Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 77

Das rechte Maß an Liebe zu Gott, zum Nächsten und sich. Die Zahl 666

01] Sage Ich: »Ganz gut, Ich will dir denn ein Maß geben, nach welchem du und ein jeder wissen soll, wie er mit der Eigenliebe stehen soll, wie mit der Liebe zum Nächsten und wie mit der Liebe zu Gott.
02] Nimm die Zahl 666, die in guten und schlechten Verhältnissen entweder einen vollendeten Menschen oder einen vollendeten Teufel bezeichnet!
03] Teile du die Liebe im Menschen gerade in 666 Teile; davon gib Gott 600, dem Nächsten 60 und dir selbst 6! Willst du aber ein vollendeter Teufel sein, dann gib Gott sechs, dem Nächsten sechzig und dir selbst sechshundert!
04] Siehe, die rechtschaffenen Dienstleute und Knechte und Mägde sind es, die die Felder ihrer Herrschaft bearbeiten. Nach deiner Ansicht sollen sie denn nun auch die Ernte nehmen, weil sie durch ihren Fleiß und ihre Mühe geworden ist; aber sie tun diese in die Scheuern und Scheunen ihrer Herrschaft und haben eine große Freude daran, so sie zu ihrer Herrschaft sagen können: >Herr, alle deine Scheuern und Scheunen sind bereits voll, und noch ist die Hälfte auf dem Felde! Was sollen wir da tun?< Und ihre Freude wird größer, so der Herr zu ihnen sagt: >Ich lobe euren großen und uneigennützigen Fleiß und Eifer; gehet und bringet Bauleute her, auf daß sie mir Vorratskammern in kürzester Zeit erbauen und ich des Feldes Segen aufbewahre für Jahre, die vielleicht weniger gesegnet sein möchten, denn dieses da war, an allen Früchten!< Sieh, nichts gehört den Dienstleuten, sie haben keine Scheuer, keine Scheunen und keine Verratskammern, und doch arbeiten sie um einen geringen Lohn, als gelte es für ihre Scheuer, Scheunen und Verratskammern; denn sie wissen es, daß sie nicht Not zu leiden brauchen, wenn der Herr alle Vorratskammern voll hat.
05] Und siehe, im Tun eines rechtschaffenen Dienstboten liegt das ganze Verhältnis jedes wahren Menschen zu sich, zum Nächsten und zu Gott. Der wahre Dienstbote sorgt für sich 6fach, für seine Dienstgefährten, damit sie ihm wohlwollen, 60fach und für seinen Dienstherrn 600fach und sorgt dadurch, ohne es zu wollen, dennoch 666fach für sich; denn die Nebendiener werden ihrem Gefährten, bei dem sie die wenigste Selbstliebe merken, am meisten wohlwollen, und der Dienstherr wird ihn bald über alle setzen. Aber einen Diener, der nur für seinen Sack sorgt, bei der Arbeit gern der letzte ist und da seine Hände nur an die leichteste Arbeit legt, den werden seine Gefährten mit scheelen Augen ansehen, und sein Dienstherr wird es wohl merken, daß der selbstsüchtige Diener ein fauler Knecht ist. Er wird ihn daher nie über seine Dienerschaft setzen, sondern ihm vermindern den Lohn und ihn setzen zuunterst am Speisetische. Und wird sich dieser selbstsüchtige, faule Knecht nicht bessern, so wird er mit schlechten Zeugnissen aus dem Dienste getan werden und also schwerlich je wieder einen Dienst erhalten. So er aber einen einzigen Freund noch hat, dem gegenüber er sich uneigennützig erwiesen hatte, so kann dieser ihn in seine Wohnung aufnehmen, wofür ihn der Herr nicht schmähen wird. - Verstehst du das?
06] Ein jeder Mensch hat und muß einen gewissen Grad von Eigenliebe haben, ansonst er nicht leben könnte, - aber, wie gezeigt, nur den möglich geringsten Grad; ein Grad darüber hebt schon das rein menschliche Verhältnis auf, und es ist die Sache in der göttlichen Ordnungswaage also auf ein Haar abgewogen! - Nun sind dir die Grenzlinien gezeigt, und wir wollen sehen, wie du diese tatsächlich befolgen wirst!«
07] Sagt Judas: »Dazu gehört viel tiefste Weisheit, um beurteilen zu können, ob man das genaue Maß mit der Eigenliebe getroffen hat! Wie kann der kurzsichtige Mensch das beurteilen?«
08] Sage Ich: »Er tue mit redlichem Willen das, was er tun kann; das Abgängige wird schon von Gott aus hinzugetan werden. Für weniger aber als sechs Teile für sich darf man wohl bei keinem Menschen irgendeine Sorge tragen! Am allerwenigsten für Menschen deiner Art!«
09] Hier verstummt Judas und geht nachdenkend vom Tische, um sich eine Lagerstätte für die schon stark hereingebrochene Nacht zu bereiten.
10] Nun aber tritt erst der Knabe Josoe auf und sagt: »Aber hat mich dieses Menschen Dummheit doch schon über all die Maßen geärgert! Ein Jünger ist er und noch so dumm wie eine Nachteule am hellen Tage. Ich habe alles gleich verstanden, was Du, o Herr, zu ihm geredet hast; er aber verstand nichts, indem er immer fragte und allerlei Einwände machte, und nun am Ende des Endes noch so dumm davonging, als wenn Du, o Herr, ihm kein Silbenwörtlein gesagt hättest! Wenn ein Kind fragt, so ist das verzeihlich; aber wenn so ein alter Mensch, der auf der andern Seite doch wieder weiser sein will denn seine Nebenmenschen, auch noch fragt - und das ersichtlich nicht gut -, sondern böswillig -, so muß man sich ja doch ärgern! Ich will noch dreimal sterben, wenn dieser Mensch sich auf dieser Welt je bessern wird! Er ist allem Anscheine nach ein Geizhals und rechnet, wie er, wenn er das vermöchte, was Du, o Herr, vermagst, sich in kürzester Zeit zu ganzen Bergen von Gold und Silber aufschwingen könnte! Und ich, so wahr ich Josoe heiße, will alles darum geben, was ich habe, und alles erleiden, was nur je ein Mensch erleiden kann, wenn dieser Mensch je eine Besserung ergreifen wird!«
11] Sage Ich: »Mein lieber Josoe, laß das nur gut sein; denn wir brauchen allerlei Handlanger bei der Erbauung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, und da ist eben Judas auch einer, den wir brauchen können! - Aber nun sage du Mir, was du deinen irdischen Eltern sagen wirst, wenn du wieder mit ihnen zusammenkommen wirst! Wie wirst du reden?«


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