Jakob Lorber: 'Kindheit und Jugend Jesu'

208. Kapitel: Die Wohltat und der Zweck des nächtlichen Sturmes: die Vernichtung der Räuber. Die Verbrennung der Knochenreste derselben. (17.05.1844)

01] Am nächsten Morgen stand Joseph wie gewöhnlich schon sehr früh auf und teilte an seine Söhne die Tagesarbeit aus.
02] Die erste war, daß sie zu sorgen haben für ein gutes Frühstück, und was dann der Tag geben wird.
03] Nach solcher Beordnung ging er hinaus und sah nach, was da etwa der nächtliche Sturm alles für Schaden angerichtet hatte.
04] Als er aber so hin und her ging, da fand er bald eine Menge abgenagter Menschengebeine
05] und traf eine Menge Stellen an, die mit Menschenblut besudelt waren.
06] Er entsetzte sich ob solchen Anblickes ganz gewaltig und konnte sich dieses Rätsel nicht lösen.
07] Aber als er aber etwas fürbaß ging, da fand er auch eine Menge Dolche und kleine Lanzen, die häufig mit Blut besudelt waren.
08] Bei diesem Anblicke fing ihm an, ein ganz besonderes Licht aufzugehen, und er fing an, so ganz leise des Orkans und der durch denselben herbeigeführten Tiere wohltätigen Grund einzusehen.
09] Schnell begab sich darauf Joseph zu seinen vier Söhnen und zeigte ihnen solches an und behieß drei, zu sammeln die Knochen und die Waffen.
10] In der Zeit von anderthalb Stunden lag ein ganz großer Haufen Gebeine unter einem Baume aufgeschichtet und daneben ein zweiter Haufen von blutigen Waffen.
11] Nach dem Frühstücke erst führte Joseph den Cyrenius und den Jonatha hinaus und zeigte ihnen diesen sonderbaren Morgenfund.
12] Als Cyrenius dessen ansichtig ward, da schlug er die Hände über dem Kopfe zusammen und sprach:
13] »Aber um des allmächtigen Herrn willen, was ist denn das?
14] Woher diese Totengebeine? Woher diese noch vom frischen Blute triefenden Waffen?
15] Joseph, Bruder, Freund, hast du keine Ahnung, die dir leise einflüstert den Grund dieses Greuels?«
16] Und Joseph sprach: »Freund und Bruder, das sind entweder Seeräuber oder jene Meuterer, die dein Schiff verfolgten!
17] Doch laß uns zuvor alles das vernichten durchs Feuer;
18] sodann erst wollen wir der Sache näher auf den Grund zu kommen trachten!«
19] Cyrenius begnügte sich damit und alle seine Leute mußten von allen Seiten Holz herbeischleppen.
20] Und als gegen Mittag ein gehörig großer Haufen Holzes auf einem freien Platz aufgerichtet war, da wurden die Gebeine samt den Waffen auf den großen Holzstoß gelegt und verbrannt.


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