Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 194


Das Innere des Menschen als Sammelplatz des Lebens und geistige Heimat. Rückkehr Jesu nach Kis zu Kisjonah.

01] Fragen Mich die Jünger, die am Meere sind: »Wohin, o Herr, werden wir nun uns wenden?« Sage Ich: »Ganz geraden Weges heimwärts!« Sagen die Jünger: »Herr, da wird es uns eben nicht am besten ergehen! Denn die Pharisäer haben Deiner irdischen Leibesmutter ja alles genommen, und so sieht es mit der Heimat nach unserer Meinung etwas bedenklich aus, obwohl wir recht genau wissen, daß Du eigentlich überall zu Hause, folglich daheim bist.«
02] Sage Ich: »Ihr solltet denn doch schon nun etwas in der Rede des Geistes bewandert sein! Will Ich denn nach Nazareth, so Ich sage, daß wir nun geraden Weges heimziehen werden?! So begreifet es denn einmal! So Ich vom Heimkehren rede, da meine und verstehe Ich das Innere des Menschen, welches ist der wehrhaft geistige Sammelplatz des Lebens, der Kraft, der Macht und aller Weisheit. Also dahin ziehen wir nun! Wir bedürfen der inneren geistigen Ruhe, und diese ist eine rechte Heimat; in ihr - nicht Meinet-, sondern eurerwegen - werden wir das finden, was uns als äußeren Fleisch- und Blutmenschen vor allem not tut! Versteht ihr das?«
03] Sagen die Jünger: »Ja, Herr, nun verstehen wir es!«
04] Sage Ich: »Wer ziehen aber irdisch nun wieder zum Kisjonah hin! In seinem Hause sind wir sicher; denn das ist ein freies Haus und zahlt darum dem Kaiser einen großen Tribut, und die Pharisäer werden ferngehalten werden. Aber nach einigen Tagen werden wir von da wohl nach dem irdischen Vaterlande ziehen und werden dort versuchen, geradezumachen, was nun überaus krumm geworden ist.«
05] Sagt Kisjonah: »Herr, nicht etliche Tage, sondern lieber etliche Monde, oder wenigstens Wochen wollest Du mit all den Deinen in meinem, der Wahrheit nach aber eigentlich vollkommen allein Deinem Hause zubringen. Denn in Nazareth wirst Du, so Du nicht Feuer und Schwefel vom Himmel regnen lässest, wenig oder gar keine Aufnahme finden, besonders bei den Pharisäern und Schriftgelehrten, die Dir eigentlich stets mehr und mehr nach Deinem Leben zu stellen beginnen!«
06] Sage Ich: »Freund, entschlage dich dieser Sorge; denn man kann an Mich nur insoweit heran und Mir irgend etwas anhaben, als Mein Vater, der in Mir ist - so wie Ich in Ihm, es zuläßt; was da aber alles zugelassen wird zum Heile aller Menschen und zur Erfüllung der Schrift, das weiß Ich schon eine Ewigkeit zum voraus! Und all die Propheten hätten nimmer also zu weissagen vermocht, wenn Ich es nicht zum voraus gewußt hätte; denn derselbe Geist, der in aller Fülle in Mir wohnt und nun zu dir also spricht, hat auch zu den Propheten also geredet, wie du es geschrieben liesest! Da nun aber derselbe Geist Selbst da ist, so muß Er auch das erfüllen, was Er von Sich Selbst durch die Propheten geweissagt hat! Und du habe darob keine Sorge! Denn dieser allmächtige Geist wird Sich schon zu helfen wissen!« Ù
07] Kisjonah versteht Mich, schweigt, schlägt sich darauf dreimal an die Brust und sagt nach einer Weile: »Ich bin wohl nicht wert, daß Du eingehest unter mein Dach, sei aber mir armem Sünder dennoch gnädig und barmherzig und bleibe mehrere Tage zum Troste bei mir!«
08] Sage Ich: »Sei deshalb ganz ruhig! Denn Ich werde bei dir, solange Ich auf dieser Erde zu tun habe, für Mich und alle, die mit Mir sind, Wohnung nehmen; dein Haus soll Mir eine Ruhestätte sein. Aber Ich werde es oft zu verlassen haben um Meiner Arbeiten willen; aber geistig werde Ich es nimmer verlassen!« (Meine Hand dabei auf Kisjonahs Herz legend.)


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