Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 10


Einhaltung oder Übertretung der göttlichen Ordnung erzeugt Himmel oder Hölle. Beispiele hierfür.

01] Sagt Faustus: »Herr, nun fängt es bei mir an hell zu werden! - Es ist in aller Unendlichkeit nur ein Gott, eine Kraft und ein Gesetz der ewigen Ordnung. Wer aus den Menschen sich dieses Gesetz zum eigenen macht, für den ist alles und überall Himmel: wer aber aus seiner eigenen Freiheit heraus diesem Gesetze widerstreben will, für den ist überall Hölle, Qual und Marter!«
02] Sage Ich: »Ja, also ist es! - Das Feuer ist ein überaus nützliches Element; wer es ordentlich, weise und zweckmäßig benutzt, dem verschafft es einen unberechenbaren Nutzen. Es wäre zu weitläufig, alle die Vorteile herzuzählen, die den Menschen durch die rechte, weise und zweckmäßige Benutzung des Feuers entstehen. Wenn aber jemand das Feuer höchst unweise und allenfalls zum bloßen Vergnügen so leichtsinnig gebrauchen möchte, daß er es anzündete auf den Dächern der Häuser oder in dichten Waldungen, da wird ein und dasselbe Feuer alles zerstören und verderben!
03] Wenn es im Winter frostig ist, so geht jedermann gerne an den Kamin und wärmt sich mit großer Lust beim heiter knisternden Feuer, das den festen Kamin mit wärmenden Flammen füllt; aber wer ins Feuer fiele, den würde es töten und verzehren.
04] Aber Ich sage dir noch etwas: Die Menschen dieser Welt müssen, um wahrhaft Gottes Kinder zu werden, durch Wasser und Feuer geführt werden. Der Himmel im Urwesen ist Wasser und Feuer; was nicht dem Wasser verwandt ist, wird vom Wasser getötet, und was nicht selbst Feuer ist, kann im Feuer nicht bestehen«
05] Sagt Faustus: »Herr, das verstehe ich schon wieder nicht! Wie ist das zu nehmen? Wie kann man zugleich zu Wasser und zu Feuer werden? Denn bekanntlich sind Wasser und Feuer die gegenseitig feindlichsten Elemente; eines zerstört und vernichtet das andere. Ist das Feuer mächtig, und man gießt Wasser hinein, so wird das Wasser schnell in Dampf und Luft verwandelt; ist aber das Wasser mächtiger als das Feuer, so erlischt dieses im Wasser, sobald es vom selben überflutet wird. Wenn man nun aber, um dem Himmel zu gleichen, zugleich Wasser und Feuer sein soll, da müßte man sich am Ende ja sowieso auflösen!? Wie sähe es dann mit dem ewigen Lebensbestande aus?«
06] Sage Ich: »Oh, recht gut! Beides im rechten Verhältnisse, - und es erzeugt und erhält dann fortwährend eines das andere! Denn siehe, gäbe es in und um die Erde kein Feuer, so gäbe es auch kein Wasser; gäbe es aber in und um die Erde kein Wasser, so gäbe es auch kein Feuer, - denn da erzeugt fortwährend eines das andere.«
07] Fragt Faustus: »Wieso? Wie das?«
08] Sage Ich: »Nimm alles Feuer, aus dem alle Wärme stammt, von der Erde, und die ganze Erde wird zu einem diamantstarren Eisklumpen, auf dem kein Leben fortkommen könnte; nimm aber darauf alles Wasser von der Erde, und sie wird nur zu bald zu nichtigem Staube werden! Denn ohne Wasser wird sich auch kein Feuer halten, das zu Neubildungen auf der Erde so überaus notwendig ist; wo aber keine Nach- oder Neubildung mehr stattfindet, da ist der Tod und die Verwesung eingekehrt.
09] Siehe an einen Baum, der seine Säfte verlor, und du wirst gewahr werden, daß der Baum in kurzer Zeit verfaulen und dadurch zunichte wird. Verstehst du nun solches?«
10] Sagt Faustus: »Ja, Herr, nun verstehen wir alle auch dieses und erkennen, daß Du voll des göttlichen Geistes und der Schöpfer aller Dinge Selbst bist. Denn welcher Mensch kann das aus sich ergründen, wie die ganze Schöpfung bestellt ist, und unter was für Gesetzen sie besteht? Solches kann nur dem klar und in allen Tiefen bekannt sein, der den Geist in sich trägt, durch den alle Dinge gemacht worden sind und nun gleichfort als dieselben bestehen. - Ich kann Dir für alle die mir hier erwiesenen großen Wohltaten geistiger und auch materieller Art nur aus dem für Dich mit höchster Liebe erfüllten Herzen danken! Denn was anderes sollte ich armer, schwacher, sündiger Mensch Dir, dem Herrn der Unendlichkeit tun können?«
11] Sage Ich: »Du hast recht; aber behalte vorderhand alles, was du weißt und hier gesehen und erfahren hast, bei dir, mache Mich nicht ruchbar vor der Zeit, und vergiß nun in deinem irdischen Glücke der Armen nicht! Denn was du immer den Armen in Meinem Namen tun wirst, das hast du Mir getan, und es wird dir im Himmel vergolten werden. - Jetzt aber, da wir hier in Kis alles beendet haben, was da zu machen und zu schlichten war, wollen wir uns zur Reise nach Nazareth anschicken.«


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