Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 85

Jesus lobt Roban und Chiwar.

01] Nach einer Stunde kam Chiwar zu Mir heraus und wollte Mir erzählen, was in der Synagoge mit dem neuen Obersten alles verhandelt ward.
02] Ich aber sagte: »Freund, erspare dir die Mühe; denn du weißt es, daß Mir nichts unbekannt sein kann. Übrigens sage Ich dir, daß du und der Roban eure Sachen vollkommen gut gemacht habt; denn der Oberste hätte sonst noch gar manche tolle Sachen unternommen. Aber so ist er nun überzeugt, daß es ein Unsinn wäre, gegen die Römer irgend etwas zu unternehmen, und so wird er wenigstens eine Zeitlang ruhen; aber ganz trauen dürft ihr ihm noch lange nicht, sondern ihr müßt auf der beständigen Hut sein und ihn sozusagen nie aus dem Bereiche eurer Augen lassen. Dir aber will Ich, weil du Mein eifrigster Verteidiger warst und noch bist, die Fähigkeit verleihen, die Kranken durch ein rechtes Gebet und durch die Auflegung der Hände zu heilen und in deinem Herzen die Pläne des neuen Obersten zu erfahren und dagegen die rechten Mittel zu ergreifen, - was aber jedesmal gleich geschehen muß, ansonst es keine Wirkung hätte! Die rechten Mittel aber werden dir ebenfalls angezeigt werden. Und so empfange von Mir dafür nun den Segen!«
03] Hier warf sich Chiwar vor Mir auf die Knie und bat Mich inbrünstigst darum. Ich aber legte Meine rechte Hand auf sein Herz und Meine linke Hand auf sein Haupt, und es ward in dem Augenblick helle in ihm. Und er sprach: »Herr, nun sind alle Finsternisse aus mir verschwunden; alles ist helle in mir, und es kommt mir vor, als wäre nun mein ganzer Leib aus einer diamantenartig durchsichtigen Materie, durch die das Licht des Tages ungehindert dringt. O Herr, belaß mir für immerdar diesen Segen; ich werde ihn sicher zu wahren und allzeit dankbarst zu würdigen verstehen!«
04] Sage Ich: »Bleibe du allzeit tätig in Meiner Lehre, und du sollst nie über den Verlust dieses Lichtes zu trauern Ursache haben!«
05] Hier erhebt sich Chiwar und bemerkt, daß außer dem Borus und Jairus und außer der Maria und Meinen Hausbrüdern kein fremder Gast mehr gegenwärtig ist, auch sogar die zwölf Hauptjünger nirgends zu ersehen sind, und fragt Mich, was denn da vor sich gegangen sei.
06] Sage Ich: »Dies alles mußte also gehen! Siehe, es kommt bald der Herbst und dann der Winter. Die Zeit der Vollernte ist nahe, und Ich muß hinaus, muß Arbeiter dingen für Feld und Weinberg. Ist für dieses Jahr alles gut eingebracht, so wird sich im Winter gut ruhen lassen; und kommt dann das Frühjahr, so werden wir dann wieder mit erneuten Kräften vollauf zu tun bekommen.
07] Ich werde Mich heute noch aus dieser Gegend machen; denn Herodes ist ein schlauer Fuchs, und der neue Oberste ist in seinem Solde; und es soll darum Mein Haus kein Kampfplatz des Satans werden. Meine Jünger aber habe Ich schon vor ein paar Stunden ausgesandt. Sie zogen mit Meinem Bruder Kisjonah und werden dort in Kis die Jünger des Johannes erwarten und ihnen verkünden, daß das Reich Gottes nahe herbeigekommen ist; sie aber werden noch heute mit den Jüngern des Johannes hierher kommen und dann mit Mir am Abende diesen Ort verlassen. Wohin wir aber ziehen werden, das wirst du schon, wie vieles andere, in dir selbst erfahren.
08] Wirke du aber häufig mit dem Borus und Jairus; denn das sind nun die zwei würdigsten Männer in ganz Nazareth und besitzen Meine vollste Liebe und durch Mich auch die vollste Gnade Gottes! Denn so, wie Mich diese beiden lieben und kennen, liebt und kennt Mich bis jetzt auch nicht einer aus der Zahl Meiner Jünger!
09] Alle Meine Jünger werden sich in einer gewissen Zeit, die nicht gar lange auf sich wird warten lassen, an Mir noch ärgern genug. Aber die beiden wird keine Erscheinung an Mir mehr irremachen; denn sie kennen Mich durchaus ganz. - Halte dich daher an diese, so wirst auch du das erreichen, was sie selbst erreicht haben!«
10] Mit diesem Bescheide ist Chiwar auch ganz zufrieden und fragt nur noch, was da mit den beiden Engeln geschehen sei, weil auch diese nirgends mehr sichtbar wären.
11] Ich aber sage zu ihm: »Erhebe deine Augen, und du wirst nicht nur die zwei, sondern noch zahllose Scharen um sie herum erschauen!«
12] Hier erhebt Chiwar seine Augen. Er sieht im großen Lichte die zwei Erzengel, und um sie herum zahllose Myriaden von Engeln, die jeden Augenblick bereit sind, Mir zu dienen.
13] Chiwar aber senkt seine Augen bald wieder zur Erde und sagt: »Herr, ich bin ein Sünder, und meine Augen können darum den zu heiligen Anblick nicht ertragen; aber es soll mein eifrigstes Bestreben sein, mich solch eines Anblickes würdig zu machen!«
14] Sage Ich: »Tue alles recht, und dein Lohn in den Himmeln, deren Saum du nun gesehen hast, soll groß werden! Jetzt aber begib dich wieder in die Synagoge; denn dich darf der Oberste, der sich noch etliche Tage hier in Nazareth aufhalten wird, nicht vermissen, denn er hält nun auf deinen Rat große Stücke.«


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