Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 104

Jesus segnet die Familie des Ebahl und tadelt die Essäer.

01] Hierauf segnete Ich die Kinder und die beiden Weiber wie ein Weib, da beide eines Sinnes und eines Herzens waren und sich nie mit Zank und Hader begegnet sind. Nach der Segnung entließ Ich wieder die zwei Weiber und die sechzehn Kinder und sagte zu Ebahl: »Du kannst eine rechte Freude an deinen Kindern haben; denn darunter ist nicht eines verdorben, weder geistig noch naturmäßig. Alle strotzen vor Gesundheit und haben noch ganz kristallreine Herzen, voll Frömmigkeit und Gehorsam, und deine beiden Weiber sehen noch ganz jugendlich gut aus! Auf dein Haus scheint die krankhafte Luft dieser Gegend keinen Einfluß zu haben!«
02] Sagt Ebahl: »Ja, für die hier Eingeborenen ist die Luft und das Wasser ganz unschädlich, - aber nicht also für die Fremden; denn da darf sich jemand oft nur ein paar Tage lang aufhalten, und er wird so schwer krank, daß er nicht selten ein ganzes Jahr das Krankenbett nicht verlassen kann! Hat er einmal die Krankheit überstanden, so kann er darauf hier verweilen, solange er will, - und er bleibt gesund.
03] Aber es ist das dennoch ein Jammer für dieses Land! Denn wir bekommen nur schwer Arbeiter, und die fremden Reisenden, wenn sie nicht absonderliche Geschäfte haben, meiden diese Gegend wie ein Aas, und die, welche in dringlichen Geschäften kommen, bleiben sicher über die Hälfte krank bei uns. So liegen auch gut zwei Drittel der römischen Soldaten krank, und kein Arzt kann ihrem Übel ein Meister werden! Nach einem, oft auch erst zwei Jahren werden sie von selbst wieder gesund und bleiben gesund.
04] Das Merkwürdigste aber ist, daß da nie zwei eine und dieselbe Krankheit bekommen! Der eine bekommt ein Fieber, der zweite einen Aussatz, ein dritter einen Durchfall, ein vierter einen stechenden Husten, und so ein jeder etwas anderes, und kein Arzt weiß dann, was er mit den Kranken beginnen soll. Und so gibt es in unserem kleinen Lande eine große Menge mit allerlei Krankheiten behafteter Menschen; und es ist da keinem zu helfen. Die Sterblichkeit ist zwar bei allem dem gering, aber desto größer die Zahl der gleichfort Leidenden.
05] Vielleicht wäre dir auch das möglich, daß du alle die Kranken heiltest und dann mir fürs ganze Land ein Heilmittel angäbest, durch dessen rechtzeitigen Gebrauch die Menschen sich vor dem Anfalle der Übel dieser Gegend schützen könnten?«
06] Sage Ich: »Da Ich Mich ohnehin hier einige Tage aufhalten werde, werden die Landeskranken durch die Geheilten wohl erfahren, daß Ich hier bin. Die da kommen werden, denen soll auch geholfen sein, - die aber nicht kommen werden, die sollen auch nicht geheilt werden; denn so schwer krank ist keiner im ganzen Lande, daß er nicht den Weg hierher machen könnte!«
07] Sagt Ebahl: »Wenn es dir, du mein göttlicher Meister, genehm wäre, so würde auch ich Boten ins ganze Land aussenden!«
08] Sage Ich: »Laß das gut sein, sie werden es überall früh genug erfahren!«
09] Bald darauf kommen mehrere Geheilte, darunter Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem und zwei Essäerbrüder, um Mir den Dank für die Heilung zu überbringen und womöglich von Mir die Wissenschaft zu erlernen, wie Ich die Kranken also bloß durchs Wort augenblicklich zu heilen vermöge.
10] Ich aber machte nicht viel Wesens mit ihnen, sondern sagte bloß: »Was forschet ihr? Eure Sache ist diese Welt und ihre für euch allein kostbare Materie; hier aber handelt es sich um rein Geistiges! Ihr aber habt noch nie begriffen, was Materie ist, wie wollt ihr begreifen, was da rein geistig ist? Und ihr Essäer schon ganz besonders, die ihr euren Bekennern einen Gott und eine Auferstehung predigt und mit vielen Kosten Wunderdinge bewerkstelligt, um dadurch für eure Blindlehre Anhänger zu gewinnen! Euer Grundsatz ist: >Man muß mit gutem Willen die Menschen betrügen und anlügen, wenn man sie glücklich machen will; denn die Wahrheit tötet die Wohlfahrt der Menschen dieser Erde!<
