Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 122


Jünger des Täufers Johannes als Gäste des Matthäus und Jesus.

01] Und der junge Hausherr Matthäus, der Zöllner (der nicht zu verwechseln ist mit dem Evangelisten Matthäus, der nur ein Amtsschreiber war, - daher denn in der Schrift auch der Beisatz 'Zöllner' vorkommt, so von ihm die Rede ist), berief Meine Jünger, die Pharisäer und Schriftgelehrten hinein, und sie gingen und setzten sich und aßen und tranken recht wacker darauf los. Nur Judas hielt sich diesmal sehr mäßig; denn er fürchtete eine starke Zeche, und vom Zahlen war er, wie nur zu bekannt, kein großer Freund.
02] Als wir so recht guten Mutes beisammen waren und die Pharisäer und Schriftgelehrten sich auch mit den Zöllnern und sogenannten Sündern mehr und mehr zurechtgefunden hatten, da kommt eine Küchenmagd zum Hausherrn und sagt: »Was werden wir nun machen? Jetzt sind die Fischer erst gekommen, haben Fische gebracht und wollen was zu essen und zu trinken haben; da wir aber heute zufällig so viele fremde Gäste bekommen haben, die nahe unsern heutigen Vorrat aufgezehrt haben, so wissen wir nun in der Küche nicht, was wir machen sollen.« Sagt Matthäus der Zöllner: »Wie viele sind ihrer?« Sagt die Magd: »Es werden ihrer wohl bei zwanzig sein.« Sagt Matthäus der Zöllner: »So laß sie hereinkommen, hier ist noch Vorrat in Menge!«
03] Die Magd geht und sagt das den Fischern, und diese begeben sich in das große Gastzimmer und setzen sich sogleich an einen kleinen Tisch, von dem auch die Mittagsgäste schon aufgestanden sind.
04] Als die Fischer aber den Petrus und mehrere ihrer früheren Geschäftsgenossen erkennen, so begrüßen sie sich gegenseitig, und die Fischer, etwas mürrisch, weil es auf ihrem Tische etwas magerer aussieht als auf unserem, sagen sogleich zu Petrus: »Für uns tut es sich ja; denn wir sind noch echte getreue Jünger Johannis, und unser Gesetz ist Fasten. Ihr aber, als neue Jünger Jesu, könnet essen nach Lust, wie wir sehen; denn vom Fasten scheint bei euch keine Rede mehr zu sein!«
05] Sagt Petrus: »Johannes fastete um das, was wir haben, und wir fasteten mit ihm nach seiner Lehre und strengen Predigt. Johannes verkündete Den, bei Dem wir sind, und zeugte von Ihm. a Als Dieser aber kam und von Johannes sogar die Wassertaufe nahm, da traute Johannes seinen Sinnen nicht völlig und also auch ihr nicht. Denn während Johannes vom Geiste getrieben über Jesus zeugte und, als Dieser Sich ihm nahte, zu uns sagte: b 'Sehet, Der da kommt, Dieser ist es, von Dem ich zu euch geredet habe, daß Er nach mir kommen werde, Dem ich nicht würdig bin, aufzulösen die Riemen Seiner Schuhe!', zweifelte er aber dennoch heimlich bei sich, gleichwie ihr, und zweifelt zur Stunde noch. Darum fastet er noch immer, und ihr fastet auch; bei uns Gläubigen aber hat das Fasten ein Ende! Daß ihr noch fastet, da ist die Schuld nur an euch! Es ist auch recht also; denn gleichwie der Blinde seine Sehe nicht sättigen kann mit dem Lichte und dessen Farben, also wird auch der im Herzen Blinde nicht sättigen können weder sein Herz noch seinen Magen. Versteht ihr das? (a Matthäus.03,13-16; Markus.01,09; Lukas.03,21; b Matthäus.03,11; Markus.01,07; Lukas.03,16; Johannes.01,27*)
06] Hätte Johannes geglaubt, so wäre er dem Lamme gefolgt, Das nach seines Geistes Zeugnis die Sünden der Welt hinwegnimmt. Aber weil seine Seele selbst zweifelte an Dem, von Dem sein Geist in ihr und durch sie zeugte, so blieb er in der Wüste zurück, bis ihn Herodes festnahm, wie wir's vernommen haben.
07] Warum folgte er Ihm denn nicht, da er doch zu uns durch den Geist sagte: 'Diesen sollet ihr hören!'? Warum wollte denn er Ihn nicht hören?! Warum folgte er Ihm nicht sogleich, da er doch zuvor sein ganzes Leben Dieses wegen, Der gekommen ist, so strenge übte und führte?! Wir wissen nicht, daß Dieser, Dem wir folgten, ihm je verboten hat, Ihm zu folgen. Saget mir daher nur einen haltbaren Grund, warum Johannes Jesu nicht sogleich gefolgt ist!«
08] Hier stutzen die Jünger des Johannes und wissen nicht, was sie dem Petrus entgegnen sollen. Nur einer aus ihnen sagte, daß die a Nachricht falsch sei, daß Johannes vom Herodes festgenommen worden wäre; Herodes hätte ihn nur in seine Residenz nach Jerusalem berufen, um dort von ihm alles zu erfahren über den kommenden Gesalbten Jehovas. Herodes achte Johannes zu sehr, als daß er ihn gäbe in ein Gefängnis. (a Matthäus.14,03; Markus.06,17; Lukas.03,20)
09] Petrus aber sagte etwas drollig: »Wenn's noch nicht in der Fülle geschehen sein sollte, so wird es doch sicher sehr bald geschehen! Denn Herodes ist ein schlauer Fuchs, und ihm ist so wenig zu trauen wie einer Schlange.«


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