Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 63

Über die Wiederbringung des Verlorenen.

01] Auf dieses Mein Anraten fragt Cyrenius in Hinsicht des Satans, was einst aus ihm wird, und ob von dessen Seite je an eine Umkehr zu denken ist.
02] Und Ich lege ihm folgende Antwort in sein Herz: »Was da geschieht, geschieht dessentwegen: Der verloren ist, wird gesucht, und dem Überkranken wird Arznei geboten, aber dessen Wille bleibt frei und muß frei bleiben; denn seinen Willen hemmen, hieße die ganze, nahe endlose materielle Schöpfung und alle ihre Elemente in den härtesten Stein verwandeln, darin sich kein Leben regen kann. Die ganze materielle Schöpfung ist der so weit als möglich gerichtete große Geist, und dieser wird getrennt in zahllose Welten, die aber in ihrer endlosen Zahl dennoch sein komplettes Wesen bedingen. Aber aus diesem einen Wesen werden zahllose Myriaden der Myriaden Wesen, wie da sind die meisten Menschen dieser Erde, genommen und werden durch Gottes Kraft, Macht, Liebe und Weisheit zu ganzen, gottähnlichen Wesen umgestaltet, und das ist eine sichere Umkehr des einen großen Geistes!
03] Wenn aber alle Erden und alle Sonnen in lauter Menschen aufgelöst sein werden, dann wird auch von dem einen nichts mehr übrig sein als sein pures 'Ich', das im völligsten Alleinsein sich nach Zeiten der Zeiten zur Umkehr anschicken müssen wird, ehe es sich einem ewigen Verschmachten preisgeben wird. Dann wird keine materielle Sonne und keine materielle Erde mehr kreisen im endlosen ewigen Raume, sondern all und überall wird eine überherrliche neue geistige Schöpfung mit seligen freien Wesen den endlosen ewigen Raum erfüllen, und Ich werde ewig gleichfort aller Wesen Gott und Vater sein von Ewigkeit zu Ewigkeit, und dieses allerseligsten Zustandes wird fürder nimmer ein Ende sein; es wird da sein eine Herde, ein Schafstall und ein Hirte!
04] Wenn aber dieses alles also wird, nach der Anzahl der Erdjahre, kann nimmer bestimmt werden! Und würde Ich dir die Zahl auch kundtun, so würdest du sie unmöglich fassen; und sagete Ich dir auch die Zahl damit, daß tausendmal tausend so viele Zeitläufe von tausend zu tausend Jahren vergehen werden, als wieviel es da gibt des Sandes im Meere und auf der ganzen Erde, und wieviel es da gibt des Grases in allen Landen und auf allen Bergen der Erde, und wieviel es da gibt der Tropfen im Meere, in allen Seen und Strömen, Flüssen, Bächen und Quellen, so könntest du dies alles dennoch nicht zählen, um dadurch die endliche Hauptlösezeit zu bestimmen!
05] Darum gedulde dich mit dem: Trachte du nur vor allem nach dem Reiche Gottes und nach dessen wahrer Gerechtigkeit, so wirst du nach deines Leibes Tode von Mir sogleich zum ewigen Leben erweckt werden, und im Reiche der reinen Geister werden tausend Erdjahre vergehen wie ein Tag!
06] Und, Freund, in Meinem geistigen Reiche voll all der höchsten Seligkeiten wird sich das, was dich hier unendlich dünkt, ganz seligst leicht und kurz erwarten lassen! Jetzt kannst du nicht und keiner Meiner Jünger in alle Weisheit der Himmel eingeführt werden, - dann aber, wenn du nach wenig Jahren getauft wirst mit dem heiligen Geiste aus Gott! Dieser Geist wird dich und alle andern leiten in alle Weisheit der Himmel. Dann erst wirst du das alles im hellsten Lichte schauen, was dir nun noch dunkel und verworren sein muß! - Dies dir nun Geoffenbarte aber behalte fest bei dir und laß davon niemanden etwas merken; denn das muß noch lange geheimgehalten werden!«
07] Als Cyrenius solches in sich vernommen hatte, stutzte er ganz gewaltig und sagte nach einer Weile besonderen Nachdenkens: »Es war ohne weiteres Dein Wort, das ich nun wie einen guten Redefluß in meinem Herzen treu und klar vernommen habe; aber soll die Schlußermahnung wohl so strenge gehalten sein und werden? Gar vertrauten, redlich und ehrlich denkenden und glaubenden Menschen dürfte so etwas ja doch - etwa nur so einiges davon wie teilweise hingeworfen - kundgemacht werden!? Denn so etwas könnte ja doch keinem Menschen schaden!«
08] Sage Ich laut: »Ja Freund, einem Menschen, wenn er es wie du auf innerem Wege erhält, schadet es freilich nicht, ansonst Ich es dir nicht kundgetan hätte; aber wenn so etwas viele Menschen von außen her empfingen, so würde es ihnen ganz gewaltig schaden. Wie und warum, - das haben dir Meine Engel ganz genügend enthüllt, und so lassen wir diesen Gegenstand ruhen; denn wir haben noch viele andere Sachen von großer Wichtigkeit zu schlichten, die vorderhand um vieles notwendiger sind als diese deine Frage, deren volle Antwort erst in der Ewigkeit zur Reife gelangen muß.«


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