Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 150

Jesus beauftragt Essäer, eine Wahrheitsschule zu gründen und auf Mysteriöses zu verzichten.

01] (Der Herr:) »Errichtet danach eine Schule und lehret die Jünger die Feier des Sabbats halten, und haltet sie selbst an jedem Tage ein paar Stunden hindurch, und ihr werdet alsbald die große Segnung dafür in euch wahrzunehmen beginnen!
02] So ihr aber eine Schule errichtet und erbauet dafür ein großes Haus, so sollen dessen Mauern frei sein von jeglicher Sperre und von jeglichem Schlosse! Werdet wahre Freimaurer eurer Schulhäuser, und der Propheten Schulen wird euer neues Werk sein; aber es sei eure Hauptsorge dahin gerichtet, daß ihr alle Meine Lehre, die schon gegeben ward und noch gegeben wird, treu bewahret und nicht, gleich den Pharisäern und Ältesten, darunter menget eure Satzungen! Eure gegenwärtigen Satzungen müssen vom Grunde ausgereutet werden, und Mein Wort muß vollauf an deren Stelle kommen, und das in der freien Tat, ansonst Mein Geist nicht wirken könnte nach der Verheißung, die den Menschen gegeben ward durch den Mund der Propheten!«
03] Die Essäer danken nun für diese Belehrung und versprechen es Mir mit allem Ernste, daß sie das alles buchstäblich beachten werden; nur möchte Ich ihnen dafür stets den gerechten Schutz und die hinreichende Kraft verleihen, alles dieses rein Göttliche nicht nur für sich, sondern für viele andere Menschen, die es danach dürsten wird, ins ersprießliche, für alle Zeiten heilsame Werk zu setzen!
04] Sage Ich: »An Mir wird es nie fehlen; aber sehet nur ihr darauf, daß unter euch in der Folge keine Rangstreitigkeiten entstehen! Der Erfahrenste von euch sei wohl der Leiter und Führer eurer Sache; aber er bilde sich darum nie ein, mehr zu sein, als da ist einer der Geringsten unter euch! Aber damit sei gar nicht gesagt und gemeint, daß die Schwächeren ihm darum die gebührende Achtung versagen sollen. Er werde geliebt und geachtet, und sein Rat werde von allen befolgt also, als wäre er ein Gesetz; wehe dem, der sich vergriffe an ihm! Wahrlich, der soll von Mir mit zornigen Augen angesehen werden!
05] So ihr aber erwählet einen Vorsteher und Leiter eurer Sache, so betet und prüfet, daß nicht einem Unwürdigen das Amt verliehen werde; denn ein schlechter, unkluger Leiter ist einer Gesellschaft das, was ein schlechter Hirte ist seiner Herde. So er sieht den Wolf kommen, da ergreift er zuerst die Flucht, und die Schafe überläßt er dem Wolfe, oder er wird am Ende selbst zu einem Wolfe und also zum Würger seiner Lämmer geistig, wie es nun die Pharisäer und ihre Hohenpriester sind. Sie gehen in Schafskleidern einher, aber inwendig sind sie reißende Wölfe! Sie geben kaum den Mücken eine Nahrung; aber was sie für eine Mücke gaben, dafür verlangen sie ein ganzes Kamel!
06] Darum werdet nicht denen gleich! Sie wohnen in Gemächern von Steinen gemauert, die stets also wohl verwahrt und versperrt sind, daß ja niemand zu ihnen kommen kann und auch nicht kommen darf, auf daß ja niemand käme hinter ihre Betrügereien; und würde auch ein Mutiger es wagen, in ein solches Templergemach einzudringen, so würde er als ein Schänder des Heiligtums erklärt und gleich darauf gesteinigt!
07] Darum sagte Ich zu euch, daß ihr eure Schulhäuser frei und offen erbauen sollet, auf daß jedermann aus- und eingehen kann, so er will! Jedes Geheimnis schwinde aus eurer Schule! Wer da will, den weihet ein, insoweit er es fassen kann; denn Ich verkaufe euch in Meiner Lehre keine Katze im Sacke, - Ich sage euch alles offen und klar und tue mit nichts geheim, außer, wo es die Klugheit fordert zum Wohle jedes Menschen. Darum seid auch ihr offen gegen jedermann, bei dem ihr einen guten Willen sehen werdet! Aber dennoch seid dabei auch klug; denn so weit braucht die Offenheit nicht zu gehen, daß man den Schweinen zum Fraße vorwürfe die edlen und kostbaren Perlen!
08] Ich Selbst hätte euch allen noch gar vieles zu sagen; allein ihr würdet es jetzt noch nicht fassen und ertragen. Aber wenn der Geist der vollen Wahrheit in euch wach werden wird, so wird er euch selbst in alle Weisheit leiten; und dieser Geist ist das göttliche Ebenmaß in euren Herzen, und ihr selbst werdet ihn in euch erwecken durch die rechte Sabbatfeier. - Saget, ob ihr das alles nun begriffen habt?!«
09] Sagen die Essäer, ganz zerknirschten Herzens: »Ja, Herr! Wer sollte Deine heiligen Worte nicht verstehen? Das sind ja nicht Worte gleich denen eines Menschen! Deine Worte sind ja alle wesenhaft, sie sind durchaus Licht, Wärme und Leben! So Du, o Herr, sprichst, so fühlen wir in uns ein wesenhaftes Werden, so, daß es uns vorkommt: mit jedem Worte aus Deinem Munde entsteht irgendeine unermeßlich große, neue Schöpfung, - und wir fühlen in uns ein unendliches neues Werden!
10] Wir verstehen aber dennoch den für uns nötigen Sinn Deiner heiligsten Worte, obschon zu deren endlicher Wirkung wir ewig nie gelangen werden; denn wir fühlen es und empfinden es lebendig in uns, daß Deine hier ausgesprochenen Worte nicht nur uns, sondern der ganzen ewigen Unendlichkeit gelten! - O so jauchze denn, du Erde, die du aus den zahllosen Welten erkoren warst, daß der Herr der Ewigkeit mit Seinen Füßen deinen Boden betritt und Seine heiligste Stimme in deiner Luft ertönt! - O Herr, wie viele Wesen werden doch aus jedem Deiner Worte und aus jedem Hauche Deines Mundes!? Oh, laß Dich von uns loben, lieben, preisen und anbeten; denn Dir allein gebührt alles das!«


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