Jakob Lorber: 'Kindheit und Jugend Jesu'

251. Kapitel: Der Segen des Herrn im Hause Josephs. Der Familie Verwunderung und Dank. Jakob spricht über das Wunder vom Weizenkorn. (12.07.1844)

01] Während dieser Verhandlung aber bestellten die Söhne Josephs das Vieh, molken die Kühe und die Ziegen und gewannen diesmal eine ungewöhnliche Menge der fettesten Milch.
02] Als sie damit fertig waren, da gingen zwei auf einen schon vollreifen Weizenacker und schnitten mehrere Garben, rieben bald einen recht tüchtigen Korb voll der reinsten Frucht aus den abgeschnittenen Garben.
03] Und die zwei anderen Brüder aber nahmen alsbald den Korb mit der Weizenfrucht, brachten sie in die zwei Handmühlen, die Joseph selbst verfertigt hatte, und vermahlten in kurzer Zeit das Getreide.
04] Durch den Segen des Herrn gewannen sie zweimal soviel Mehl, als da ehedem Getreide im Korbe vorhanden war.
05] Und alle diese Arbeit war in drei Stunden vollendet, Und als das Mehl in zwei Körben an der Sonne dastand,
06] da kam Joseph heraus und fragte die Söhne, woher sie dies schöne Mehl genommen hätten.
07] Und als ihm die Söhne sagten, wie sie dieses Mehl gewonnen hatten, da besah er die ausgeriebenen Garben und sprach:
08] »Wie ist das möglich? Ich sehe nur zehn Garben! Sollen diese wohl diese beiden großen Körbe voll mit Mehl angefüllt haben?«
09] Und? die Söhne sprachen: »Ja Vater, also ist es! Durch die Gnade Gottes haben wir richtig in kurzer Zeit aus den zehn Garben dieses Mehl gewonnen;
10] und der Segen Gottes war über den Garben und über unserer Arbeit, daher dieser reiche Gewinn!«
11] Darauf dankte Joseph mit dem gerührtesten Herzen und ging wieder ins Haus und erzählte das allen im Hause.
12] Und alle gingen hinaus und besahen das Mehl, und einer wie der andere sprach:
13] Das ist unmöglich, auf natürlichem Wege allerreinst unmöglich!«
14] Da nahm Jakob auf einen inneren Antrieb ein auf dem Boden liegendes Weizenkorn und sprach:
15] »Das nimmt euch alle wunder, daß da so viel Mehl aus den Garben hervorkam!
16] Wo aber hat sich noch aus uns je jemand also verwundert, so er so ein Körnchen in die Erde streute, und dann bald eine hundertkörnige Ähre aus dem einen Korne entsprießen sah?
17] Und doch ist hier das erste tagtägliche Wunder größer als diese doppelte Mehlvermehrung, indem es ein einziges Korn verhundertfältigt!
18] Hätten die zehn reichen Garben nur einen Korb voll Mehl gegeben, so hätte sich darüber niemand verwundert, obschon ein Korb so gut eine Wundergabe Gottes wäre, als zwei Körbe es sind.
19] Also verwundert sich auch niemand über eine hundertkörnige Ähre, weil man dieses Wunder schon gewohnt ist.
20] Ich aber frage, ob es wohl recht ist, Gott nur da zu bewundern, wo Er etwas Ungewöhnliches geschehen läßt, während doch das geordnete Gewöhnliche bei weitem höher steht, da es zu allen Zeiten gleichfort dieselbe endlose Güte, Allmacht Liebe und Weisheit Gottes bezeugt?!«
21] Diese Rede Jakobs machte eine große Sensation (Aufsehen). Alles lobte darum den Herrn, daß Er dem Menschen eine solche Weisheit gegeben hatte. Die Söhne aber nahmen das Mehl und machten sich an die Bereitung eines guten Mittagsmahles.


voriges Kapitel Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers nächstes Kapitel