Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 11


Jesus und seine Jünger in Nazareth. Reue des Jairus eröffnet ihm neue Chance zur Erweckung seiner toten Tochter.

01] Sagt Faustus: »Da muß ich gebieten, meine Sachen auf die Schiffe zu bringen?!«
02] Sage Ich: »Ist schon alles geschehen! Weil deine Schiffe nicht ausgereicht hätten, so haben Baram und Kisjonah ihre zwei großen Schiffe dazu hergeliehen, und es ist also bis auf die Abfahrt alles in der besten Ordnung.«
03] Sagt Faustus: »Daß es sicherst also ist, nimmt mich nun gar nicht mehr wunder; denn was sollte dem Allmächtigen noch unmöglich sein?!«
04] Es treten aber nun Jonael und Jairuth mit Archiel zu Mir und danken für alles, und als sie sich von Mir unter vielen Danksagungen trennen und den Weg nach Sichar antreten, so kommt ihnen auch die von Mir ihnen vorausverkündete Deputation entgegen, nimmt sie in allen Ehren auf und legt dem Jonael die besondere Bitte zu Füßen, daß er das Oberpriesteramt wieder annehmen möchte; und beide, Jonael und Jairuth, erinnern sich dessen, was Ich ihnen vorher verkündigt hatte.

  • Matthäus.13,53] a Und es begab sich, als Jesus diese Gleichnisse vollendet hatte, daß er davonging (a = Markus.06,01; = Lukas.04,16;  ⇒ jl.ev02.011,05*)