11] So aber euer Menschenbeglückungsgrund die Lüge ist, wie sollet ihr von Mir nun die Wahrheit hören wollen? Euch geht für die Erkenntnis des Reiches Gottes auf Erden alles ab, und ihr seid die Allerletzten, obschon ihr die Allerersten sein wollet! Wahrlich, wenn ihr bleibet, wie ihr seid, werdet ihr ewig keinen Teil am Reiche Gottes haben!
12] Was nützt euch euer guter Wille, die Menschen durch Betrug und Lüge irdisch glücklich zu machen, so ihr aber dadurch tötet die Seelen der Blinden?
13] Mein Grund aber ist: um alle Kosten des Leibes und alles dessen Glückes die Seele zu retten und ihr zu bereiten ein wahres, ewiges Leben!
14] Wie aber wird und muß es euch zumute werden jenseits, wo euch die von euch Betrogenen zu Richtern werden!? Ihr glaubet es wohl freilich nicht, daß es also sein wird; aber es wird dennoch also sein, wie Ich es euch nun gesagt habe.
15] Glaubet ihr aber schon Meinen Worten nicht, so glaubet es doch Meinen Werken, die Ich verrichte, und die vor Mir nie ein Mensch verrichtet hat!
16] Wenn aber Meine Werke echt und wahr sind und Meinen Worten Zeugnis geben, so werden doch Meine Worte auch wahr sein!?
17] Niemand kann es euch sagen, wie es in Indien aussieht, als der nur, der dort war und von dort zu euch herübergekommen ist; also kann euch auch niemand einen Bescheid übers Jenseits geben als der nur, der von dort zu euch herübergekommen ist, - und der bin Ich!
18] Wer Meinen Worten glaubt, der wird das ewige Leben haben; wer aber nicht glaubt, der wird übergehen in den ewigen Tod! Denn Meine Worte sind nicht wie die eines Menschen dieser Welt; sie sind Leben und geben Leben dem, der sie aufnimmt in sein Herz und hernach handelt nach dem Laute der Worte und nach ihrem alles belebenden Geiste!
19] Eure Worte aber, die ihr Essäer dem Volke predigt, sind pur Lug und Trug, weil ihr selbst nicht glaubet, was ihr lehret! Denn ihr habt eine Doppellehre: eine fürs Volk und eine ganz andere für euch, von der ihr unter euch saget, daß sie wahr sei, daß aber das Volk von solcher nichts vernehmen dürfe, um in der vermeinten Lüge ruhig und glücklich zu sein.
20] Aber Ich sage es euch, daß ihr dem Volke in eurer vermeintlichen Lüge dennoch mehr Wahrheit gegeben habt denn euch selbst! Denn was ihr für Wahrheit haltet, ist ganz Lüge, was ihr aber das Volk lehret, ist nur zur Hälfte Lüge; darum man euch von Gott aus auch geduldet hat.
21] Lehret aber in der Zukunft die Wahrheit und glaubet selbst an sie, dann werdet ihr der Belohnung werte Knechte im Weinberge Gottes sein; aber mit der Lüge und mit dem Truge müsset ihr für alle Zeiten weichen und nie mehr einen Gebrauch davon machen, sonst wird in jüngster Zeit ein übles Gericht über euch ergehen!«
22] Sagen die beiden Essäer: »Meister, wir erkennen es wohl, daß du recht geredet hast, - und was da uns beide betrifft, so werden wir alles Erdenkliche aufbieten, um deinen Worten in unserer großen Gesellschaft Eingang zu verschaffen; aber gutstehen können wir dennoch für nichts! Grausam sind unsere Brüder durchaus nicht, man kann bei verschlossenen Türen schon auch ganz frei reden und wird gerne angehört, - aber ob das also Besprochene von irgendeiner Wirkung sei, das ist eine andere Frage! Aber reden werden wir beide und sind zum voraus versichert, daß wir ohne weiteres mit der größten Aufmerksamkeit angehört werden!«
23] Sage Ich: »Tuet ihr das eurige, so wird Gott das Seinige zu tun nicht unterlassen! Nehmet an die volle Wahrheit, und diese wird euch frei machen für ewig!«
24] Sagen die beiden Essäer: »Herr und Meister, gestatte uns, so lange hier zu verweilen, als wie lange du dich hier aufhalten wirst!«
25] Sage Ich: »Ihr seid frei und könnet hier verweilen, solange ihr wollt!«


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