Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 190


Marias Vertreibung von Haus und Hof durch Kapernaums Pharisäer. Trost durch Barams und Kisjonahs Hilfsangebote. Jesu Predigt vom Schiff zum Volk am Ufer.

01] Sagt nun Maria: »Mein Herr und Sohn! Was dieser junge Mann Dir nun kundgab, ist völlig wahr, und ich, als von meinem Hause Deinetwegen förmlich Vertriebene bin eben darum zu Dir gekommen, um Dir solches alles kundzugeben. Was aber soll ich nun tun mit Deinen Brüdern und Schwestern, freilich nur irdisch genommen? Denn ich weiß wohl, daß Du auf der Erde keinen Verwandten hast, außer Deine Jünger im Herzen.
02] Unsere kleine Habe ist dahin; die bösen Pharisäer haben sich ihrer bemächtigt und haben unsere Hütte samt dem gut bebauten Garten an einen Fremden verkauft! Siehe, ich und Deine Brüder und Schwestern sind nicht mehr so jung, um uns mit dem schweren Tagewerk befassen zwar können; und wollten wir auch das, so haben diese bösen Tempelmachthaber allen Juden bei großer Strafe verboten, uns je irgendeine Arbeit zu geben und ebensowenig ein Almosen! Was sollen wir nun machen und von was leben?!«
03] Sagen Baram und Kisjonah zugleich: »Hochgeehrteste Mutter, die Gott solcher endlosen Gnade gewürdigt hat, durch sie den allerhöchsten Sohn aller Himmel in diese arge Welt geboren werden zu lassen, kümmere dich dessen nur du nicht! Siehe, wir sind fürs erste keine Juden mehr, in staatlicher Hinsicht betrachtet, sondern nach außen hin Griechen, obschon im Herzen vollkommen Juden nach Moses! Wir beide sind - dem Herrn alles Lob! - reich; daher ziehe du mit allen deinen Angehörigen zu uns, und es soll dir nichts abgehen!«
04] Sage Ich: »Freunde! Euer Antrag ist ein Balsam, in Mein Herz gegossen! Mein Segen und Meine Gnade soll ewig euer Anteil sein. Aber vorderhand werde Ich nach Hause ziehen und sehen, mit welchem Rechte die argen Wichte der Mutter, dem rechtmäßigen Weibe Josephs, die kleine und schwer erworbene Besitzung geraubt haben.
05] Dann werde Ich auch mit dem Jairus ein paar Wörtlein zu reden bekommen; denn seine Tochter soll abermals krank werden, und er wird Mir kommen. Und da werde Ich mit ihm reden. Nun aber, da es wirklich so arg ist und die arge Höllenbrut uns allenthalben Fallen gelegt hat, so wollen wir sogleich aufbrechen und uns aufs Meer begeben; das hat für uns keine Falle aufgerichtet!

Jesu Schiffspredigt

06] Zuvor, und zwar am Meere, will Ich aber dem Volke so manche Dinge über das Reich der Himmel enthüllen durch Bilder, auf daß sich dereinst niemand entschuldigen kann und sagen: 'Wie hätte ich's glauben und halten sollen, so ich davon doch nie etwas vernahm?!' Wie die alten Wichte kommen, so soll ihnen das Volk den Zutritt nicht verwehren, auf daß sie sich dereinst desto weniger sollen entschuldigen können.
07] Du, Freund Kisjonah, aber gehe und bereite dein großes Schiff; denn wir werden dessen wohl vonnöten haben!« Kisjonah erhebt sich mit den Seinigen und geht, Meinem Wunsche zu willfahren.
08] Baram aber bittet Mich, da Ich schon nicht mehr in seinem Hause verbleiben kann und mag, daß er Mir das Geleite geben dürfe.

  • Matthäus.13,01] An demselben Tage ging Jesus aus dem Hause und a setzte sich an das (galiläische) Meer. (a = Markus.04,01;  ⇒ jl.ev01.190,09*;  jl.him2.202,01*;  gm.pred.011)
    Matthäus.13,02a] Und es a versammelte sich viel Volk bei ihm, (a = Markus.04,01;  ⇒ jl.ev01.190,09*;  jl.him2.202,01*;  gm.pred.011)

    09] Und Ich sage: »Wie weit und auf wie lange du willst! Denn von Mir ist noch nie jemandes ehrliches und wahres Verlangen zurückgewiesen worden und unerhört geblieben!« Der Baram bestellt sonach sein Haus, erteilt seinem Weibe und Kindern den Auftrag, was sie unterdessen zu tun haben, und wie sie sich gegen böse Verfolger benehmen sollen. Dann aber nimmt er etwas Gold mit sich und geht mit uns allen hinaus a ans Meer, und eine b übergroße Menge Volkes folgt uns am Fuße nach. (a Matthäus.13,01*; = Markus.04,01jl.him2.202,01*;  gm.pred.011 b Matthäus.13,02; = Markus.04,01;  ⇒ jl.ev01.190,09*;  jl.him2.202,01*;  gm.pred.011)
    10] Auch die alten argen Pharisäer fehlen nicht, nur sind sie verkleidet, damit sie das Volk nicht erkennen solle. Als wir ans Meer kommen, drängt sich das Volk unter beständigen Rufen »Heil dem Sohne Davids!« so dicht ans Ufer, daß Ich mit Meinen Verwandten nicht mehr zu stehen Platz habe, gleichwie auch all Meine Jünger für sich sicher um so weniger, weil sie schon sehr zahlreich waren.

  • Matthäus.13,02b] so daß er a in das Schiff stieg und sich setzte, (a = Markus.04,01;  ⇒ jl.ev01.190,11*;  jl.him2.203,03-04*;  gm.pred.011)

    11] Daher sagte Ich zum Kisjonah: »Laß die Treppe herab ans Ufer; wir müssen ins Schiff; denn das Land wird uns zu enge!« Kisjonah ließ schnell die Treppe herab, a und wir bestiegen sogleich das Schiff. Da Mich aber das Volk ins Schiff steigen sah, so meinte es, daß Ich sogleich abfahren werde. Darum fing es an, Mich laut zu bitten, daß Ich die versprochene Lehre vom Himmelreiche geben möchte! (a Matthäus.13,02b*; = Markus.04,01jl.him2.203,03-04*;  gm.pred.011)


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