Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 48


Zurückstellung der Amtsgeschäfte von Cyrenius und Kornelius zugunsten des Aufenthaltes bei Jesus. Engel als Botschaftüberbringer der Amtsniederlegung des Jairus. Enthüllung der Heuchelei des Sabbatwesens der Pharisäer.

01] Nach dem Abendessen, das über eine gute Stunde angedauert hatte, fragte Kornelius den Cyrenius, sagend: »Hoher Bruder, was meinst du denn?! Sollen wir heute noch hier verweilen, oder sollen wir uns vielleicht - irgend wichtiger, auf uns wartender Geschäfte halber - von dannen begeben? Ich bin dir tief untergeben und füge mich deinem Worte.«
02] Sagt Cyrenius: »Ich hätte eigentlich schon heute in der Frühe abreisen sollen, da meiner sicher schon irgend dringende Geschäfte harren. Aber sage: Wer, wenn er weiß, was hier ist, kann sich von da trennen? Man könnte schwer einen freundlichen Kaiser verlassen, so er sagete: »So du bleiben willst, so bleibe!« Was ist aber ein Kaiser gegen hier, wo unleugbar der Schöpfer Himmels und der Erde weilt als Mensch unter Seinen Menschen und unter Seinen Engeln?! Zudem haben Seine Engel auch eine längere Frist zum Hierbleiben erhalten, von denen wir noch sehr viel lernen und erfahren können. Ah, jetzt gehe ich schon gar nicht fort! Nicht ums ganze römische Kaiserreich brächte mich jetzt jemand von der Stelle, und sollte da schon kommen, was da wollte! - Bleibe nur du auch! Von mir aus hast du die volle Erlaubnis dazu; und käme da auch etwas aus, so wird wegen ein paar Tagen die Erde noch lange nicht zugrunde gehen! Dazu meine ich, daß wir bei diesem Herrn viel besser versorgt sind denn von Rom aus!? Und sollte auch etwas noch Dringendes ausfallen, so gibt es in der Hand des Allmächtigen Mittel genug, auch das Dringendste im Augenblick zu schlichten.«
03] Sagt Kornelius: »Hoher Bruder! Mit diesem Bescheide bin ich ja ohnehin über alle Maßen zufrieden, und es verlangt mich noch lange nicht, diesen Ort zu verlassen! Ich habe ohnehin nur der politisch-staatlichen Ordnung wegen diese Frage getan. Aber es wäre in einer gewissen Hinsicht denn vielleicht doch gut, eine geheime Spioniererei durch unsere Wachleute, die wir bei uns haben, die heutige Nacht hindurch in der Stadt anzuordnen, um zu erfahren, was denn etwa doch die Leute von unserm Hiersein halten und untereinander reden!?«
04] Sagt Cyrenius: »Wenn es dem Herrn genehm ist, können wir die Sache anordnen; aber ich bin da dieser Meinung, daß wir am Herrn vor allem, und dann auch an den zwei Engeln, die allerverläßlichste geheime Polizei haben und es nicht nötig sein dürfte, uns, solange als wir hier sind, einer andern zu bedienen. Sind wir fürderhin wieder von dieser heiligen Gesellschaft aus den Himmeln entfernt, dann werden wir uns leider wohl wieder der geheimen Auskundschafter bedienen müssen, um die Gesinnungen der Menschen in der nötigen Evidenz (augenscheinlichen Gewißheit) erhalten und dort sogleich Vorsichtsmaßregeln zu treffen, wo sich für den Staat ungünstige Konspirationen (Verschwörungen) zu zeigen beginnen. Aber wie gesagt, wenn es dem Herrn genehm ist und Er es wünscht, da bin ich gleich bereit, das Allertriftigste anzuordnen.«
05] Sage Ich zum Cyrenius: »Laß das; denn fürs erste weiß Ich ohnehin vom Alpha bis zum Omega, was in der Stadt nun alles für und wider uns geredet wird. Im ganzen aber liegt durchaus keine Gefahr darin; denn dies Volk ist auch für gewisse Bosheiten viel zu blind und zu dumm. Darum lasset das alles gehen! Von Nazareth aus wird nie eine Emeute (Aufstand) ausgehen, des könnt ihr versichert sein. Übrigens ist Mein Freund Borus stets die allerverläßlichste geheime Polizei; ihm entgeht gar zu leicht nichts, - was in der eben nicht gar großen Stadt sicher nicht schwer ist. Zudem könnte Ich Meinen Engeln sagen, daß sie die Spionage vornehmen, und ihr könntet durch sie in einem Augenblick mehr erfahren, als so ihr zehn Jahre hindurch die allerklügsten Spione hieltet. Aber wie gesagt, hier tut weder das eine noch das andere not, - und wir begeben uns daher ganz ohne Sorge zur Ruhe.

