Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 133

Jesus Christus, die Brücke zwischen Gott und Mensch.

01] Sagt die Jarah: »O Herr, Du meine Liebe, Du mein Leben! Durch Deine Gnade in mir habe ich dieses alles wohl verstanden; aber traurig ist es, daß die Menschen das nicht einsehen und begreifen können oder wollen! Oh, da wird es dereinst leider viele tote Seelen geben! O Herr, mache Du, daß doch die Menschen solch heilige Wahrheit vernehmen möchten und sich dann danach kehren; denn mir wird es sonst bald sehr langweilig werden, unter so vielen Toten zu leben in dieser Welt!«
02] Sage Ich: »Sei getrost; denn darum bin Ich ja Selbst in diese Welt gekommen! Bisher hat es an wohlgebahnten Wegen gemangelt, und die Himmel waren getrennt von der Erde; nun aber wird ein gerechter und fester Weg gebahnt werden, und die Himmel werden mit der Erde verbunden werden, daß es darum für jeden ein leichtes werden soll, auf dem gebahnten Wege zu wandeln und auf diesem die nahen Himmel zu erreichen. Doch soll kein Mensch in der Freiheit seines Willens nur im geringsten beirrt werden!
03] Von nun an wird jeder, der es nur fest wollen wird, die Himmel erreichen können, was bis jetzt nicht möglich war, da zwischen der Erde und den Himmeln eine zu große Kluft gelegt war.
04] Aber wehe auch nun allen, die davon gute Kunde erhalten und sich aber dennoch nicht daran kehren werden! Diese werden von nun an schlimmer daran sein denn die Alten, die oft wollten, aber nicht konnten! - Verstehst du das?«
05] Sagt die Jarah: »Herr, ich habe alles verstanden! Die Möglichkeit ist gut, aber der freie Wille der Menschen! Die Welt sehen und schmecken sie, aber die Himmel sehen und schmecken sie dennoch nicht; und da wird es sein, daß viele den gebahnten Weg nicht werden gehen wollen, und es wird dann schlimmer sein mit ihnen denn bisher! Ich sage es Dir, o Herr, der gebahnte Weg zum Himmel wird von wenigen betreten werden; denn das Schwerste für den Menschen ist die Selbstverleugnung!«
06] Sage Ich: »Sorge dich nicht, die Anstalten zur Besserung werden von großer Ausdehnung von hier bis nach jenseits ausgebreitet werden! - Unsere Gesellschaft aber ist während unseres Gesprächs samt unserem Hauptmann eingeschlafen; was werden wir nun tun?«
07] »Herr«, sagt die Jarah, »das wirst Du schon am allerbesten wissen!«
08] Sage Ich: »Jawohl, du hast recht! Ich ließ sie darum auch einschlafen, und sie sollen das im Traume schauen, was du in der Wirklichkeit sehen wirst. Sieh, bald wirst du die Himmel offen sehen, und alle Engel werden uns dienen! Morgen soll dieser Berg gen Osten hin eine leicht besteigbare Abdachung bekommen, und wir alle werden auf einem neuen natürlichen Wege von hier hinab nach Genezareth ziehen können. Darum gib nun wohl acht auf die Szene, die sich vor deinen Augen entfalten wird!«
09] Nach diesen Meinen Worten erhob die Jarah ihre Augen nach aufwärts und sah eine Weile in den hell gestirnten Himmel hinein. Als sich nach längerem Schauen noch nichts zeigen wollte, so sagte sie zu Mir mit einer eigens lieblichen Stimme: »Herr, Du mein Leben, Du meine Liebe, es will sich noch immer nichts sehen lassen! Wie wird es denn aussehen, auf daß ich bei irgendeiner hie oder da vorkommenden Erscheinung wissen könne, ob sie zu der von Dir vorhergesagten gehört oder nicht?«
10] Sage Ich: »Meine liebste Jarah, du mußt viel mehr mit deinem Herzen hinaufblicken als mit den Augen deines Kopfes, so werden sich dir bald Wunderdinge zu zeigen anfangen im herrlichsten Lichte! Versuche es nur einmal, und du wirst dich gleich überzeugen, daß Ich allzeit recht habe und die vollste Wahrheit rede!«
11] Auf diese Meine belehrenden Worte erhebt nun die Jarah mehr ihr Gemüt denn ihre Augen aufwärts, und sieh, sogleich öffnen sich alle Himmel, und zahllose Scharen der Engel Gottes schweben im herrlichsten Glanze zur Erde hernieder und singen: »Tauet ihr Himmel alle Gnade den Gerechten auf dieser Erde! Denn heilig ist Der, der sie betrat zum Heile derer, die gefallen sind, bevor noch eine Sonne glühte im Gnadenlichte Gottes in der tiefen Unendlichkeit!
12] Menschenkinder, die Satan gezeugt hat, nimmt Er auf und macht sie zu Kindern Seiner Liebe!
13] Darum alle Ehre, allen Ruhm und allen Preis Ihm allein; denn alles, was Er tut, ist wohlgetan, und Seine Ordnung ist Liebe, mit der höchsten Weisheit gepaart. Darum ist Er allein heilig, überheilig, und vor Seinem Namen müssen sich beugen alle Knie im Himmel, auf Erden und unter der Erde. Amen.«


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