Jakob Lorber: 'Kindheit und Jugend Jesu'

195. Kapitel: Neue Zwistigkeiten im zweiten Spiele. Der dritte Schub. Das ehrgeizige Mädchen im Ministergrübchen. Die Hetze gegen das Kind. Der neue, letzte Schub und die Wiederherstellung der Grund-Lebensordnung.(29.04.1844 )

01] Im Verlaufe dieses zweiten Spieles aber fielen wieder einige Zwistigkeiten unter den Spielenden vor.
02] Der Minister ward zu gefürchtet, weil das Cyrenius selbst war; der Feldherr wie der Landpfleger und der Richter getrauten sich kaum, sich zu rühren gegen den Minister und schmollten heimlich bei sich selbst über solche Ordnung.
03] Besonders waren ein paar Mädchen, die da den Landpfleger und den Richter machten, nicht zufrieden, weil sie ohne des Ministers Einwilligung nichts tun durften.
04] Nur Sixtus in seinem Kindergrübchen war vollkommen zufrieden.
05] Das Kindlein aber sah diese Uneinigkeit und berief daher alle wieder zusammen, teilte die Kügelchen wieder aus und ließ zum dritten Male schieben.
06] Bei diesem Schube aber kam Cyrenius ins Königsgrübchen und das Kindlein ins Kindergrübchen;
07] und alle Kinder hatten eine recht große Freude, daß auch einmal der zwei Jahre und vier Monate alte Jesus ins Kindergrübchen kam.
08] Hier kam sogar das gewisse Mädchen wieder und sagte zum Kindlein: »Siehe, das ist der rechte Platz für dich; das freut mich, daß du auch einmal in dieses langweilige Grübchen kommst!«
09] Das Kindlein aber sprach: »Sie her, das Ministergrübchen ist noch frei! Nimm ein Kügelchen, und schiebe, vielleicht kommst du hinein!«
10] Darauf nahm das Mädchen doch wieder das Kügelchen und schob und kam richtig ins Ministergrübchen.
11] Als es sich aber im Ministergrübchen erschaute, da wurde es ganz brennend rot vor Freude, daß endlich einmal sein Ehrgeiz befriedigt worden war, und sprach scherzend:
12] »Nun, mein Jesus, freue dich; jetzt werde ich dich schon strafen, wenn du ungehorsam sein wirst!«
13] Und das Kindlein sagte: »Weißt du, die Kinder sind frei vom Gesetze; was willst du Mir dann tun und was machen mit Mir?«
14] Das Mädchen aber sprach: »Laß nur einmal das Spiel anfangen, und du sollst sogleich sehen, ob der Minister keine Gewalt über die Kinder hat!«
15] Darauf teilte Cyrenius als König das Spiel aus, und alles ging auf seine Plätze und übte dort sein Amt aus.
16] Der Minister aber hetzte besonders den Priester gegen das Kind auf, daß er es ja nicht zu sich kommen lassen solle.
17] Also hatten auch die anderen Stände kein Gehör für das Kind.
18] Und das Kind lief darum zum Könige und beklagte sich nach der Regel des Spieles bei ihm ob seiner Verfolgung.
19] Und der König sprach: »O Herr, ich hin in diese Regeln zu wenig noch eingeweiht!
20] Da nun aber sich schon wieder, dieser Regeln ungeachtet, eine Unordnung ins Spiel eingeschlichen hat, da will ich die kleine Gesellschaft wieder einberufen, und so Du willst, können wir sogleich einen neuen Schub machen!«
21] Und das Kindlein sprach: »Ja Cyrenius, einen neuen und für ewig den letzten!
22] Und so rufe die Kinder zusammen, auf daß wir die letzte Probe machen!«
23] Und Cyrenius berief die Kinder zusammen und verteilte die Kügelchen, und es ward geschoben.
24] Diesmal schoben alle Kinder samt Cyrenius ins Kindergrübchen; nur Jesus allein schob ins Königsgrübchen.
25] Da fing aber Sein Grübchen an alsbald glühend zu werden, und Sein Kügelchen zu strahlen wie die Sonne.
26] Und das Kindlein nahm das strahlende Kügelchen und legte es ins Vatergrübchen und fragte dann den Cyrenius:
27] »Cyrenius, verstehst du nun schon ein wenig dieses bedeutungsvolle Spiel?«
28] Und Cyrenius sprach: »O Herr, Du mein Leben, wie sollte ich das verstehen?«
29] Und das Kindlein sprach: »So höre Mich denn an; Ich werde es euch allen klar und gründlich deuten!«


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