Erde werden. Während der vollen Verfinsterung aber werdet ihr die schönen Sternbilder des Winters zu sehen bekommen, die man sonst im Sommer nie sehen kann.
04] Ich sage euch das, um euch bei solchen Erscheinungen alle törichte Furcht zu benehmen, und um euch die volle Natürlichkeit solcher Erscheinungen zu zeigen; darum keine Furcht sonach, wenn die Erscheinung eintreten wird!
05] Aber zu gleicher Zeit werden wir drei Handelsschiffe auf der Höhe des Meeres entdecken; diese müssen vor dem Eintritt der Erscheinung ans Land gebracht werden, weil der böse Aberglaube sonst die Schiffsknechte nötigen würde, eine gar selten schöne und tugendsame Tochter eines biederen Griechen samt ihrem sie begleitenden Vater ins Meer zu werfen.
06] Denn beide reisen nach Jerusalem, um den Tempel zu sehen und sich mit der Lehre der Juden an der Quelle vertraut zu machen, und führen zu dem Behufe auf den drei Schiffen eine Menge großer Schätze mit, die nachher als eine gute Prise (Beute) in die räuberischen Hände der argen griechischen Schiffsknechte fallen würden.
07] Es ist darum keine Zeit zu verlieren; denn die Weltkörper gehen nach ihrem Gesetze den gezeichneten Weg unaufhaltbar fort. Würde man sie in ihrem Gange hemmen, so würde dadurch der Erde ein größter Schaden zugefügt werden, den ein Jahrtausend nicht verwischen würde; werden aber die drei Schiffe etwas wunderlich schnell ans Ufer gebracht, so erleidet dadurch niemand irgendeinen Schaden, sondern es kann für viele Arme dieser Gegend ein recht großer natürlicher und geistiger Gewinn herausschauen. Darum nun schnell ans Werk!«
08] Alles eilt nun ans Ufer und stellt sich am selben in einer weitlaufenden Linie auf. Aber Ich habe dabei auch Meine Not; denn Cyrenius mit seinem Gefolge, Meine zwölf Jünger und einige, die uns schon lange begleiteten - bei sechzig an der Zahl -, die dreißig jungen Pharisäer und Leviten unter ihren Rednern Hebram und Risa, die fünf unter dem weisen Mathael und die zwölf unter ihren Suetal, Ribar und Bael drängen sich alle an Mich und möchten alle, so gut es nur gehen kann, ganz in Meiner Nähe sein, während Ebahl mit der Jarah und Raphael mit dem Josoe ohnehin ganz fest bei Mir sind und die Jarah sogar Meinen Rock gar nicht mehr ausläßt. Der alte Markus mit seinem Weibe und Kindern möchte nun auch in Meiner nächsten Nähe sein, und so ist die kleine Platznot erklärlich, in der Ich Mich befinde. Aber der Raphael bringt bald alles in die beste Ordnung, da er in einem Augenblick alle die Ufergäste auf bequeme Plätze verteilt, Ich aber mit dem Cyrenius und dem alten Markus ein Schiff besteige und im Angesichte der vielen Gäste knapp am Ufer auf- und abfahre, womit die Gäste und auch Meine Jünger ganz einverstanden sind.
09] Aber nun naht der Mond sich schon stark der Sonne, und Ich berufe den Raphael, sagend: »Du weißt, was nun not tut, daher kein Säumen mehr!«
10] Und der Raphael sagt, eigentlich der Gäste wegen: »Herr, auf Eins oder mit einiger Weile?«
11] Sage Ich: »Nach zwölf Augenblicken auf Eins!« jl.ev03.081.l2] Die drei Schiffe aber standen so weit, daß man sie kaum bemerken konnte; in der Linie mochten es wohl bei vier Stunden Weges sein.


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