Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 193


Jesus mit den Seinen auf dem See gebietet dem Sturm. Ahabs Weisheit.

01] Wir aber fuhren in einer ganz anderen Richtung von Jesaira ab, und es mußte abermals sein, daß auch wir von einem Sturme inmitten des Meeres überfallen werden mußten, bei welcher Gelegenheit abermals alle Jünger samt allen, die im Schiffe waren, in eine große Furcht gerieten, wie es schon früher einmal der Fall war, und vor Angst und Furcht zu schreien begannen, daß Ich ihnen hülfe, ansonst alles zugrunde gehen müßte!
02] Und Ich gebot, wie einst zuvor, dem Winde und dem Meere, worauf augenblicklich eine große Wind- und Meeresstille eintrat und alles Volk im Schiffe laut sprach: »Wer ist er, daß ihm Wind und Meer gehorchen?!« (vgl. Matthäus.08,23-27; Markus.04,36*; = Lukas.08,22;  ⇒ jl.ev01.103,03-04)
03] Ahab aber, der nicht in diese Frage eingestimmt hatte, sagt zu den Jüngern und mehreren andern: »Freunde, das war schon wieder eine recht unzeitige und dumme Frage und Verwunderung! Ihr seid doch schon so lange bei und um Ihn und möget euch noch gerade also verwundern, als ob das das erste Zeichen wäre, das ihr habt verrichten sehen! Ich bin noch nicht einen vollen Tag unter euch, und mir ist alles das so begreiflich, als einem Menschen nur immer irgend etwas begreiflich sein kann! Wenn Er das ist, nämlich der große verheißene Messias, Der nach David nichts mehr und nichts weniger ist als Jehova Selbst, wirkend durch Fleisch und Blut, so wird es Ihm doch etwa ein leichtes sein, einen Seesturm abzustellen, weil es Ihm sicher nichts besonders Schweres war, die ganze Welt zu erschaffen! Wenn aber das unbestreitbar der Fall ist und ihr Ihn kennet, wie kommt dann solch eine Frage und solch eine Verwunderung aus eurem Herzen?!«
04] Sagt Judas, etwas ungehalten durch diese Bemerkung Ahabs: »Freund, soll uns denn nun darum gar nichts wundernehmen, was der Herr tut vor unsern Augen, weil wir solches und vieles andere von Ihm gesehen?«
05] Sagt Ahab: »Bruder, das sei ferne! Aber ich meine es nur also: Wir sollen uns wohl verwundern in aller Demut unseres Herzens, daß Er solches wirket vor unsern Augen und uns, als eben nicht gar zu besonders viel werte Geschöpfe, Seiner Liebe, Weisheit und Macht für so würdig achtet, eben solche Taten vor unseren Augen und unseren Sinnen zu verrichten! Ich wenigstens für mich halte mich für die allergeringste nicht würdig! Aber so wir wissen, wer Er ist, und wundern uns dann, so Er, der Himmel und Erde gemacht hat, eine außerordentliche Tat verrichtet, gerade, als ob solche von einem Menschen wäre zustande gebracht worden, dann halten wir Ihn als den Herrn ja am Ende für nichts mehr als einen sonstigen, bloß etwas außergewöhnlichen Menschen! Und da meine ich, daß eine Verwunderung, wie sie nun nach der plötzlichen Stillung des Sturmes von euch dem Herrn bezeugt worden ist, wohl nicht am Platze ist!
06] Wäre es denn nicht lächerlich, sich nun ebenalso zu verwundern anzufangen über die Sonne, über den Mond, über alle die Sterne, über die Erde und über alle wunderbarst eingerichteten und gestalteten Geschöpfe, die doch ebenso Seine Werke sind als wie die außerordentliche Stillung dieses starken Seesturmes?! Wenn wir uns aber nach meiner Meinung schon wundern wollen, so wundern wir uns ganz allein dessen, daß Sich der allmächtige Gott Jehova, der Unaussprechliche, so unendlich tief herablassen mochte, zu uns sterblichen, überaus schwachen Menschen zu kommen, von Seiner ewig unermeßlichen Höhe herab, das beinahe unglaublich wäre, wenn solches nicht schon seit Adam, Henoch und durch alle Propheten bis auf den armen Zacharias und dessen Sohn Johannes also, wie es nun da ist und vollauf wahr geschieht, wäre geweissagt worden.
07] Daß solches alles also, wie es hunderte von Propheten vorhergesagt haben mit einer Stimme, da ist, kommt mir allein als das größte Wunder vor! Das, was nun geschieht, ist nichts anderes als eine ganz natürliche Folge der ersten, allerwunderbarsten Erscheinung auf dieser Erde, nämlich: der vorhergesagten Erscheinung Jehovas im Fleische und Blute!«
08] Sagen sogar die zwölf Apostel zu Mir: »Herr, woher kommt denn diesem solche Rede und solch eine klare Weisheit?«
09] Sage Ich: »Sein Fleisch und Blut gibt ihm solches nicht ein, sondern der Geist, der in ihm sehr geweckt ist, so daß ihm bis zur vollen Wiedergeburt des Geistes nur ganz wenig mehr abgeht! Aber es ist euch wahrlich keine besondere Ehre, daß er euch ein Lehrer ist, anstatt daß ihr es ihm sein sollet; aber er hat viel vor euch darum, daß er in der Schrift sehr bewandert ist, und Ich habe ihn lieb, so wie Ich euch liebhabe; denn es ist viel Demut in seinem Herzen!«


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 1   |   Werke Lorbers