Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 42


Wann der jüngste Tag ist.

01] Es fragten aber nun auch mehrere, wann der »jüngste Tag« kommen werde.
02] Ich aber sagte: »Wenn der ältere vergangen ist, so kommt auf den älteren Tag dann stets ein jüngster; und da Ich niemanden an einem schon vergangenen Tage erwecken kann, so muß das ganz natürlich an einem jüngsten Tage geschehen, weil dazu ein vergangener, älterer Tag unmöglich mehr zu gebrauchen ist. Ist denn nicht jeder neue Tag, den ihr erlebt, ein jüngster Tag? Oder kann etwa jemand noch einen jüngeren erleben, als da eben der ist, in dem er lebt? Seht, wir alle leben heute doch sicher in einem möglichst jüngsten Tage! Denn der gestrige kann kein jüngster mehr sein, und der morgige ist noch lange nicht da. Aus dem aber läßt sich hoffentlich doch mit Händen greifen, daß es am Ende ebenso viele jüngste Tage gibt und geben muß für jeden Menschen, als so viele er deren durchlebt hat! Ich sage es euch, daß ihr alle am jüngsten Tage sterben werdet und werdet auch unmöglich anderswann als an einem jüngsten Tage vom Tode zum Leben erweckt werden; und so ein Mensch oder alle Menschen ihn zu bestehen bekommen, so wird solches auch unmöglich an einem alten, vergangenen Tage, sondern an irgendeinem künftigen, also offenbar jüngsten Tage geschehen! Welcher dazu bestimmt wird, das ist weder von Mir noch von irgendeinem Engelsgeist zum voraus bestimmt; denn es ist dazu jeder kommende Tag ganz überaus gut und sehr brauchbar. - Versteht ihr nun das?«
03] Die Fragenden ziehen sich etwas verdutzt zurück und sagen: »Wahrlich, die Sache ist so klar wie die reinste Luft, und doch mochte unsere Dummheit fragen!? Es ist wahrlich mit Händen zu kneipen und zu greifen! So wir gar oft von den alten Tagen reden, so muß es ja auch junge und jüngste geben! Es ist, ist, ist, ist - das doch sehr dumm von uns gewesen! Es gehört von Seiner unendlich weisen Seite wahrlich unendlich viel Geduld dazu, um uns zu ertragen!«
04] Sagt die Sarah, ein wenig lächelnd: »Ja, der Herr hat wohl die größte Geduld mit uns allen! Aber was ein jüngster Tag ist, und wann er kommen werde, das habe ich schon in der Wiege gewußt; und hatte mich jemand darum gefragt, so sagte ich allzeit: »Morgen wird der jüngste Tag kommen!« Habt ihr denn das im Ernste nicht gewußt?«
05] Sagen die, die gefragt haben: »Ja, ja, wir waren richtig so dumm, es nicht zu wissen, und hatten immer eine schreckliche Furcht vor solch einem einst kommen sollenden Tage! Nun sind wir freilich darüber im klaren; aber nun schämen wir uns auch ganz ordentlich, daß uns so etwas hat entgehen können, was doch so klar vor jedermanns Augen und Ohren liegt!«
06] Sage Ich: »Machet euch nichts daraus; denn es ist dies dennoch ein Stein, über den in der Zukunft noch viele tausendmal Tausende fallen werden und werden darüber viel weissagen und schreiben und predigen dem blinden Volke.
07] Nun aber sehen wir, wie wir mit den Fischen zurechtkommen werden; denn wie ihr sehet, so stehen wir bereits am Meeresstrande, und Fischerboote sind in Menge zu unserem Gebrauch hier vorrätig. An Netzen und andern zum Fischfange nötigen Geräten fehlt es auch nicht; und so können wir sogleich an die Sache gehen. Die beiden Jünglinge, mit denen sich Cyrenius noch sehr eifrig bespricht, sollen uns auch gute Dienste leisten! Legen wir sonach gleich unsere Hände ans Werk!«


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