Engel als Botschaftüberbringer der Amtsniederlegung des Jairus. Enthüllung der Heuchelei des Sabbatwesens der Pharisäer.

 Nur Jairus wird noch einen Boten nach Jerusalem bestellen und ihn mit der Amtszurücklegungsanzeige versehen müssen. Denn morgen werden wir ganz andere Dinge zum Verhandeln bekommen.«
06] Sagt Jairus, ganz traurig, daß er jetzt die Gesellschaft verlassen solle: »Herr, wäre es denn nicht möglich, hier die Urkunde auszufertigen und sie nach Jerusalem, mittels eines Boten, von hier aus zu befördern? Das Haus in Kapernaum ist ohnehin mein volles Eigentum und alles, was darin ist, Gründe, wie Äcker und Wiesen, durften wir Priester ja ohnehin nicht besitzen, und so ist mein alles in meinem Hause, das Dir wohlbekannt ist. Ich habe somit vorderhand in Kapernaum nichts zu tun und werde wahrscheinlich auch nachderhand dort nichts mehr zu tun bekommen; mein Haus samt allem, was darin ist, gebe ich nun sogleich meinem lieben Schwiegersohne. Mit einer Schrift von mir in seiner Hand wird er hingehen und alles unter staatsgerichtlicher Assistenz (Hilfe) in den vollen Besitz nehmen - gleich einem rechtmäßigen Erben nach meinem Tode, und ich und mein Weib sind dabei ganz überflüssig. Was aber die Freunde in Kapernaum betrifft, so sind diese hier; die aber noch in Kapernaum sich befinden und sich zu meinen Freunden zählen, sind wahrlich keines Abschiedsbesuches wert; denn es sind das lauter Freunde ins Gesicht, aber im Herzen doch sind sie doch ohne Gewicht!«
07] Sage Ich: »Nun, so bleibe denn auch du, und Ich werde an deiner Stelle einen Meiner zwei hier anwesenden Boten nach Jerusalem senden; der wird mit solcher Botschaft eher fertig werden, als so du einen Boten nach Jerusalem absenden würdest. Aber nicht mehr heute, sondern morgen als an einem Sabbat!«
08] Sagt Jairus: »Am Sabbat wird sich's wohl im Tempel am wenigsten schicken; denn die Hohenpriester und Oberpriester im Tempel halten auf nichts strenger als auf die Sabbatsfeier!«
09] Sage Ich: »Laß du das gut sein! Sie halten auf die Feier des Sabbats nur darum so große Stücke, weil notwendigerweise zum öftesten dawidergehandelt wird und werden muß, da ein jeder Mensch denn doch oft an einem Sabbat irgend etwas zu tun genötigt wird, die Pharisäer aber dabei auch am öftesten die Gelegenheit bekommen, den Übertretern der Sabbatfeier recht derbe Strafbußen zu diktieren.
10] Bringe du ihnen aber an einem Sabbat nur Gold und Silber soviel du willst, so werden sie sogleich im Tempel den Sabbat brechen und sodann ganz vergnügt dein Gold und Silber annehmen. Sei du darum des Sabbats im Tempel wegen ganz unbesorgt; Mein Bote wird das ihm anvertraute Geschäft ganz überaus wohl zustande bringen!
11] Meinest du denn, daß da es den Pharisäern angenehm wäre, so es niemanden gäbe, der durch irgendein dringendes Geschäft dann und wann schändete den vermeinten Tag des Herrn? Oh, da seien wir ganz ruhig! Je mehr Sabbatschändungen, besonders bei Reichen, vorkommen, desto mehr jubeln im geheimen die Tempelherren!
12] Darum noch einmal gesagt: Sei du darob ganz ohne Besorgnis! Mein Bote wird morgen, sogar während der Opferung, die an jedem Sabbat geschieht, ganz vortrefflich aufgenommen werden! Denn er wird mit einer schweren goldenen Beilage in den Tempel eintreten und sogestaltig von den Pharisäern mit den freundlichsten Mienen und offensten Armen aufgenommen werden; zudem warten ohnehin schon zehn Aspiranten auf eine Oberstenstelle, für die sie große Summen bieten. Und so wird ihnen, und besonders aber den Templern, deine Abdankung überaus erwünscht kommen.
13] Es wird darauf sogleich der Sabbat im Tempel unter der bekannten Zeremonie gebrochen und darauf sogleich die Versteigerung der Oberstenstelle von Kapernaum vorgenommen werden; und du wirst durch den zurückkehrenden Boten sogar den Namen deines Nachfolgers erfahren.
14] Siehe, so stehen die Dinge nun im Gotteshause zu Jerusalem, das da auch heißet »die Stadt Gottes«, aber nun ganz eigentlich eine Stadt des Satans ist. Da nun aber alle Dinge gut geordnet sind, so begeben wir uns zur Ruhe; denn morgen soll es für uns früh Tag werden!«


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