    05] a Wir aber - als Ich die abermaligen Bilder vom Himmelreiche vollendet hatte und die Sichariten entließ und auch beim Kisjonah, der diesmal auf Meinen Rat daheim verblieb und auch nicht den Faustus begleitete, Mich empfahl mit dem Versprechen, bald wieder bei ihm einzusprechen - begaben uns dann auch bei zwei Stunden vor dem Mittage auf ein großes Schiff und fuhren mit Faustus, der in Meinem Schiffe mit seinem jungen Weibe Platz nahm, in die Nähe von Kapernaum hin, wo der gewöhnliche Landungsplatz für diese Stadt sowohl wie auch für Nazareth war, das bekanntlich gar nicht weit von Kapernaum gelegen war. (a Matthäus.13,53*; =Markus.06,01; = Lukas.04,16;  )
    06] Als wir gelandet und aus den Schiffen ans Land gestiegen waren, da sprach Faustus: »Herr, ich werde mit Dir nach Nazareth ziehen und werde Deiner Mutter und Deiner irdischen Brüder und Schwestern Behausung ihnen wieder zu eigen stellen!«
    07] Sage Ich: »Auch dieses ist schon geschehen, und du wirst auch zu Hause und draußen in deinem großen Gerichtsbezirke alles in der schönsten und besten Ordnung antreffen; denn bisher hat Mein Archiel alle Geschäfte für dich geschlichtet. Gehe du aber nach Kapernaum, und wenn dir der Oberste Jairus unterkommt - was sich sicher ereignen wird - und wird dir klagen seinen Schmerz, so sage ihm, daß Ich nun in Nazareth auf eine Zeitlang Mich aufhalten werde! Wenn er etwas will, so möge er zu Mir kommen, - aber auch nur er ganz allein!«
    08] Sagt Faustus: »Dürfte auch ich ihn nicht begleiten?«
    09] Sage Ich: »O ja, aber auch nur du allein!« - Mit diesen Worten schieden wir.
    10] Ich begebe Mich mit Meinen vielen Jüngern nun gen Nazareth in Mein irdisches Vaterland, und Faustus läßt sogleich eine Menge Träger, Packer und Lastwagen kommen, mittels derer er die mitgenommenen Schätze in sein Haus nach Kapernaum schafft. Daß es in Kapernaum ein großes Aufsehen machte, als man den Oberrichter so reich beladen an der Seite einer wunderschönen Gemahlin einziehen sah, braucht kaum erwähnt zu werden; aber daß dem Oberrichter in vieler Hinsicht auch der Oberste der dortigen Pharisäer, namens Jairus, entgegenkam, läßt sich noch leichter denken, - denn er wußte ja auch einiges von dem Zuge der zwölf Pharisäer nach Jerusalem und auch, daß Faustus deretwegen nach Kis berufen worden war.
    11] Faustus empfing ihn mit aller Achtung und sagte zu ihm: »Ein Ehrlicher ward gerettet, und die Pfänder, die ungerecht von diesen Pharisäern im geheimen von den armen Juden erpreßt worden sind, sind ihnen bis auf einen Stater zurückgestellt worden, und elf genießen nun für ihre allseitigen unerhörten Betrügereien und Räubereien zu Jerusalem im Tempel die wohlverdiente Strafe. Es wäre zu weitläufig, dir alles zu erzählen, was die elf alles verübt haben; wenn du aber einmal Muße hast, da komme und lies selbst in den vielen Akten, und dir werden die Haare zu Berge steigen! - Nun aber von etwas anderem! Wie sieht es denn mit deiner lieben Tochter aus? Lebt sie noch, oder ist sie gestorben?«
    12] Sagt Jairus übertraurig und sogleich zu weinen beginnend: »O Freund, warum erinnertest du mich daran? - Sie ist mir leider, leider gestorben; denn kein Arzt konnte ihr helfen! Der einzige Arzt Borus aus Nazareth sagte, daß er ihr wohl helfen könnte, aber darum nicht helfen wollte, weil ich mich an seinem Freunde Jesus, der sein Meister war, zu sehr und zu hart versündigt habe. Und so starb meine über alles geliebteste Tochter. Es war zu herzzerreißend, wie die Sterbende Jesum rief, daß Er ihr hülfe, und wie sie mir noch sterbend ein hartes Wort gab darüber, daß ich mich an Jesu, dem größten Wohltäter der armen leidenden Menschheit, dermaßen hart versündigt habe, daß sie nun darum unwiderruflich sterben müsse. Ich wandte ohnehin alles auf, um Jesus zu finden, daß Er ihr hülfe! Aber Jesus wollte meinen Boten kein Gehör mehr geben, obschon ich tausend Male nun bitter bereut habe, daß ich mich an Ihm versündigte! Jetzt aber ist alles vorbei! Bei vier Tage schon liegt sie im Grabe und riecht wie die Pest! Jehova sei nun nur ihrer schönen Seele gnädig und barmherzig!«
    13] Sagt Faustus: »Freund! Ich bedaure dich zwar wohl von ganzem Herzen; aber ich sage dir auch, daß der allmächtige Herr Jesus Sich nun in Nazareth befindet. Ihm ist meiner nun vielfachen Erfahrung nach kein Ding unmöglich! Wie wäre es denn, so du zu Ihm selbst hingingest? Ich sage dir, Er hat Macht genug, deine Tochter aus dem Grabe ins Leben zu rufen und sie dir wieder zu geben!«
    14] Sagt Jairus: »Wenn auch letztes nicht mehr möglich sein sollte, so will ich aber dennoch hingehen und Ihn tausend Male um Vergebung bitten, darum, daß ich Ihn, freilich nur genötigt und nicht freiwillig, beleidigt und betrübt habe!«
    15] Sagt Faustus: »Gut, so gehe mit mir hin; wir werden Ihn in Nazareth und zwar im Hause Seiner Mutter treffen. Aber es darf uns nach Seinem Ausspruche niemand begleiten!« - Jairus willigt, von einer beseligenden Hoffnung ergriffen, sogleich in den Vorschlag des Faustus ein. Beide lassen sogleich gut laufende Maultiere satteln und reiten so schnell als möglich nach Nazareth hin. Noch ein paar Stunden vor dem Untergange treffen sie in Nazareth ein, lassen die Maultiere in einer Herberge und begeben sich dann zu Fuß ins Haus Meiner Mutter und treffen Mich da mit Borus, der einer der ersten aus Nazareth war, der Mir mit offenen Armen entgegenkam; denn er bekam Nachricht, daß Ich an diesem Tage in Nazareth anlangen werde.
    16] Als nun Faustus mit dem Jairus ins Zimmer trat, da fing letzterer an zu weinen, fiel vor Mir nieder und bat Mich laut, daß Ich ihm vergäbe seine große Sünde des Undanks, die er an Mir begangen habe.
    17] Ich aber sage zu ihm: »Stehe auf! Dein Vergehen ist dir verziehen, aber sündige zum zweiten Male nicht wieder! - Wo liegt deine Tochter begraben?«
    18] Spricht Jairus: »Herr, Du weißt, daß ich unfern von hier eine Schule für die Kinder des Landes habe errichten lassen, versehen mit einem kleinen Bethause. In diesem Bethause habe ich eine Gruft erbauen lassen für mich; da aber die Tochter vor mir starb, so ließ ich sie dahin bringen und legen in die neue Gruft, darin früher noch nie jemand als Toter gelegen. Diese Gruft ist von hier nur kaum zweitausend Schritte entfernt. So Du, o Herr, sie besehen möchtest, würde mich das über die Maßen selig stimmen; denn ich bin sonst betrübt bis in den Tod!«
    19] Sage Ich: »Nun, da führe Mich hin, - aber es darf Mir außer dir und dem Faustus niemand folgen!«
    20] Es fragten aber die Apostel, ob denn auch sie nicht dabei sein dürften.
    21] Sage Ich: »Diesmal niemand außer den zwei Betreffenden!«
    22] Sagt Borus: »Herr, Du kennest mich, daß ich stumm sein kann wie ein Fisch; was täte es denn, so ich als ein Arzt euch geleitete?«
    23] Sage Ich: »Es bleibt bei Meinem ersten Ausspruche; wir drei allein, und sonst niemand!«


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