Jesus Christus: 'Himmelsgaben', Band 3, S. 458


Kapitelinhalt Parlamentarismus und Kaiserwahl (06.01.1849)

Anfrage Jakob Lorbers wegen der bevorstehenden Wahl eines deutschen Kaisers. (Mit dem Versuch, Deutschland zu einigen, wurde im März 1848 in der Paulskirche in Frankfurt am Main von dem aus Mitgliedern deutscher Ständeversammlungen gebildeten Vorparlament die Berufung einer deutschen Nationalversammlung zur Feststellung der deutschen Reichsverfassung beschlossen. Nach lebhaften Parteikämpfen in der Nationalversammlung wurde die Reichsverfassung im März 1849 vollendet. Dabei wollte ein Teil des Parlaments Österreich an der Spitze Deutschlands erhalten (Erzherzog Johann von Österreich war von der Nationalversammlung im Mai 1848 zum Reichsverweser gewählt worden), der andere Teil wollte den Ausschluß Österreichs und einen engeren Bund unter Preußens Führung anstreben. An der Spitze des Reichs sollte ein erblicher Kaiser stehen, neben ihm ein Reichstag, bestehend aus Staatenhaus (zur Hälfte von den Regierungen, zur Hälfte von den Volksvertretungen der Einzelstaaten zu ernennen) und Volkshaus (aus allgemeinen und direkten Wahlen hervorgehend). Kaiserwahl am 28. März 1849. König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen erklärte, die ihm angetragene Würde eines Kaisers der Deutschen nur mit Zustimmung aller Deutschen annehmen zu können. Endgültige Ablehnung am 28. April, nachdem inzwischen 28 kleinere Staaten zugestimmt hatten. Im Dezember 1849 legte Erzherzog Johann die Würde des Reichsverwesers nieder, d.Hg.)

   01] Nun, so schreibe! - Du stopfst Mich schon dergestalt, so daß Ich am Ende doch wieder über Dinge zu dir reden muß, die Mir wahrlich wahr nun schon zum großen Ekel geworden sind; denn wie sehr Ich die Reichstage und ihre Beschlüsse achte, das wirst du noch lange nicht in der Fülle einsehen. Aber das kann Ich dir wohl sagen, daß das Reichstag- und Reichsrathalten eine Hauptbeschäftigung der Hölle ist. Denn diese hat nun schon über eine Dezillion Reichstage abgehalten und befindet sich dennoch stets in der dicksten Nacht und hat es durch all ihre nun schon ins völlig zahllos gehenden vielen Reichstage nicht einmal zum Begriffe, was eigentlich ein Tag ist, gebracht. Daß sie nach jedem Reichstage um etwas schlechter geworden ist, das ist die vollste Wahrheit; aber von einem Besserwerden nach einem solchen höllischen Reichsratstage war noch nie die allerleiseste Spur zu entdecken.
   02] Ganz ähnlich den höllischen aber sind in allem die nunmaligen Reichstage auf Erden; und ihre Produkte, sie mögen in was immer bestehen, können daher auch kaum besser sein als jene diesen irdischen auf ein Haar entsprechenden der Hölle.
   03] Warum aber, fragst du in dir, sollen denn diese Reichstage gar so schlecht sein? Es sitzen ja doch lauter sehr gelehrte und intelligente Köpfe da beisammen und kontrollieren mit aller Schärfe ihres Verstandes jeden Vorschlag und nehmen ihn nicht eher als rechtskräftig und gesetzlich geltend an, als bis er sich an allen gelehrten Köpfen ganz gehörig abgestoßen und abgeschliffen hat. - -


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