Jakob Lorber: 'Kindheit und Jugend Jesu'

157. Kapitel: Des Jesuskindleins Liebesgespräch mit Jakobus. Die Last und Schwere des Herrn für die, die Ihn in sich tragen. Das plötzliche Verstummen des bisher redefähigen Jesuskindes. (04.03.1844 )

01] Außer (Außerhalb) der Stadt übergab Maria das Kindlein dem Jakob; denn sie war müde geworden, da sie Es diesen ganzen Tag an ihren Händen hielt.
02] Und Jakob war voll Freuden daß er wieder einmal seinen Liebling zum Tragen bekam.
03] Das Kindlein aber schlug die Augen auf und sprach: Du Mein lieber Jakob, du hast Mich wohl recht von ganzem Herzen lieb!
04] Aber so Ich dir recht schwer würde, hättest du Mich dann auch noch so lieb?«
05] Und Jakob sprach: »O du mein allerliebstes Brüderchen, wenn Du auch mein Gewicht hättest, so würde ich Dich dennoch mit dem brennendsten Herzen auf meinen Armen tragen!«
06] Das Kindlein aber sprach: »Mein Bruder, jetzt freilich werde Ich dir nicht schwer werden,
07] aber es wird einst die Zeit kommen, in der Ich dir zur großen Last werde!
08] Daher tust du wohl, daß du dich jetzt schon liebend an Mein Gewicht gewöhnst;
09] wenn demnach die schwere Zeit kommen wird, da wirst du Mich in Meinem Vollgewichte ebenso leicht tragen, wie du Mich trägst als Kind!
10] Ich sage dir aber: Jeder, der Mich nicht zuvor als ein Kind tragen wird, wird erliegen unter Meinem Vollgewichte dereinst!
11] Wer Mich aber in seinem Herzen, wie du nun auf deinen Händen, tragen wird als ein kleines schwaches Kindlein, dem werde Ich auch im Mannesalter zu einer ebenso geringen Bürde werden!« -
12] Und Jakob, nicht verstehend diese hohen Worte, fragte liebkosend das Kindlein:
13] »O Du mein allerliebstes Brüderchen, Du mein Jesus, wirst Du Dich denn auch als Mann herumtragen lassen?«
14] Das Kindlein aber sprach: »Du liebst Mich aus allen deinen Kräften und das genügt Mir!
15] Deine Einfalt aber ist Mir lieber als die Weisheit der Weisen, die viel rechnen und voraussagen, ihre Herzen aber dabei kälter sind denn das Eis.
16] Was du jetzt noch nicht fassest, das wirst du mit den Händen greifen in der rechten Zeit.
17] Siehe, Ich aber bin nun nur noch ein Kind, das in einem vollunmündigen Alter ist;
18] und siehe, Meine Zunge ist dennoch gelöst, und Ich rede mit dir wie ein gesetzter Mann!
19] Möchte ich nun also verbleiben, da wäre Ich gleich einem Doppelwesen, ein Kind dem Auge - und ein Mann dem Ohre.
20] Also aber kann es nun nicht verbleiben! Ich werde Mir noch auf ein Jahr die Zunge binden vor allen bis auf dich;
21] du aber wirst Meine Stimme nur in deinem Herzen vernehmen!
22] Wann Ich aber wieder mit dem Munde reden werde, dann wird dein Auge Mich wohl männlicher erschauen, aber dein Ohr wird nur Kindisches vernehmen von Mir!
23] Dir aber habe Ich nun solches kundgetan, auf daß du dich dann nicht ärgern sollst an Mir; und also sei es!«
24] Hier ward das Kindlein wieder ganz sprachlos und gebärdete sich gleich jedem anderen. Und während dieser Beredung ward auch schon die Villa erreicht.


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